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Klimawandel: Bürgerkriege und Hungersnöte drohen

Klimawandel: Bürgerkriege und Hungersnöte drohen

Weltklimarat legt seine neueste Prognose vor. Gefahr wächst — aber Abhilfe bleibt möglich.

Yokohama — Der Weltklimarat IPCC hat trotz Zurückhaltung in Detailfragen so eindrücklich wie nie vor den Auswirkungen der Erderwärmung gewarnt. „Niemand auf diesem Planeten bleibt von den Auswirkungen des Klimawandels unberührt“, sagte der IPCC-Vorsitzende Rajendra Pachauri. Der vom Menschen verursachte Klimawandel habe schon jetzt schwerwiegende Auswirkungen auf alle Kontinente und Meere, warnen die Wissenschaftler. Wie viel schlimmer es für Mensch und Natur noch werde, hänge vom künftigen Klimaschutz ab, mahnte das Forschergremium bei der Veröffentlichung seines jüngsten Berichtes gestern im japanischen Yokohama. Noch gebe es aber Möglichkeiten, sich relativ gut anzupassen. Die wichtigsten Fragen zum Klimawandel und zur Sicht der Wissenschaft darauf:

Was sind die Kernthesen des Weltklimaberichts?

Der Report stellt fest, dass sich der Klimawandel schon heute beobachten lässt — und vor allem negative Folgen hat. Gletscher schmelzen, der Meeresspiegel steigt, und viele Tierarten mussten sich bereits einen anderen Lebensraum suchen. Noch sei aber beeinflussbar, wie gefährlich die Klimaerwärmung für die Welt wird. Der Mensch sei nicht zum Zusehen verdammt.

Wie fällt die IPCC-Prognose aus?

Die Autoren sehen Risiken für die Umwelt, aber auch für das Zusammenleben der Menschen. Tierarten könnten wegen des Klimawandels aussterben und das Wasser in zahlreichen Regionen noch viel knapper werden. Zudem erörtert der Report das Risiko gewaltsamer Konflikte, die die Erderwärmung indirekt verursachen könnten — wenn etwa bisher fruchtbare Landstriche versteppen, Küstenlinien und Inseln überflutet und deren Bewohner zu Flüchtlingen werden. Der Weltklimarat prognostiziert solche Auseinandersetzungen mit einer mittleren statistischen Sicherheit.

Was kann der Mensch gegen den Klimawandel tun?

Es wird wärmer, das steht nach Ansicht der Wissenschaftler fest. Möglich sei aber, den Temperaturanstieg auf zwei Grad zu begrenzen — und sich dann, so gut es geht, auf seine Folgen vorzubereiten.

Der Report zählt auf, wo es schon erste Erfolge bei der Anpassung gibt. Beispielsweise beim sorgsamen Umgang mit Wasser, der Entwicklung von Frühwarnsystemen bei gesundheitsgefährdender Hitze oder dem Anbau widerstandsfähiger Pflanzenarten für eine bessere Ernte. Allerdings könne noch viel mehr getan werden. Die internationalen Forscher beklagen, dass häufig nur auf die schon spürbaren Folgen der Klimawandels reagiert werde — statt auch für die Zukunft vorzusorgen.

Wer steckt hinter dem Weltklimabericht?

Der Weltklimarat oder „Intergovernmental Panel on Climate Change“ (IPCC) wurde 1988 gegründet und hat mittlerweile nahezu 200 Mitgliedsländer. Bei dem in Yokohama vorgelegten Papier handelt es sich um den zweiten von insgesamt drei Teilen des fünften Weltklimaberichts. Mehr als 300 Autoren haben federführend daran mitgeschrieben, unterstützt von mehr als 2100 weiteren Fachleuten. Tausende Studien flossen in den rund 2000 Seiten starken Bericht ein — wesentlich mehr Material als jemals für einen solchen Report über die Klimafolgen analysiert wurde. Den abschließenden dritten Teil will der Rat am 13. April in Berlin vorlegen.

Wie sicher sind die Prognosen?

Manches ist umstritten. Der renommierte Umweltökonom Richard Tol etwa trat kurz vor der Vorstellung des neuen Berichts aus der Gruppe zurück, die den Klimareport zusammenfassen sollte. Jener drifte in Richtung Alarmismus, kritisierte er. Andere monieren, dass die seit 15 Jahren anhaltende Stagnation der Erwärmung nicht hinreichend berücksichtigt werde.

 



OZ

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