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Labour-Revolte, Brexit, Populisten? Das brachte die Wahl

London Labour-Revolte, Brexit, Populisten? Das brachte die Wahl

Labour-Chef Corbyn ist noch einmal davongekommen. Die große Wahlschlappe blieb aus. Dennoch: Wie lange werden seine Gegner in der Partei stillhalten? Und was ist mit Brexit?

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Nach seiner Wahl zum Labour-Chef im vergangenen Spätsommer waren die Regional- und Kommunalwahlen als erster Test für Corbyn gewertet worden.

Quelle: Facundo Arrizabalaga

London. Jeremy Corbyn (66) ist die Erleichterung ins Gesicht geschrieben, entspannt lächelnd, mit offenen Hemd präsentiert sich der britische Labourchef.

Zwar ist seine Partei bei den Regionalwahlen in Schottland schwer gerupft worden, aber in den Kommunen in England kommt sie mit einem blauen Auge davon - das dürfte erstmal reichen, um eine Palastrevolte abzuwenden.

Und: Da ist ja dieser Lichtblick London. Endlich, nach acht Jahren der Herrschaft des Tory-Populisten Boris Johnson, deutet vieles darauf hin, dass die Arbeiterpartei wieder ans Ruder kommt. Noch wurde am Freitag fleißig ausgezählt, doch es sah gut aus für den Labour-Mann Sadiq Khan, der sich darauf vorbereitet, der erste Muslim-Bürgermeister der Welt-Metropole London zu werden.

Schon vor dem Urnengang jubelte die liberale Presse. „Sadiq Khan als Bürgermeister wäre der schlimmste Alptraum der Terroristen“, schwärmt der „Guardian“. Nichts sei eine bessere Waffe gegen die Radikalisierung britischer Muslime als der soziale und berufliche Aufstieg der Einwanderer aus Nahost, Afrika und Pakistan.

Zudem, der 45-jährige Khan ist ein Bilderbuch-Politiker, wie es sich die Labour-Partei nicht besser wünschen kann: Die Familie stammt aus Pakistan, der Vater war Busfahrer, die Mutter Näherin - doch der Sohn hat es geschafft. Das sind Erfolgsstories, die das Land braucht.

Doch zurück zu Corbyn: Umfragen hatten der Labour-Partei eine Katastrophe vorausgesagt, die auch für den Parteichef zur echten Gefahr hätte werden können. Doch statt 100 oder mehr Sitze verlor die Partei in den englischen Kommunen lediglich einige Dutzend.

Schottland allerdings ist mehr als nur ein Schönheitsfehler, das war früher mal Hochburg für Labour, jetzt stehen sie auf Platz drei nach Schottlands Nationalpartei SNP und den Konservativen.

Selbst die zurückhaltende BBC warnt: „Die Labour-Partei wäre verrückt, aus den Ergebnissen viel Trost zu ziehen.“ Für Corbyn dürfte das Votum eher eine Atempause sein.

Die Labour-Partei lebt mit einem Dilemma, aus dem es kaum einen Ausweg gibt: Die Basis steht hinter dem linken Corbyn, das Partei-Establishment und die Abgeordneten sehen das anders. Viel zu links, zu sozialistisch sei der Oppositionschef, zu ungelenk auch. Tatsächlich wirkt er neben Premierminister David Cameron oftmals eher blass und ohne Biss.

Vor den Wahlen sprachen Medien schon von einer Revolte, die sich da gegen den Chef zusammenbraue. Doch Insider warnen: Bei einer erneuten Mitgliederbefragung würde Corbyn wieder die Oberhand gewinnen.

Und Brexit, spielte das EU-Referendum Ende Juni überhaupt eine Rolle? Es gibt Warnzeichen: So gewann die offen EU-feindliche Ukip-Partei unter Nigel Farrage deutlich hinzu. In Wales eroberte sie erstmals Sitze im Regionalparlament, auch in den englischen Kommunen gab es Gewinne. In London wiederum warb Europa-Freund Khan für den Verbleib, sein Gegner Zac Goldsmith für den Austritt aus der EU.

In sieben Wochen steht das historische Referendum an. Bleibt Großbritannien in der EU oder scheidet es aus? Schon zittern Banker in der Londoner City ebenso wie britische Unternehmer. Der ungehinderte Zugang zum Mega-Markt EU steht auf dem Spiel. Der Zuwachs von Ukip wirkt da nicht gerade beruhigend.

dpa

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