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Großes Staats-Kino für Frankreichs neuen Präsidenten

Amtsantritt von Macron Großes Staats-Kino für Frankreichs neuen Präsidenten

Emmanuel Macron tritt sein Amt an. Der Erfolg des Senkrechtstarters hat in Frankreichs Politik einiges in Bewegung gebracht. Nun wartet das politische Paris gespannt auf eine wichtige Personalie.

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Mit der Amtseinführung übernimmt Macron das Kommando über die französische Armee und die „force de frappe“, die Atombomben.

Quelle: Etienne Laurent

Paris. Frankreich begrüßt seinen neuen Präsidenten fast wie einen Monarchen. Der Amtsantritt des französischen Staatschefs folgt einem eingespielten Protokoll, das Glanz und Größe ausstrahlt, die das wirtschaftlich angeschlagene Land im Alltag oft vermisst.

Höhepunkt ist traditionell eine Fahrt über die Pariser Prachtstraße Champs-Élysées, begleitet von einer Motorrad- und Reitereskorte der Republikanischen Garde - ganz großes Staats-Kino.

Auch für Emmanuel Macron, der eine Erneuerung der französischen Politik predigt, beginnt die Amtszeit im Élyséepalast mit den alten Ritualen der Republik. Dabei ist der Amtsantritt des 39-Jährigen eine Zäsur - durch sein Alter, durch seine Unabhängigkeit von den traditionellen Parteien. „Es ist einiges in Bewegung geraten in Frankreich“, sagt der Politikwissenschaftler Hans Stark vom Französischen Institut für Internationale Beziehungen.

Macron wird am Vormittag von seinem Vorgänger François Hollande im Ehrenhof des Élyséepalastes empfangen. Die beiden Präsidenten ziehen sich zu einem vertraulichen Gespräch zurück - so will es die Tradition. Dann verlässt der Alte die Machtzentrale, und der Neue wird ins Amt eingeführt. Es folgen militärische Ehren im Park hinter dem Palast, vor dem Invalidendom auf der anderen Seite der Seine werden 21 Kanonenschüsse abgefeuert. Dann die Fahrt zum Grabmal des Unbekannten Soldaten am Ende der Champs-Élysées. Noch nicht bekannt ist, ob Macron in dem starren Zeremoniell eine individuelle Note setzen wird. Valéry Giscard d'Estaing etwa kam 1974 zu Fuß zur Amtsübergabe.

Mit der Amtseinführung übernimmt Macron das Kommando über die französische Armee und die „force de frappe“, die Atombomben. Das Land gilt mit seinen geschätzt rund 300 nuklearen Sprengköpfen als drittgrößte Atommacht der Welt. Mehrere Tausend Soldaten sind im Auslandseinsatz gegen Terrorgruppen in der Sahelzone sowie gegen die Organisation Islamischer Staat im Irak und in Syrien.

Doch die erste große Entscheidung für Macron dürfte eine innenpolitische Personalie werden: Die Ernennung seines Premierministers. Mit der Bekanntgabe des Namens wird spätestens am Montag gerechnet. Dem Regierungschef kommt eine Schlüsselrolle für den Wahlkampf vor den Parlamentswahlen am 11. und 18. Juni zu. Dabei geht es um die entscheidende Frage, ob die Franzosen ihrem neuen Staatschef auch die nötige Beinfreiheit für sein Reformprogramm geben, mit dem Macron die Wirtschaft ankurbeln und endlich das Dauerproblem der hohen Arbeitslosigkeit lösen will.

Er braucht eine Mehrheit oder zumindest die stärkste Fraktion in der Nationalversammlung, ansonsten wird es schwierig für ihn. Seit Tagen wird spekuliert, ob Macron etwa einen gemäßigten Konservativen als Regierungschef verpflichten könnte, was die bürgerliche Rechte bei den Parlamentswahlen schwächen könnte.

Macrons Gegner bringen sich bereits in Position, um seinen sozialliberalen Vorstellungen einen Riegel vorzuschieben. Allen voran die Rechtspopulistin Marine Le Pen und der Linksaußen-Politiker Jean-Luc Mélenchon. Mélenchons Anhänger wollten einen Bruch mit der Marktwirtschaft, meint Politologe Stark. „Und diese Leute muss Macron überzeugen, dass wirtschaftliche Reformen machbar sind ohne zu große soziale Härten.“

Von diesem Sonntag an zählt es für Macron. Und er dürfte hoffen, dass von der Zeremonie bessere Bilder hängen bleiben als bei seinem Vorgänger 2012: Bei Hollande saß die Krawatte schief, nach der Fahrt durch den strömenden Regen kam der neue Präsident klatschnass am Triumphbogen an, und dann wurde sein Flugzeug auf dem Weg nach Berlin auch noch vom Blitz getroffen. Es wirkt im Rückblick geradezu wie ein schlechtes Omen für eine Präsidentschaft, die viele Franzosen jetzt nur allzu gerne abhaken.

dpa

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