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Generalinventur in Deutschlands Natur: Viele Arten sind bedroht

Berlin Generalinventur in Deutschlands Natur: Viele Arten sind bedroht

Die bisher ausführlichste Datenerhebung zur Lage der Natur umfasst 12 000 Proben zu Lebensräumen und Tierbeständen. Für viele Arten sieht es nicht gut aus.

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Bundesumweltministerin Barbara Hendricks stellt die «Generalinventur» zur deutschen Natur vor. Foto: Bernd von Jutrczenka

Berlin. Die bisher ausführlichste Datenerhebung zur Lage der Natur umfasst 12 000 Proben zu Lebensräumen und Tierbeständen. Für viele Arten sieht es nicht gut aus. Sorgen bereiten der Mais-Boom und die intensive Landwirtschaft. Umweltministerin Hendricks will gegensteuern.

In Deutschland sind 29 Prozent der wichtigen Tierarten in ihrem Bestand bedroht oder von starken Rückgängen betroffen. Das ist das alarmierende Ergebnis der bisher umfassendsten Bestandsaufnahme zur Lage der Natur und biologischen Vielfalt, die Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) am Mittwoch in Berlin vorgestellt hat. Als Ursachen gelten die intensive Landwirtschaft, viel Düngemitteleinsatz sowie das Umbrechen von Grünland. Laut der Erhebung ist der Zustand nur bei 25 Prozent der Arten und 28 Prozent der Lebensräume gut.

Insgesamt wurden 92 Lebensräume von Flussauen bis zu Wäldern sowie 195 EU-weit bedeutsame Arten erfasst - von Bibern über Fledermäuse, Amphibien und Fische bis hin zu Schmetterlingen und Schnecken. Bei den 250 Brutvogelarten wurden bei einem Drittel abnehmende Bestände ermittelt. „Die Ergebnisse zeigen ein durchaus gemischtes Bild“, sagte Hendricks. Teils seien sie besorgniserregend. „Sorgen machen uns die Flüsse, Moore und vor allem die Grünland-Lebensräume wie Weiden und Wiesen.“ Positiv sieht die Entwicklung etwa bei Bibern, Baummardern, Baumschläfern und Seehunden aus, kritisch dagegen bei Lurchen, Wanderfischen, Libellen und Schmetterlingen.

„Beim Schweinswal in der Nordsee steht die Ampel in der Nordsee auf Gelb, in der Ostsee auf Rot“, sagte Hendricks zudem. Regional am schwierigsten ist die Lage im Norden und Westen, vor allem wegen intensiver Landwirtschaft. Negativ wirkt sich der zunehmende Umbruch von Grünland aus. Am besten sieht es noch im alpinen Raum aus.

Hendricks betonte, der Flächenverbrauch solle von 70 Hektar am Tag auf 30 Hektar zurückgeführt werden. Auch der Maisanbau solle nicht ausgeweitet werden. „Das reicht jetzt“, sagte die Ministerin. Daher sei von Union und SPD geplant, dass neue Biogasanlagen nur noch mit Abfall und Reststoffen betrieben werden dürfen, nicht mehr mit Mais. Auch beim Biosprit will sie einen Deckel einziehen. Die Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz, Beate Jessel, betonte, es gebe nur noch ein Drittel früherer Überschwemmungsflächen - Flussauen seien aber für den Erhalt der biologischen Vielfalt wichtig.

Insgesamt wurden fast 12 000 Stichproben erhoben, vom Gipfel des Feldbergs bis hin zu Nord- und Ostsee. Bei den Lebensräumen wird der Buchenwald-Zustand vielerorts als gut bewertet. Zwei EU-Richtlinien, die Vogelschutzrichtlinie und die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, die die Ausweisung von Schutzgebieten für EU-weit bedeutende Arten fordern, hatte die „Generalinventur“ erforderlich gemacht. Die Daten wurden über vier Jahre erhoben. Die Grünen-Politikerin Steffi Lemke kritisierte, statt sich verstärkt um den Schutz der Natur zu kümmern, torpedierte die große Koalition sogar noch den Erhalt der Grünlandflächen und erlaube eine Ausweitung des Pestizid-Einsatzes.

Der Präsident des Naturschutzbundes, Olaf Tschimpke, forderte mehr Vogelschutz. „Es verschwanden in den vergangenen zwölf Jahren über die Hälfte aller Kiebitze und ein Drittel der Feldlerchen“, kritisierte er. „In der intensiv bewirtschafteten Landschaft finden sie kaum mehr Nahrung und geeignete Brutplätze.“ Wichtige Lebensräume wie artenreiche Wiesen würden in Maisäcker umgewandelt, kritisierte er mit Blick auf die Ausweitung zur Tierfutter- und Energiegewinnung.

Die Umweltstiftung WWF betonte, es reiche nicht, Schutzgebiete auf dem Papier auszuweisen. Das Bundesprogramm zur Förderung der biologischen Vielfalt müssen von 15 auf 30 Millionen Euro pro Jahr erhöht werden. „Die Landwirtschaft ist nach wie vor eine Problemzone des Naturschutzes“, betonte WWF-Vorstand Eberhard Brandes.


Informationen zu Vogelschutzrichtlinie
Informationen zu FFH-Richtlinie
Vorab-Informationen im Dezember



dpa

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