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Guterres soll als neuer UN-Chef Brücken bauen

Ban Ki Moon-Nachfolger Guterres soll als neuer UN-Chef Brücken bauen

Guterres ist kein Neuling bei den UN. Zehn Jahre lang musste der Portugiese als Flüchtlingskommissar Krisen managen. Jetzt soll er als neuer UN-Generalsekretär in einer fragmentierten Welt Brücken bauen.

New York/Lissabon. Der Portugiese António Guterres an der Spitze der Vereinten Nationen - das war für viele eine Überraschung. Den Posten übernimmt ein Mann aus Westeuropa mit einem Jahrzehnt UN-Erfahrung statt einer Frau aus Osteuropa, wie viele gehofft hatten.

Aber als früherer Ministerpräsident seines Heimatlandes (1995-2002) bringt der 67-Jährige Verhandlungsgeschick mit und kennt sich in den Korridoren der Macht aus.

Beobachter bezeichnen Guterres als Humanisten, aber auch als Realisten, als echten „Macher“. Erst Anfang des Jahres hatte er die Nominierung der Sozialistischen Partei (PS) für die Präsidentenwahl in Portugal ausgeschlagen. Grund: „Ein Staatsoberhaupt ist so etwas wie ein Schiedsrichter. Ich möchte aber Ball spielen, ich möchte auf dem Feld sein, Action haben, ständig eingreifen“, sagte er in einem TV-Interview. Schon als Student habe er „eine Gesellschaft voller Ungerechtigkeiten verändern“ wollen. 

Nach seiner Nominierung durch den Sicherheitsrat Anfang Oktober wurde er heute von der UN-Vollversammlung offiziell als Generalsekretär bestätigt. An der Spitze der Vereinten Nationen will der gelernte Ingenieur, der als Student in den Armenvierteln Lissabons Sozialarbeit verrichtete, nun seine „ganze Erfahrung einsetzen“, wie er kürzlich betonte.

In seiner Heimat habe er nicht nur die Nelkenrevolution 1974, sondern auch die Demokratisierung des Landes an vorderster Front erlebt. „Ich war Partei- und Regierungsmitglied und dann Regierungschef. Und dann hatte ich diese unglaubliche Chance, zehn Jahre lang bei der Unterstützung der Flüchtlinge zu helfen“, sagte Guterres.

Gemeint ist seine Zeit als Hoher Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) von 2005 bis 2015, in der Guterres mit verheerenden Flüchtlingskrisen fertig werden musste - von Afghanistan, Irak und Syrien bis in den Südsudan und nach Zentralafrika. Er reiste dabei unter anderem mit Hollywoodstar Angelina Jolie in die am schlimmsten betroffenen Gebiete. Auch stellte er die Unzulänglichkeit der Europäischen Union in der Flüchtlingskrise offen an den Pranger. 

Auf der Homepage des UNHCR ist über den Mann aus dem Lissabonner Vorort Santos-o-Velho zu lesen, er habe eine „tiefgreifende Strukturreform“ vollzogen und die Arbeit der Organisation effizienter gemacht. Ein Pluspunkt von Guterres ist auch, dass der zweifache Familienvater fließend Englisch, Französisch, Spanisch und Portugiesisch spricht.  

Als sich die Wahl Guterres' zum UN-Generalsekretär abzeichnete, gab es in seiner Heimat vor allem Jubel und Lob. „António Guterres war und ist ganz klar der beste Kandidat für den Posten - nicht nur wegen seiner persönlichen Qualitäten, sondern auch wegen seiner Erfahrungen bei der UN“, erklärte Portugals Präsident Marcelo Rebelo de Sousa. Außenminister Augusto Santos Silva fügte hinzu, Guterres sei eine ideale Wahl für die Aufgabe des UN-Generalsekretärs: „António Guterres hat die Fähigkeit, Brücken zu bauen.“

dpa

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