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Gegen Euro und Energiewende

Berlin Gegen Euro und Energiewende

Wie die „Alternative für Deutschland“ (AfD) versucht, sich zur Bundestagswahl inhaltlich breiter aufzustellen.

Berlin. Die Euro-Krise ist zumindest aus den großen Schlagzeilen verschwunden. Die Anti-Euro-Partei AfD versucht deshalb, neben dem Nein zur Gemeinschaftswährung weitere Themen zu besetzen. Sie bietet sich jetzt auch den Gegnern der Energiewende an.

Für AfD-Sprecher Bernd Lucke war die Nachrichten-Lektüre zuletzt eher unerfreulich. Als sich die maßgeblich von ihm ins Leben gerufene Partei noch im Geburtsstadium befand, war die Aufmerksamkeit groß. Der redegewandte Lucke, von Haus aus Ökonomie-Professor in Hamburg, war ein gern gesehener Gast in den Talkshows. In den Umfragen kam die AfD zwar nicht über die Fünf-Prozent-Hürde, aber doch nah an die in den Umfragen abgestürzte FDP heran. Zuletzt riss die Erfolgsserie der erst im April gegründeten Partei allerdings ab. Mehrere Landesverbände trübten das öffentliche Bild durch hässliche Posten-Streitereien und Grabenkämpfe. Dazu kamen noch Abgrenzungsprobleme nach rechts. Einige AfD-Mitglieder werden in rechtspopulistischen Kreisen verortet. In den Umfragen ging es ebenfalls bergab — auf zwei bis ein Prozent.

Höchste Zeit für Lucke und seine Mitstreiter, dem Negativ-Trend etwas entgegenzusetzen. Gestern trat die Partei vor die Presse, um den 15. Juli als „historischen Tag“ zu feiern. Die AfD werde in allen 16 Ländern zur Wahl antreten. Alle Landesverbände hätten fristgerecht mehr als die notwendigen Unterschriften von Unterstützern gesammelt, insgesamt über 80 000. Zudem werde die AfD in rund der Hälfte der 299 Wahlkreise Direktkandidaten ins Rennen schicken. Die meisten Unterschriften kamen in Bayern, Hessen und NRW zusammen. Gemessen an der Einwohnerzahl fand die AfD viele Unterstützer in Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt und Sachsen.

„Wir stellen uns auch inhaltlich immer besser auf“, verkündete Lucke, dessen Standard-Thema der Euro ist. Im Parteiprogramm fordert die AfD die geordnete Auflösung des gemeinsamen Währungsgebietes.

Aber gestern verlor Lucke von sich aus kein Wort darüber. Es sollte vornehmlich um Energie, Gesundheit und Verteidigung gehen. Für diese Felder hat die AfD — nach eigenen Angaben inzwischen 15 000 Mitglieder stark — jetzt nämlich Fachausschüsse.

Energie-Fachmann Stephan Boyens, ein gelernter Kaufmann, stellte die Energiewende massiv in Frage. Bei der Energiewende geht es zwar um die Abkehr von der Atomkraft. Boyens aber ging es um die Erderwärmung. Die Theorie vom Klimawandel durch zu viel Kohlendioxid-Ausstoß habe Risse bekommen, in der Wissenschaft werde sie kontrovers diskutiert Deutschland aber wolle eine Billion Euro in die Energiewende stecken.

 

Arnold Petersen

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