Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Politik Großes Staats-Kino für Frankreichs neuen Präsidenten
Nachrichten Politik Großes Staats-Kino für Frankreichs neuen Präsidenten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:12 14.05.2017
Mit der Amtseinführung übernimmt Macron das Kommando über die französische Armee und die „force de frappe“, die Atombomben. Quelle: Etienne Laurent
Anzeige
Paris

Frankreich begrüßt seinen neuen Präsidenten fast wie einen Monarchen. Der Amtsantritt des französischen Staatschefs folgt einem eingespielten Protokoll, das Glanz und Größe ausstrahlt, die das wirtschaftlich angeschlagene Land im Alltag oft vermisst.

Höhepunkt ist traditionell eine Fahrt über die Pariser Prachtstraße Champs-Élysées, begleitet von einer Motorrad- und Reitereskorte der Republikanischen Garde - ganz großes Staats-Kino.

Auch für Emmanuel Macron, der eine Erneuerung der französischen Politik predigt, beginnt die Amtszeit im Élyséepalast mit den alten Ritualen der Republik. Dabei ist der Amtsantritt des 39-Jährigen eine Zäsur - durch sein Alter, durch seine Unabhängigkeit von den traditionellen Parteien. „Es ist einiges in Bewegung geraten in Frankreich“, sagt der Politikwissenschaftler Hans Stark vom Französischen Institut für Internationale Beziehungen.

Macron wird am Vormittag von seinem Vorgänger François Hollande im Ehrenhof des Élyséepalastes empfangen. Die beiden Präsidenten ziehen sich zu einem vertraulichen Gespräch zurück - so will es die Tradition. Dann verlässt der Alte die Machtzentrale, und der Neue wird ins Amt eingeführt. Es folgen militärische Ehren im Park hinter dem Palast, vor dem Invalidendom auf der anderen Seite der Seine werden 21 Kanonenschüsse abgefeuert. Dann die Fahrt zum Grabmal des Unbekannten Soldaten am Ende der Champs-Élysées. Noch nicht bekannt ist, ob Macron in dem starren Zeremoniell eine individuelle Note setzen wird. Valéry Giscard d'Estaing etwa kam 1974 zu Fuß zur Amtsübergabe.

Mit der Amtseinführung übernimmt Macron das Kommando über die französische Armee und die „force de frappe“, die Atombomben. Das Land gilt mit seinen geschätzt rund 300 nuklearen Sprengköpfen als drittgrößte Atommacht der Welt. Mehrere Tausend Soldaten sind im Auslandseinsatz gegen Terrorgruppen in der Sahelzone sowie gegen die Organisation Islamischer Staat im Irak und in Syrien.

Doch die erste große Entscheidung für Macron dürfte eine innenpolitische Personalie werden: Die Ernennung seines Premierministers. Mit der Bekanntgabe des Namens wird spätestens am Montag gerechnet. Dem Regierungschef kommt eine Schlüsselrolle für den Wahlkampf vor den Parlamentswahlen am 11. und 18. Juni zu. Dabei geht es um die entscheidende Frage, ob die Franzosen ihrem neuen Staatschef auch die nötige Beinfreiheit für sein Reformprogramm geben, mit dem Macron die Wirtschaft ankurbeln und endlich das Dauerproblem der hohen Arbeitslosigkeit lösen will.

Er braucht eine Mehrheit oder zumindest die stärkste Fraktion in der Nationalversammlung, ansonsten wird es schwierig für ihn. Seit Tagen wird spekuliert, ob Macron etwa einen gemäßigten Konservativen als Regierungschef verpflichten könnte, was die bürgerliche Rechte bei den Parlamentswahlen schwächen könnte.

Macrons Gegner bringen sich bereits in Position, um seinen sozialliberalen Vorstellungen einen Riegel vorzuschieben. Allen voran die Rechtspopulistin Marine Le Pen und der Linksaußen-Politiker Jean-Luc Mélenchon. Mélenchons Anhänger wollten einen Bruch mit der Marktwirtschaft, meint Politologe Stark. „Und diese Leute muss Macron überzeugen, dass wirtschaftliche Reformen machbar sind ohne zu große soziale Härten.“

Von diesem Sonntag an zählt es für Macron. Und er dürfte hoffen, dass von der Zeremonie bessere Bilder hängen bleiben als bei seinem Vorgänger 2012: Bei Hollande saß die Krawatte schief, nach der Fahrt durch den strömenden Regen kam der neue Präsident klatschnass am Triumphbogen an, und dann wurde sein Flugzeug auf dem Weg nach Berlin auch noch vom Blitz getroffen. Es wirkt im Rückblick geradezu wie ein schlechtes Omen für eine Präsidentschaft, die viele Franzosen jetzt nur allzu gerne abhaken.

dpa

Mehr zum Thema
Eishockey WM-Viertelfinale realistisch - Eishockey-Team dreht Slowakei-Spiel

Das deutsche Eishockey-Nationalteam hat auf dem erhofften Weg ins Viertelfinale bei der Heim-WM einen wichtigen Sieg gefeiert. Nach zwei Torwartpatzern rang die Auswahl von Bundestrainer Marco Sturm in Köln die Slowakei mit 3:2 nach Penaltyschießen nieder.

10.05.2017

Wer Freizeitkapitän sein will, muss kein teures Boot besitzen. Man kann ein schickes Hausboot auch mieten. Kompliziert ist das nicht. Wie Urlauber zu ihrem Glück auf dem Wasser kommen.

11.05.2017

Eine Woche nach seinem Wahlsieg übernimmt Frankreichs neuer Präsident Emmanuel Macron heute die Macht im Élyséepalast.

14.05.2017

Die Bundeswehr und ihre Tradition - die Kritik am Vorgehen der Verteidigungsministerin reißt nicht ab. Von der Leyen will derweil ein weiteres brisantes Thema angehen.

14.05.2017

Die konservative ÖVP in Österreich muss sich auf einen völligen Umbruch einstellen, sollte Außenminister Sebastian Kurz ihr Parteichef werden.

13.05.2017

In Österreich werden am Sonntag wichtige innenpolitische Weichen gestellt. Der Parteivorstand der konservativen ÖVP berät darüber, ob Außenminister Sebastian Kurz (30) neuer Parteivorsitzender werden soll. Kurz hat allerdings Garantien für eine größere Machtfülle des Parteichefs gefordert.

13.05.2017
Anzeige