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Grüne sollen mehr Ausstrahlung bekommen

Berlin Grüne sollen mehr Ausstrahlung bekommen

Besondere Workshops der Böll-Stiftung: Wie Schauspiel-Training die Öko-Partei attraktiver machen soll.

Berlin. An der Außenwirkung der Grünen wird seit der Bundestagswahl und dem Austausch der Führungscrew viel herumgemäkelt. Weder die beiden Fraktionschefs Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter noch die Partei-Doppelspitze Simone Peter und Cem Özdemir gelten als Charismatiker. Um das zu ändern, wird den Grünen jetzt auch Schauspielunterricht und Atemtraining angeboten.

Die Weiterbildungsabteilung der Grünen-nahen Heinrich- Böll-Stiftung bietet in ihrem Programm besonders innovative Workshops für Politiker an: In einem Kurs für „Präsenztraining“ sollen Grüne Ausstrahlung lernen. „Auf kreativitätsfördernde und unterhaltsame Weise erfahren wir mit Hilfe von Bewegungs-, Atem- und Stimmübungen, vor allem auch durch Schauspiel- und Improvisationstechniken mehr über ungenutzte Potenziale“, wird versprochen.

Ungenutzte Potenziale? Seit der Bundestagswahl ist das offenbar nicht nur ein politisches Thema für die Ökopaxe, denn sie blieben weit unter ihren Erwartungen und arbeiten seitdem hart am politischen Comeback. Zu lernen ist unter anderem „emotionale Beteiligung“. Entsprechende Angebote bewarb „Green Campus“ zuletzt auf der Grünen-Klausur in Weimar. Allerdings: Das Echo unter den Bundestagsabgeordneten ist eher dürftig, wie in der Pressestelle zu erfahren ist.

Zum einen mag das am Charakter der Hauptdarsteller liegen, die nicht in erster Linie auf Show setzen mögen, sondern auf das Authentische. So gehört es sich ja eigentlich auch für eine Nachhaltigkeitspartei. „Der Toni Hofreiter ist ein Typ, der braucht keinen Unterricht“, heißt es in der Fraktion.

Alte Profis haben ohnehin wenig Nachholbedarf. Dazu zählt die vitale Ex-Fraktionschefin Renate Künast, die keinen Mangel an „Präsenz“ erkennen lässt. Im Gegenteil, sie hat selbst schon einmal Spontan-Workshops für Anwältinnen gegeben. Deshalb weiß sie aber, dass die Wirkung von Politikern nicht zuletzt auf Körpersprache beruht. Für die frühere Verbraucherschutzministerin gehört das zum Handwerkszeug. „Jeder Dachdecker weiß, wie er sich bei der Arbeit einen sicheren Stand verschafft. Also: Warum soll ein Politiker nicht wissen, wie er am Redepult steht?“ Andere Grüne amüsieren sich über das Angebot, obwohl Politik und Darstellende Künste durchaus einiges gemeinsam haben. „Die Politik ist nicht Hollywood“, schmunzelt Medien-Politiker Konstantin von Notz. „Aber Drama gibt es im Bundestag auch.“ Die junge Grüne Luise Amtsberg (30) geht das Thema ironisch-selbstbewusst an. „Ich bin ein Naturtalent“, feixt sie.

 



Frank Lindscheid

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