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Politik „Muslime unter Generalverdacht zu stellen, nützt nur Rechtsextremen“
Nachrichten Politik „Muslime unter Generalverdacht zu stellen, nützt nur Rechtsextremen“
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06:37 28.11.2018
Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman A. Mazyek. Quelle: Boris Roessler/dpa

Herr Mazyek, die Islamkonferenz geht am Mittwoch nach 12 Jahren in die vierte Runde. Wie fällt die Bilanz des Zentralrats der Muslime in Deutschland aus?

Die Bilanz von unserer Seite fällt durchwachsen aus. Einerseits ist sie ein bisschen Debattierklub, wo auch das Sehen und Gesehen werden eine wichtige Rolle spielt. Andererseits haben die zurückliegenden Islamkonferenzen Prozesse angestoßen, um Muslimen eine bessere Teilhabe am Leben in Deutschland zu ermöglichen. Der Weg ist allerdings noch weit.

Wären denn Abkürzungen möglich?

Ich wünsche mir weniger Schaufensterreden, wie wichtig das Leben der Muslime für Deutschland ist. Es gibt doch ein schönes Sprichwort: Wer A sagt, muss auch B sagen. Ich vermisse häufig das Gestalten in der Politik, wenn es um den Islam geht. Wir brauchen häufiger das praktische B.

Woran denken Sie da?

Ein Klassiker ist die Imam-Ausbildung. Wenn gesagt wird, dass wir in Deutschland keine Imame aus dem Ausland wollen, sagen wir als Zentralrat: Wir auch nicht. Doch daraus muss praktische Politik folgen, indem festgelegt wird, wie und dass die Imam-Ausbildung in Deutschland organisiert und finanziert werden soll. Denn das gibt es noch nicht. Politik ist dafür da, Probleme zu lösen und zu gestalten. Zu beschreiben, was man nicht will, ist zu wenig.

„Bei der Imam-Ausbildung stehen wir bei Null“

Was wollen Sie dazu beitragen?

Bleiben wir bei den Imamen: Wir sind bereit, die hier ausgebildeten, deutschsprachigen und mit der Kultur und dem Land vertrauten Imame in unseren Moscheen einzustellen. Derzeit decken wir – um einen andere Baustelle zu nenne - den Lehrerbedarf für den Islam-Unterricht an Schulen gerade mal zu fünf Prozent ab. Bei der Imam-Ausbildung stehen wir nach 12 Jahren Debatte bei Null. Wenn wir einen Islam deutscher Prägung haben wollen, dann müssen wir auch für die Ausbildung islamischer Geistlicher in Deutschland sorgen. Es wird nicht anders gehen. Dabei spielen dann Hochschulen eine Rolle, entsprechende Institute und die Anerkennung in den Moscheen. Wir stehen bereit.

Wird den Moschee-Gemeinden zu viel Misstrauen entgegen gebracht?

Ich kann nur davor warnen, die Moschee-Community als Problem zu betrachten. Im Gegenteil: Sie ist Teil der Lösung. Das Misstrauen gegenüber der muslimischen Commnunity soll nur von den eigenen, politischen Unterlassungen ablenken. Das ist nicht in Ordnung und unehrlich. Selbstkritisch sage ich, dass es erhebliche Defizite bei den muslimischen Religionsgemeinschaften gibt und wir machen Fehler. Aber es geht nur gemeinsam und nicht gegeneinander. Wenn wir weiter das gegenseitige Bashing fortsetzen, dann werden genau die Strukturen stabilisiert, die einen Islam aus dem Ausland das Wort reden.

Mit Horst Seehofer ist ein Minister Gastgeber, der meint, der Islam gehöre nicht zu Deutschland. Haben Sie damit ein Problem?

Ich habe ihm persönlich gesagt, dass ich mir einen für die Religionen zuständigen Minister wünsche, der klar Signale sendet, dass unterschiedliche Glaubensrichtungen in Deutschland fair am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. So verstehe ich auch das Ziel der Islamkonferenz.

„Eine muslimfeindliche Stimmung gab es schon seit langem“

Der Zentralrat der Juden beklagt eine zunehmende Ablehnung von Minderheiten in Deutschland. Sehen Sie das ähnlich?

Wir registrieren die Verschlechterung des gesellschaftlichen Klimas ebenfalls. Die Zahl der Übergriffe auf Muslime wächst, in den Länderparlamenten und im Bundestag sitzen rechtspopulistische Parteien und Rechtsextreme, die feindliche Stimmungen anheizen. Die Sprache wird aggressiver und angedrohte Gewalt wird schneller in die Tat umgesetzt.

Woran liegt das?

Eine unterschwellig muslimfeindliche Stimmung gab es schon seit langem. Was kann man dagegen machen? Es sollte wieder eine größere Trennschärfe geben zwischen den Menschen, die dem Islam als Religion folgen und Extremisten, die den Islam für ihre Ziele vereinnahmen. Muslime unter Generalverdacht zu stellen nützt nur den Rechtsextremen. Das kann man an der AfD gut beobachten.

Ist Antisemitismus ein generelles Problem unter Muslimen?

Minderheiten wie wir sind nicht davor gefeit, dass es unter ihnen rassistische Regungen existieren. Muslime mit antisemitischen Positionen gibt es, und wir müssen sie bekämpfen wie andere Rassisten auch. Ich teile die Auffassung Josef Schusters vom Zentralrat der Juden: Rassismus ist keine Meinung, sondern Menschenfeindlichkeit. Sie richtet sich erst gegen eine Gruppe, dann gegen die nächste. Dagegen müssen wir aufstehen, egal ob wir gläubig sind oder nicht. Wer eine Kirche, eine Synagoge oder eine Moschee angreift, greift uns alle an.

Von Thoralf Cleven/RND

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