Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 3 ° wolkig

Navigation:
Flüchtlingstragödie im Mittelmeer: 500 Tote befürchtet

Flüchtlingstragödie im Mittelmeer: 500 Tote befürchtet

Tagelang wurde über das mögliche Kentern eines Flüchtlingsbootes im Mittelmeer gerätselt. Nun bestätigen Organisationen das Drama unter Berufung auf Überlebende. Bis zu 500 Menschen sollen ertrunken sein.

Rom (dpa) - Bei einer der schlimmsten Flüchtlingstragödien der vergangenen Jahre sind im Mittelmeer möglicherweise bis zu 500 Menschen ertrunken.

Die das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR und die Internationale Organisation für Migration (IOM) bestätigten unter Berufung auf Augenzeugen seit Tagen kursierende Berichte, wonach zwischen Libyen und Italien ein Schiff mit Hunderten Migranten untergegangen sei. Beide Hilfsorganisationen hatten in der griechischen Stadt Kalamata mit 41 Überlebenden gesprochen. Demnach soll sich das Unglück in der vergangenen Woche ereignet haben.

Bereits am Montag waren Berichte über die erneute Katastrophe aufgetaucht, allerdings hatten zunächst weder die Küstenwache Italiens oder Griechenlands noch Hilfsorganisationen den Schiffbruch bestätigen können. Nun gelang es Mitarbeitern der Organisationen in Kalamata mit Überlebenden zu sprechen und Informationen zu sammeln. Demnach könnte es sich „um eine der schlimmsten Flüchtlingstragödien der letzten zwölf Monate handeln“, hieß es in der UNHCR-Mitteilung.

Die Überlebenden, die auf anderen Booten unterwegs waren, waren den Erzählungen nach in der vergangenen Woche vom libyschen Tobruk aus auf einem oder mehreren Booten in Richtung Italien aufgebrochen. Insgesamt sollen etwa 200 Menschen an Bord gewesen sein. „Nach einiger Zeit auf See sollten sie auf ein größeres Schiff umsteigen, auf dem bereits andere Menschen waren“, sagte UNHCR-Sprecherin Barabara Molinario der Deutschen Presse-Agentur. „Das andere Boot war jedoch völlig überfüllt und ist während des Umsteigens gekentert.“

Dabei seien nach Aussage der Interviewten bis zu 500 Menschen ertrunken, IOM gibt die vermutliche Zahl der Opfer mit 400 an. Die 41 Augenzeugen - 37 Männer, drei Frauen und ein dreijähriges Kind aus Somalia, Äthiopien, Ägypten und dem Sudan - überlebten nur, weil sie noch nicht auf das andere Boot umgestiegen waren oder zu den kleineren Booten zurückschwammen. Anschließend trieben sie nach UNHCR-Angaben mehrere Tage auf See, bevor ein Handelsschiff sie rettete und am Samstag nach Griechenland brachte. „Die Zeugenaussagen waren wirklich herzzerreißend“, sagte Daniel Esdras von IOM.

Wo das größere Schiff gestartet war, woher die Opfer stammten und wo genau sich das Unglück ereignet hatte, blieb zunächst unklar. Nach Angaben von IOM sollen die meisten Opfer aus Ägypten, dem Sudan, Somalia und Äthiopien stammen. Bei gutem Wetter wagen derzeit viele Flüchtlinge die gefährliche Überfahrt über das Mittelmeer von Nordafrika nach Italien. Immer wieder kommt es dabei zu Katastrophen, wenn voll besetzte Schiffe auf hoher See kentern. 

Vor fast genau einem Jahr kamen bei dem bislang wohl schwersten Unglück im Mittelmeer bis zu 800 Menschen ums Leben. Nach Angaben eines Überlebenden sollen sogar bis zu 950 Menschen an Bord gewesen sein. Mehr als 140 Leichen wurden bislang geborgen, 28 Menschen überlebten das Unglück. Derzeit versuchen Spezialkräfte, das Wrack, das in fast 400 Metern Tiefe liegt, zu heben. Es soll nach Augusta auf Sizilien gebracht werden, um dort die im Inneren des Schiffes eingepferchten Leichen zu bergen. Dies soll vermutlich noch vor Monatsende geschehen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Luxemburg/Mogadischu

Die Flucht nach Europa über das Mittelmeer ist gefährlich. Immer wieder kommen Migranten auf teils seeuntauglichen, überfüllten Booten um. Bei einer neuen Tragödie könnten hunderte Menschen ertrunken sein.

mehr
Mehr aus Politik
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Serie, Weltkrieg, erster Weltkrieg, zweiter Weltkrieg Teaser der den User auf die Sonderseiten zum Thema Weltkrieg führen soll image/svg+xml Image Teaser Weltkrieg 2015-09-23 de Serie Erinnerung an Weltkriege Alle Beiträge und Bildergalerien zum Thema sowie Infos zu Ausstellungen und Museen finden Sie auf unseren Sonderseiten. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier. > Erster Weltkrieg > Zweiter Weltkrieg 1914 bis 1918 1939 bis 1945
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.