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Politik Japan gedenkt der 19 000 Katastrophenopfer von 2011
Nachrichten Politik Japan gedenkt der 19 000 Katastrophenopfer von 2011
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07:05 12.03.2013
Angehörige trauern um ihre Lieben, die unter den Trümmern einer Grundschule begraben wurden. Foto: Kimimasa Mayama
Tokio

Regierungschef Shinzo Abe rief seine Landsleute in einer Internetbotschaft auf, den Opfern der Katastrophe helfend beizustehen. „Die Kraft von allen“ werde im Katastrophengebiet weiterhin benötigt. Tausende gingen derweil gegen das von Abe geplante Wiederanfahren der Atomkraftwerke, die seit dem GAU in Fukushima abgeschaltet sind, auf die Straßen. Der GAU ist zum Inbegriff der Tragödie vom 11. März geworden.

Bei einer Gedenkzeremonie in Tokio gedachten auch Kaiser Akihito und seine Gemahlin Kaiserin Michiko zusammen mit Angehörigen der Opfer und Regierungsvertretern der schlimmsten Katastrophe in Japan seit dem Zweiten Weltkrieg. „Wir fühlen, mit erneuter Entschlossenheit, dass es für uns alle wichtig ist, weiter auf diese Menschen aufzupassen und ihren Kummer so weit wie möglich zu teilen“, sagte der Monarch.

Viele Opfer befällt zwei Jahre nach der Katastrophe das Gefühl, vergessen zu werden. Noch immer leben rund 315 000 Menschen in engen Containerbehausungen und anderen Behelfsunterkünften. Rund 400 000 Gebäude hat die Flutwelle zerstört, doch der Wiederaufbau kommt nur schleppend voran.

Der seit Dezember amtierende Regierungschef Abe rief seine Mitbürger auf, sich an freiwilligen Hilfsaktionen zu beteiligen und zu spenden. Außerdem sollten die Japaner ins Katastrophengebiet fahren und Produkte aus der betroffenen Region Tohoku kaufen. Er versicherte, den Wiederaufbau zu beschleunigen. „Ohne einen Frühling in Tohoku wird es keinen Frühling für Japan geben“, sagte Abe.

Am selben Tag zogen rund 1650 Bürger Fukushimas in vier Sammelklagen gegen die Regierung und den Betreiber des Atomkraftwerks, Tepco, vor Gericht. Sie verlangen monatliche Entschädigungen, bis der Staat die Strahlenbelastung auf das Niveau vor dem Super-GAU gesenkt hat.

Zwar hat die schlimmste Atomkatastrophe seit Tschernobyl selbst kein einziges direktes Todesopfer gefordert. Die japanische Tageszeitung „Tokyo Shimbun“ wies jedoch am Montag auf der Titelseite ihre Leser darauf hin, dass als indirekte Folge der Atomkatastrophe bisher 789 Menschen wegen der langen Evakuierungsdauer und Stress gestorben seien.

Hilfskräfte in den betroffenen Regionen beklagen, dass nicht genug gegen das seelische Leid der Menschen getan werde. Viele der meist alten Menschen vereinsamten, weil sie mit niemandem sprechen können. Immer öfter ist vom „einsamen Tod“ die Rede. Die Opfer in den Containerhäusern, von denen viele früher Bauern und Fischer waren und jetzt nichts mehr zu tun haben, würden immer öfter krank, manche verfallen dem Alkohol.

Kritiker werfen dem japanischen Staat und den Medien vor, die Folgen der Katastrophe noch immer herunterspielen zu wollen. Nach neuen Berechnungen der Mediziner-Organisation „Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges“ (IPPNW) wird es allein durch die äußere Strahlenbelastung 40 000 bis 80 000 zusätzliche Krebsfälle in Japan geben. Außerdem erwarten die Wissenschaftler noch gut 37 000 zusätzliche Krebserkrankungen durch strahlenbelastete Nahrungsmittel.

dpa

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