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12:32 17.06.2017
Blumenstrauß vor dem Haus von Helmut Kohl. Quelle: Uwe Anspach
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Berlin

Die Briten hatten Margaret Thatcher, die Deutschen Helmut Kohl. Eine ganze Generation ist zwischen 1982 und 1998 mit ihm aufgewachsen.

In den 80er Jahren diskutierten deutsche Familien am Abendbrottisch über das Wettrüsten und Atomkraft, in den 90er Jahren über Ossis, Wessis und die Wiedervereinigung. Wenn man den Fernseher anschaltete, war einer immer da: Helmut Kohl.

Als Kohl noch nicht der „Kanzler der Einheit“ war, hatte er wegen seiner Körperform den Spitznamen „Birne“, besonders gepflegt vom Satire-Magazin „Titanic“. Das nahm ihn immer wieder auf den Titel: „Birne muß Kanzler bleiben“ oder „Wiedervereinigung ungültig - Kohl war gedopt“.

Zu Kanzlerzeiten trug Kohl noch Brille und jene Strickjacke, die heute im Haus der Geschichte in Bonn aufbewahrt wird. Der gemütliche Pfälzer mit Vorliebe für Saumagen, das war das Klischee. Was für ein Temperament der CDU-Mann hatte, sahen viele erst, als er einmal in Halle auf einen Eierwerfer zustürmte.

Als cool galt Kohl bei den meisten jungen Deutschen in den 80er Jahren nicht. Wer bei der Jungen Union aktiv war, führte eher ein Randgruppen-Dasein: Das waren die Jungs mit Scheitel und Aktenkoffer mit Zahlenschloss. Später sang die Junge Union bei ihren Parteitagen: „Und wir haben ein Idol: Helmut Koooohl.“

Die Jahre seien wie eine „gigantische Endlosschleife“ gewesen, schrieb Florian Illies in seinem Gesellschaftsporträt „Generation Golf“ im Jahr 2000. „Raider heißt jetzt Twix, sonst änderte sich nix.“ Illies zeichnet das Bild einer Wohlstands-Generation, für die allein die Farbe der Barbour-Jacke wichtig war.

Gut 17 Jahre nach Illies' Bestseller ist der Blick auf die Zeit anders. Es war damals doch so einiges los. Die alte BRD wurde reif für historische Fernsehserien wie „Deutschland 83“. Die Agentenserie zeigt, wie haarscharf Ost und West am Dritten Weltkrieg vorbeischrammten.

Als Helmut Kohl im Herbst 1982 Kanzler wurde, gab es nur drei Fernsehprogramme, nachts lief das Testbild. Gerade hatte Nicole (17) mit weißer Gitarre und „Ein bißchen Frieden“ den Grand Prix gewonnen. Ein Bundeswehr-Obergefreiter namens Norbert Schramm holte mit seiner Eislauf-Kür den ersten Platz bei den Europameisterschaften.

In den Kino brach Steven Spielbergs „E.T.“ alle Rekorde, auf den Schulhöfen wurde gestritten, ob der kleine Außerirdische niedlich oder total hässlich war. Bestseller waren Michael Endes „Momo“ und „Die unendliche Geschichte“. Die Neue Deutsche Welle erreichte ihren Höhepunkt, das sinnfreie „Da Da Da“ von Trio dudelte aus dem Radio. Autos waren deutlich eckiger als heute, Opel brachte 1982 den Corsa auf den Markt. Videos boomten.

Computer waren Anfang der 80er noch etwas für Spinner. Aerobic war der letzte Schrei. Tennis sowieso, dank Steffi Graf und Boris Becker. Mitte der 80er starteten zwei Serien, die in Deutschland Fernsehgeschichte machten: die „Schwarzwaldklinik“ und die „Lindenstraße“. Ein Schock war das Reaktor-Unglück von Tschernobyl, danach wurden die Deutschen vor frischer Milch und Blattgemüse gewarnt.

Während nach dem Mauerfall Ost und West zusammenwuchsen, wurde Julia Roberts als modernes Aschenputtel mit „Pretty Woman“ zum Postergirl der 90er. Spielbergs „Jurassic Park“ (1993) löste das bis heute grassierende Dinofieber in deutschen Kinderzimmern aus. 1995 verhüllte das Künstlerpaar Christo den Berliner Reichstag - Kohl war dagegen. Internet funktionierte mit pfeifenden Modems, Handys gab es, wurden aber noch etwas skeptisch als Angeber-Gerät beäugt.

1998, als sich die Kohl-Jahre dem Ende näherten, blödelte Guildo Horn beim Eurovision Song Contest. VW brachte den neuen Beetle im Retro-Look auf den Markt. Nach 281 Folgen ging die Krimiserie „Derrick“ zu Ende. Im Oktober gewann Gerhard Schröder (SPD) die Wahl und sollte sieben Jahre Kanzler bleiben. Einen Spitznamen wie Kohl bekam er nicht.

dpa

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