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Gauck reagiert auf Kritik aufgebrachter Frauen

Berlin Gauck reagiert auf Kritik aufgebrachter Frauen

Bundespräsident Joachim Gauck hat auf Kritik junger Frauen auf seine Aussage zum „Tugendfuror“ reagiert und eine Debatte über Sexismus in der Gesellschaft als notwendig bezeichnet.

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Joachim Gauck ist wegen einer Äußerung zur Sexismus-Debatte in die Kritik geraten. Foto: Tim Brakemeier

Berlin. Bei der Verleihung des Verdienstordens an 33 Bürgerinnen zum Weltfrauentag am 8. März sagte er: „Auch in unserer Gesellschaft, die uns allen so entwickelt und reif erscheint, gibt es noch Benachteiligung, auch Diskriminierung und alltäglichen Sexismus.“ SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles lud Gauck zu einer Diskussion mit sozialdemokratischen Frauen ein.

Bei der Feierstunde im Schloss Bellevue sagte Gauck, über Sexismus in der Gesellschaft sollte von Frauen und Männern gleichermaßen eine engagierte Debatte geführt werden. Damit könnten Missstände benannt und aufgedeckt werden. Der Bundespräsident war zuletzt wegen einer Äußerung in einem „Spiegel“-Interview in die Kritik geraten. Er war gefragt worden, ob er den Umgang mit FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle wegen dessen als sexistisch bewerteten Äußerungen unfair gefunden habe. Darauf sagte er: „Wenn so ein Tugendfuror herrscht, bin ich weniger moralisch, als man es von mir als ehemaligem Pfarrer vielleicht erwarten würde.“

Eine Gruppe junger Frauen erklärte dazu in einem offenen Brief, Gauck habe Feingefühl und Respekt gegenüber all den Frauen vermissen lassen, die Erfahrungen mit Sexismus gemacht haben. Durch die Verwendung des Wortes „Tugendfuror“ bringe er erniedrigende, verletzende oder traumatisierende Erlebnisse in Verbindung mit dem abwertend verwendeten Begriff „Furie“.

Die Initiatorin der Twitter-Debatte um Sexismus im Alltag, Anne Wizorek, kritisierte die Äußerung Gaucks „Er bagatellisiert hier etwas, das ernst zu nehmen ist“, sagte Wizorek am Donnerstag im ZDF-„Morgenmagazin“. „Wenn er (...) eine solch wichtige Debatte herabwürdigt und als Medien-Hype abtut, dann sendet er einfach ein gefährliches Signal.“ Unter dem Hashtag #Aufschrei war Ende Januar eine Debatte über Sexismus in der Gesellschaft losgebrochen.

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles lud Gauck unterdessen ein, mit sozialdemokratischen Frauen über Alltagssexismus zu diskutieren. Nahles bat Gauck am Donnerstag per Brief zum Dialog, berichtet die „Tageszeitung“ (Freitag). Dem ARD-Hauptstadtstudio sagte Nahles: „Drei der Frauen, die den Brief geschrieben haben, sind Mitglied beim SPD-fem.net und SPD-Mitglieder. Ich persönlich glaube, dass der Bundespräsident andere Erfahrungen gemacht hat als viele Frauen. Da gibt es eine Diskrepanz.“

Bei der Auszeichnung engagierter Frauen im Schloss Bellevue erinnerte Gauck auch an diskriminierende Bedingungen, mit denen Frauen weltweit schwach gemacht und schwach gehalten würden. „Ich will nicht darüber schweigen, wie weit wir vielerorts nach wie vor von der Gleichberechtigung der Frauen entfernt sind.“ Frauen müssten weiterhin kämpfen - „für gleiche Löhne und gleiche Rechte, für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, für gleiche Bildungschancen oder generell für das Recht auf Bildung und leider immer noch gegen lebensbedrohende Gewalt“.

dpa

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