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Griechenland: Aufgebrachte Migranten, aggressive Aktivisten

Athen Griechenland: Aufgebrachte Migranten, aggressive Aktivisten

Ist es das erste Zeichen einer Entspannung in der Ägäis? Nach dem Beginn der Rückführungen in die Türkei sind weniger Flüchtlinge übergesetzt. Doch die Situation in Idomeni und Piräus ist brenzlig.

Athen. In den wilden Flüchtlingslagern von Idomeni und Piräus in Griechenland droht die Lage zu eskalieren. In Piräus beschimpften wütende Migranten die Polizei und einen Regierungsvertreter, die ihnen abermals rieten, das Camp zu verlassen und in andere organisierte Lager ins Landesinnere zu gehen.

Vor laufenden Kameras hob ein Migrant ein Kleinkind in die Luft. Unter den Anwesenden entstand der Eindruck, er wolle das Kind auf die Polizisten schleudern.

Allein in Idomeni an der mazedonischen Grenze und am Hafen von Piräus harren rund 16 000 Migranten in kleinen Zelten und Lagerhallen aus. „Wenn diese Lager nicht bald aufgelöst werden, könnten wir schlimme Szenen erleben“, warnte Dimitris Saitakis, Präsident des Verbandes der Offiziere der Küstenwache. Die Menschen wollen weiter Richtung Norden und Deutschland. Doch die früher massenhaft genutzte Balkanroute ist inzwischen geschlossen.

Aufgebrachte Migranten legten sich in Piräus mit ihren Kindern auf die Erde. Sie wollten ausreisen, koste es, was es wolle, sagten sie. „Wir wollen nach Deutschland“, rief ein Migrant. Das Camp soll nach Behördenangaben spätestens bis zum Monatsende aufgelöst werden, die Insassen sollen in reguläre Lager gebracht werden.

Reporter vor Ort berichteten, neben seriösen humanitären Organisationen seien autonome Gruppierungen in Piräus und Idomeni aktiv. Sie rieten den Migranten zusammenzubleiben, damit das Elend weltweit gezeigt wird. Nur dann hätten sie Aussicht, in anderen Staaten aufgenommen zu werden. Zudem gebe es Informationen, dass die Aktivisten die Migranten zu Massendemonstrationen in Athen anstachelten, berichteten Reporter.

Die Rückführungen von Migranten in die Türkei sollten nach mehrtägiger Unterbrechung frühestens am Freitag wieder aufgenommen werden. Es gebe nur noch wenige Migranten, die im Lager Moria auf Lesbos keinen Asylantrag gestellt hätten, sagte ein Offizier der Küstenwache. Es dauere, bis die Anträge bearbeitet seien. Nach Behördenangaben befinden sich auf den Inseln fast 6400 Migranten und Flüchtlinge. Es fehle weiterhin an Asylentscheidern, hieß es.

In den Meerengen zwischen der türkischen Ägäisküste und den griechischen Inseln entspannte sich die Lage: Innerhalb von 24 Stunden hätten nur noch 68 Migranten übergesetzt, teilte der Stab für die Flüchtlingskrise in Athen mit. Am Vortag waren 225 Asylsuchende vom türkischen Festland auf die griechischen Ägäis-Inseln übergesetzt.

Am Montag waren mehr als 200 Migranten aus Griechenland in die Türkei zurückgebracht worden. Die Aktion markierte den Beginn der Umsetzung des EU-Flüchtlingsabkommens mit Ankara. Frankreichs Präsident François Hollande sagte der „Bild“-Zeitung, sein Land werde sich an die Zusage halten, in den kommenden zwei Jahren 30 000 syrische und irakische Flüchtlinge aufzunehmen.

Auf der Insel Lesbos erwarten die Einwohner Papst Franziskus und den orthodoxen Patriarchen Bartholomaios I. von Konstantinopel (Istanbul) zu einem Besuch am 14. oder 15. April. Nach Informationen aus Kreisen des Patriarchats von Konstantinopel wollen die beiden Kirchenoberhäupter gemeinsam für die in der Ägäis ums Leben gekommenen Menschen beten und mit Migranten und Flüchtlingen zusammenkommen. Der Besuch ist offiziell noch nicht bestätigt.

dpa

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