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König Donald auf der Suche nach dem Reset-Knopf

US-Regierung König Donald auf der Suche nach dem Reset-Knopf

Ungefiltert möchte Trump seine Botschaften verbreitet wissen und erweist deswegen Tausenden in Florida die Gunst. Die Bewegung ist begeistert. Immer schärfer keilt der Präsident gegen die Medien - und das verfängt.

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US-Präsident Donald Trump spricht während der „Make America Great Again“-Kundgebung in Florida.

Quelle: Chris O'meara

Florida. Melbourne,Als der Wind die Wolken von der Abendsonne zupft, ist die Bühne perfekt. Das Haar schimmernd wie eine Krone, verlässt Donald Trump am frühen Samstagabend recht herrschaftlich die Air Force One.

Mächtig ragt sie auf, hier vor dem Hangar auf dem Flughafen Melbourne-Orlando. Dessen Tore stehen offen wie ein gewaltiger Bildschirm. Inszenierung und Wirklichkeit verschwimmen. Drinnen warten Tausende auf ihren Präsidenten. Sprechchöre, Begeisterung, Volksfeststimmung. Er wird sie nicht enttäuschen.

Mehr als sechs Stunden haben manche in der Sonne Floridas gestanden, tip top diszipliniert. Die Menge ist überwiegend weiß, aber längst nicht nur. Wer hier mit Mexikanern redet, Puerto Ricanern und Chilenen, der stößt auf die allerentschiedenste Ablehnung von illegaler Einwanderung und Kriminalität.

„Alle halten sie uns für blöde“, sagt Esther aus Miami. „Besser so, dann überraschen wir sie einfach immer weiter.“ Wer sich umtut, stößt auf Lehrer, Ingenieure, Handwerker. Mittelstand. Ziemlich gut informiert, sachlich und friedlich. Lange Diskussionen und viel Nachdenklichkeit: An welchen Fronten die Soldaten kämpfen müssten, Probleme von Obamacare und des Steuersystems. Fragen nach Trumps beispiellosem Wahlkampf werden weggewischt, das sei ja jetzt egal.

„Schauen Sie, er ist schon nach vier Wochen so wahnsinnig erfolgreich“, sagt Frank, der 43-Jährige ist Ingenieur hier in Melbourne. „Trump passt auf das Land auf. Es ist nicht wie bei Euch in Europa, wo man von Land zu Land spazieren kann, wenn man Terrorist ist. Deutschland ist doch gar kein souveräner Staat mehr, die Europäische Union regelt alles.“ Alle Hinweise auf Erfolge der EU lässt er nicht gelten. Ruben (54, aus Jacksonville) ergänzt: „Dieser Präsident weiß, worum es geht. Steuern, Einwanderung, Jobs. Das ist unsere Welt. Endlich versteht uns einer.“

„Klar ist hier alles friedlich“, sagt Maria, „wir sind nämlich völlig normale Leute.“ Dann kommt die 65-Jährige aus Charlotte ins Schimpfen. „Wir sind die Gegenkultur. Schluss mit dem „Ihr seid das Grüppchen und Ihr das andere und Ihr was auch immer“. Wir sind alle Amerikaner! Und das hat Trump verstanden. Als er diese Pressekonferenz gegeben hat in dieser Woche, habe ich mich entschieden, herzukommen. Er wirkt so alleine! Er hat überhaupt keine Unterstützung!“

Trump dürfte das ähnlich sehen. Wie ein rasch alternder König ist er gekommen, zornig geworden in der fernen Hauptstadt. Es war früh gesagt worden, dass er Problemen mit den geliebten Großkundgebungen begegnen werde, Kritiker lesen darin Rezepte aus dem Handbuch des Autoritarismus. Der unmittelbare Kontakt zum Volk ist ihm Jungbrunnen und Elixier. Trump versteht es trefflich, Mengen zu lesen.

Melbourne, 1400 Kilometer südlich von den Sümpfen Washingtons, aber nur 190 Kilometer nördlich von Mar-a-Lago, das er so gerne als „Winter White House“ geprägt sehen möchte. Die Halle summt vor Zufriedenheit. Ein Hangar: Er steht für Machen und Aufbruch, für Anpacken und Größe. Hier ist das Chaos der ersten Wochen so weit weg wie die heftigen Personalprobleme. Unter den Seinen sind die Umfragewerte glänzend. Unter allen anderen nicht, aber die sind ja nicht hier. Hier ist alles gut.

Weißer Mainstream-Rock bricht sich an den Wänden des Hangars, die Bässe drücken in den Bauch. Dann Elton John, auch Puccinis „Nessun Dorma“, Frank Sinatras „I did it my way“ entfacht den ersten Jubelsturm. Familienfotos, rot-weiße Jubelpuschel. Früher mit der Trump-Boeing vorgerollt, landet er jetzt halt mit der Air Force One. 1354 Tage vor der nächsten Präsidentschaftswahl.

Trump ist ein Präsident auf der Suche nach dem Reset-Knopf, will zurück zum Bewährten. Kampagne sei einfacher als Regieren, auch das dringt aus dem Weißen Haus, wie so vieles.

In der rötlichen Abendsonne spricht sodann tatsächlich erst Melania das Vaterunser, dann haut der Gatte drauf wie immer, vielleicht noch etwas mehr. Ohne zu lang gebundene Krawatte heute, mit offenem Hemd. Wie anders das aussieht. Manchmal überschlägt sich die Stimme, und er formt das Feindbild der Medien noch stärker, böser und schärfer. Bei den Seinen verfängt das, heftiger gehen sie nur bei den Trigger-Stichwörtern „radikaler islamischer Terrorismus“ ab.

Es ist irritierend, wenn eine ganze Halle in den präsidialen Zorn einstimmt. Aufräumen müsse man mit den Medien! Mit Nachdenklichkeit ist es da vorbei. Es wirkt wie eine Abrechnung von lange Angestautem. „Ihr habt alle falsch gelegen! Wir glauben Euch nicht mehr!“

Für das Verständnis ist wichtig, dass die meisten in Deutschland und Europa ein Amerika sehen, das in den USA nur ein Teil der Amerikaner sieht. Wer sich dem Versuch unterziehen und eine zeitlang nur Fox, Breitbart und rechte Talkradios zu sich nehmen mag, verliert jede Illusion. Mordratenrekorde, das Land ein Saustall, alles ein Abgrund, schuld die Liberalen, aber der Retter ist ja jetzt da. In dieser Welt ist alles so, wie Trump es sagt. Ein perfekt kurzgeschlossenes System. Es umschließt nach Lage der Umfragen zwar nur 40 Prozent, aber das kümmert die Strategen nicht. Zumindest noch nicht. Erstmal machen.

Kurze Rückblende: 17. Dezember 2016, Mobile (Alabama): „Das ist eine Bewegung“, sagt Trump, lässt den Wahlkampf Revue passieren. „Sie sagen: Als Präsident sollte er keine Kundgebungen abhalten. Ich denke aber: schon, oder? Wir haben alles immer genau andersherum gemacht.“ Schon die Nachwahl-Dankestour war im Format des Wahlkampfs.

Melbourne ist ähnlich, aber jetzt ist er im Amt, wiewohl nach wie vor auch Führer einer Bewegung. Auf der Straße sagt Peter (42): „Wir sind die Mehrheit. Wir gehen nicht mehr weg. Wir sind eine gewachsene Bewegung.“

In der Halle gibt Trump, ganz Routinier, dem Affen Zucker. Lässt sich immer wieder von scheinbar gerechtem Zorn übermannen. Wiederholt die Sprüche seiner denkwürdigen Pressekonferenz, die er wohl für besonders gelungen hält, checkt neue Slogans auf Tauglichkeit. Der Rest sind die Klassiker. Grenze, Mauer, Handel, Kohle, da ist der Jubel ordentlich und erwartbar. „Es wird aufs Neue Tag in Amerika“, sagt er. „Ich bin nur Euer Botschafter.“ Konkreter wird es nicht.

Danach reist der bejubelte Herrscher zurück nach Mar-a-Lago. Langes Wochenende in den USA, President’s Day. Zurück bleibt eine etwas beklommene Frage. Wenn tatsächlich etwas schief gehen sollte mit dieser Präsidentschaft, wenn parallele Wirklichkeiten sich wieder annähern: Was machen dann all diese Menschen mit ihren Überzeugungen, ihrer Energie - und ihrer Enttäuschung?

dpa

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