Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Politik Führungskampf in der AfD
Nachrichten Politik Führungskampf in der AfD
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:42 20.04.2017
Führungskampf in der AfD. Quelle: dpa-Fotografen
Anzeige
Berlin

Wer sich in der AfD auf Dauer an der Spitze halten will, muss sich ein ganz dickes Fell zulegen. Denn die Anwürfe aus den eigenen Reihen sind oft bösartiger als die Attacken politischer Gegner.

Das hat nicht nur Gründungsmitglied Bernd Lucke erfahren, als er 2015 beim Essener Parteitag von einer johlenden Menge davongejagt wurde. Wer am kommenden Sonntag am Ende des Kölner Bundesparteitages als Sieger(in) auf dem Podium stehen wird, ist noch offen.

FRAUKE PETRY (41) ist - Stand heute - die bekannteste Persönlichkeit der Partei. Doch, dass sich das rasch ändern kann, hat der Fall Lucke gezeigt. Er geriet damals sehr schnell in Vergessenheit. Aber: Petry hat Nehmerqualitäten. Sitzt sie in politischen Talkshows völlig isoliert da, läuft sie erst recht zu Hochform auf. Das gilt auch für den innerparteilichen Machtkampf.

Allerdings kommen im Moment zwei Probleme zusammen: Erstens: Der rechtsnationale Flügel des Thüringer Fraktionschefs Björn Höcke sieht jetzt den Zeitpunkt gekommen, sie loszuwerden. Auch wenn das öffentlich so direkt niemand sagen will. Zweitens: Petry kann durch ihre Eheschließung mit dem nordrhein-westfälischen AfD-Landeschef Marcus Pretzell zwar jetzt auch auf seine Anhänger bauen. Allerdings hat die Parteichefin nun auch seine Gegner gegen sich.

ALEXANDER GAULAND (76) gilt als wichtigster Strippenzieher der Partei. Der ehemalige Staatssekretär aus Hessen will sich mit dem Einzug der AfD in den Bundestag auch an seiner alten Partei, der CDU, rächen. Dafür, dass sie seinen strikt konservativen Vorstellungen einst nicht folgen wollte. Diesem Ziel ordnet er alles unter. Gauland will, dass die Partei auch im ganz rechten Milieu anschlussfähig bleibt, daher seine väterliche Fürsorge für Höcke. Petry ist für Gauland eine nützliche Person. Das sieht er ganz emotionslos. Auch wenn ihn die taktischen Winkelzüge der Parteichefin gelegentlich nervlich anstrengen.

ALICE WEIDEL (38) gehört aktuell zu den Aufsteigern in der AfD. Und das, obwohl sie sich bei der Wahl zum Landesvorstand in Baden-Württemberg erst kürzlich eine Niederlage eingefangen hat. Diejenigen, die ihr da Knüppel zwischen die Beine warfen, fanden wohl, dass Weidel, die kurz zuvor schon den ersten Platz der Landesliste für die Bundestagswahl erobert hatte, nicht zu schnell zu mächtig werden sollte.

Insgesamt hat Weidel innerparteiliche Machtkämpfe jedoch gut überstanden. Das liegt auch daran, dass sie sich mit öffentlicher Kritik an irrlichternden Parteifreunden zurückhält. Auch dazu, dass sie einige gerne als Petry-Ersatz in die erste Reihe stellen würden, schweigt sie. Vielleicht will sie abwarten, wie die Stimmung beim Parteitag ist. Für Höcke und Co. ist die promovierte Volkswirtin, die mit Frau und zwei Kindern lebt, keine Wunschkandidatin, sondern im Vergleich zu Petry nur das kleinere Übel. Denn Weidel hatte sich gemeinsam mit Petry für den Parteiausschluss von Höcke eingesetzt.

BEATRIX VON STORCH (45) wäre aus Sicht des rechtsnationalen Flügels die bessere Wahl, wenn man denn unbedingt eine Frau im Spitzenteam haben will. Doch die stellvertretende Vorsitzende fällt gerne durch schrille Sprüche auf und schaut oft grimmig, wenn sie Kameras sieht.

JÖRG MEUTHEN (55) hat in seiner baden-württembergischen Landtagsfraktion schon einige Kämpfe austragen müssen. Wer damals gedacht hat, dass er sich davon nie wieder erholen wird, hat sich geirrt. Genau wie bei Petry, so ist auch bei Meuthen der Wille zur Macht ungebrochen. Auch wenn er diesmal nicht für den Bundestag kandidiert.

dpa

Mehr zum Thema
Politik Vier Prozent weniger als Union - Sonntagstrend: SPD verliert in der Wählergunst

Die SPD verliert einer Umfrage zufolge in der Wählergunst. Im jüngsten Sonntagstrend, den das Meinungsforschungsinstitut Emnid wöchentlich für die „Bild am Sonntag“ ...

16.04.2017

AfD-Vorstandsmitglied André Poggenburg hält es wegen der andauernden Streitigkeiten in seiner Partei für möglich, dass die AfD noch vor der Bundestagswahl einen neuen Vorstand wählt.

19.04.2017

AfD-Parteitage sind wie eine Wundertüte: Man weiß vorher nicht, was drin steckt. In Köln wird sich zeigen, wie stark der rechtsnationale Flügel um Höcke wirklich ist. Und wer die Partei in den Bundestagswahlkampf führt. Petry hat jetzt abgewinkt.

19.04.2017
Politik Nach wie vor fest im Sattel - Königin Elizabeth II. wird 91 Jahre alt

Elizabeth II. ist nun schon 65 Jahre Königin. Jetzt wird sie 91 Jahre alt und ist für ihr Alter erstaunlich rüstig. Sohn Charles ist ihr Thronfolger - und selbst längst im Rentenalter.

20.04.2017

Nach britischen und türkischen Analysen hat nun auch die Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen (OPCW) einen Giftgas-Einsatz in Syrien bestätigt. Frankreichs Außenminister Ayrault macht die Regierung Assad dafür verantwortlich und kündigt die Veröffentlichung von Beweisen an.

20.04.2017

Die Lage in Caracas eskaliert: Bei blutigen Massenprotesten sterben mehrere Menschen. Venezuelas Präsident Nicolás Maduro hat aus Furcht um seine sozialistische „Revolution“ das Militär in Alarmbereitschaft versetzt. Zusätzlich will er 500.000 Mitglieder einer Miliz bewaffnen.

20.04.2017
Anzeige