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Gauck nimmt Abschied vom Schloss

«Bundespräsident a.D» Gauck nimmt Abschied vom Schloss

Am Anfang war auch Skepsis. Das Amt des Bundespräsidenten lädiert nach zwei Rücktritten. Dann kam der frühere DDR-Pastor Gauck. Und hat nach Meinung der meisten Deutschen einen guten Job gemacht.

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Bundespräsident Joachim Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt vor Schloss Bellevue in Berlin.

Quelle: Bernd von Jutrczenka

Berlin. Am Ende ist dann doch auch Erleichterung zu spüren, denn fünf Jahre im höchsten Amt des Staates waren für Joachim Gauck ja nicht nur Spaß und Vergnügen.

Einfach mal mit dem Fahrrad um den Block fahren, Einkaufen gehen ohne die Sicherheitsbeamten im Schlepptau, das hat er sich für die Zeit als „Bundespräsident a.D“ vorgenommen. Und er freut sich auch darauf, mal ohne diplomatische Verrenkungen seine Meinung zu sagen: „Wieder etwas offener reden zu können ist reizvoll“, gestand er vor kurzem der „Bild am Sonntag“.

An diesem Sonntag ist es so weit. Im Schloss Bellevue, seit 2012 der Arbeitsplatz Gaucks und seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt, wird eine „symbolische Amtsübergabe“ an den neuen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier inszeniert. Steinmeier kommt, Gauck geht, dazwischen eine Stunde Plausch bei Tee und Gebäck. Das war es dann, fast jedenfalls. Denn am Mittwoch, bei der Vereidigung Steinmeiers im Bundestag, wird auch Gauck noch einmal sprechen. Das Interesse wird aber vor allem den Worten des Neuen gelten.

Gauck geht, und die meisten Deutschen werden ihn als guten, vielleicht herausragenden Bundespräsidenten in Erinnerung behalten. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wollte ihn zwar 2012 verhindern, aber fünf Jahre später nennt Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) den 77-Jährigen einen „Glücksfall für unser Land“. Und das nicht nur, weil er dem Amt nach den Rücktritten seiner beiden Vorgänger Christian Wulff und Horst Köhler wieder Respekt verschaffte.

2012 war Gauck der Mann, den ursprünglich SPD und Grüne ins Schloss Bellevue schicken wollten. Dann entschied sich die FDP für ihn, erst nach langem Zögern auch die Union. Als „linken, liberalen Konservativen“ hatte er sich damals gesehen. Die Jahre im Amt, vor allem aber die außen- und innenpolitischen Krisen haben wohl das konservative Element weiter gestärkt.

„Ich bin nicht mehr so optimistisch, wie ich gerne sein möchte“, sagte der frühere DDR-Pastor vor kurzem. Gerade in der Flüchtlingspolitik setzte Gauck schon im Herbst 2015 einen ganz anderen Akzent: „Unser Herz ist weit, doch unsere Möglichkeiten sind endlich.“ Mutige Unterstützung für Merkel und die „Willkommenskultur“ war das nicht, aber ein Jahr später hatte die Kanzlerin selbst ihren Kurs geändert.

Ein Bundespräsident ist immer auch Außenpolitiker. Für Gauck war dies vor allem die Auseinandersetzung mit Autokraten rund um den Globus. Die russische Annexion der Krim und der Ukraine-Konflikt verschärften seine ohnehin kritische Einstellung zu Russlands Präsidenten Wladimir Putin. Zu einer Reise nach Moskau kam es nie.

Dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan warf er schon bei einem Besuch 2014 in Ankara Verstöße gegen Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte vor. Und über US-Präsident Donald Trump sagte er vor kurzem dem „Spiegel“: „Es besorgt mich sehr.“ Nun seien die Deutschen umso mehr als Verteidiger westlicher Werte gefragt.

Deutschlands Rolle in der Welt: Gaucks Rede vor der Münchner Sicherheitskonferenz im Januar 2014 wird als seine wichtigste in Erinnerung bleiben. „Dies ist ein gutes Land, das beste, das wir kennen“, betonte er damals, um dann mehr Anstrengungen auch in der Verteidigungspolitik zu fordern. Mehr Verantwortung zu übernehmen, notfalls auch militärisch. Das Thema ist drei Jahre später aktueller denn je.

Ob es ihm schwerfalle zu gehen, hat der „Spiegel“ Gauck gefragt. „Gelegentlich bin ich ein wenig wehmütig, allerdings eher selten“, war die Antwort. Pläne für die Zukunft? „Lasst mir eine kleine Verschnaufpause“. Ein Weilchen durchatmen, für die Famile da sein, Fahrrad fahren. „Dann gucken wir mal.“

dpa

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