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Fünf-Sterne-Bewegung will Rom erobern

Fünf-Sterne-Bewegung will Rom erobern

Rom versinkt seit Jahren in Dreck und Korruption, die Stadt gilt als „unregierbar“. Die europakritische Fünf-Sterne-Bewegung verspricht Transparenz - und hat bei der Kommunalwahl gute Siegchancen. Für Regierungschef Renzi wäre das ein herber Rückschlag.

Rom (dpa) - Die italienische Fünf-Sterne-Bewegung (M5S) des europakritischen Kabarettisten Beppe Grillo will Rom erobern: Nach Umfragen hat die Spitzenkandidatin der 2009 als Protestinitiative gegründeten Partei, Virginia Raggi, gute Chancen, die Bürgermeisterwahl für sich zu entscheiden.

Für die Regierung von Ministerpräsident Matteo Renzi und seine Demokratische Partei (PD) wurde die Kommunalwahl in zahlreichen Städten Italiens als wichtiger Stimmungstest gewertet.

Insgesamt waren 13 Millionen Menschen zu den Urnen gerufen, gewählt wurde in mehr als 1300 Gemeinden sowie neben Rom in wichtigen Metropolen wie Mailand, Neapel, Bologna und Turin.

Die Wahlbeteiligung war bis zum frühen Abend relativ gering. Nach Angaben des Innenministeriums hatten bis 19 Uhr 46 Prozent der Wahlberechtigten abgestimmt. In Mailand waren es rund 42 Prozent, in Rom nur etwas mehr als 39 Prozent.

„Wir werden die Regierung in Rom übernehmen, dann die des Landes, das ist unser Ziel“, hatte die 37-Jährige Raggi am Freitag zum Ende ihrer Wahlkampagne vor Tausenden Anhängern gesagt. Die Rechtsanwältin sei bereit, die erste Bürgermeisterin der Ewigen Stadt zu werden.

Renzis Kandidat in Rom ist der etwas unscheinbare Parlamentarier Roberto Giachetti (55). Beobachter rechnen damit, dass entweder Giachetti oder die Parteivorsitzende der postfaschistischen „Fratelli d'Italia“, Giorgia Meloni (39), bei einer Stichwahl am 19. Juni gegen Raggi antreten müssen. Für einen Sieg im ersten Wahlgang waren mindestens 50 Prozent der Stimmen nötig.

Die Fünf-Sterne-Bewegung hatte bei der Parlamentswahl 2013 überraschend 25,6 Prozent der Stimmen geholt und war damit zweitstärkste Partei hinter Renzis PD geworden. Das M5S wirbt mit Ehrlichkeit und Transparenz, Kritiker werfen ihr aber populistische Züge vor.

Auch in Turin könnte die Bewegung in eine Stichwahl einziehen. Für Grillos Partei trat die erst 31 Jahre alte Unternehmerin Chiara Appendino an. Allerdings galt der derzeitige Bürgermeister Piero Fassino von der PD als klarer Favorit, Umfragen sahen ihn aber nicht über der nötigen 50-Prozent-Marke.

In Mailand galt hingegen ein Sieg von Renzis Partei PD mit dem Kandidaten Giuseppe Sala als wahrscheinlich. Sala war der Chef der im Oktober zu Ende gegangenen Weltausstellung in der lombardischen Metropole.

„Wie wir immer wieder betont haben, ist dies keine Abstimmung über die Regierung, aber die Wahlen sind trotzdem sehr wichtig, weil die Bürger die Zukunft ihrer Städte bestimmen können“, hatte Renzi zuvor betont. Der eigentliche Test für seine Regierung steht im Oktober an, wenn ein wichtiges Verfassungsreferendum über seine politische Zukunft entscheiden wird.

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