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Nachrichten Politik Berlin bietet USA Neuverhandlung über Zölle mit EU an
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12:08 30.04.2018
Kanzlerin Merkel trifft im März 2017 in Washington US-Präsident Trump. Quelle: Michael Kappeler
Berlin

Berlin hat den USA kurz vor dem Besuch von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bei US-Präsident Donald Trump angesichts drohender Strafzölle neue Verhandlungen angeboten.

Es müsse aber zumindest über alle Industriezölle gesprochen werden, hieß es am Donnerstag kurz vor der Abreise der Kanzlerin nach Washington am Nachmittag in deutschen Regierungskreisen in Berlin. Nur über Zölle für deutsche Autos zu reden, sei nicht akzeptabel. Bei den Verhandlungen würde es um Gespräche auf EU-Ebene gehen.

Damit, dass Trump die Ausnahmen auf Strafzölle auf Stahl und Aluminium für die EU über den 1. Mai hinaus verlängert, rechnet Berlin nicht mehr.

Merkel wollte am frühen Abend zu ihrem zweiten Besuch bei Trump nach Washington reisen. Die Gespräche mit Trump sind für Freitagabend deutscher Zeit geplant. Neben dem drohenden Handelskrieg zwischen den USA und Europa dürften die Krisen in Syrien und im Iran sowie der Streit um die Gaspipeline Nordstream 2 aus Russland im Mittelpunkt stehen. Nach dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron ist Merkel die zweite wichtige Europapolitikerin innerhalb weniger Tage, die mit Trump zusammentrifft. Erstmals hatte Merkel den US-Präsidenten im März 2017 besucht. Das Verhältnis zwischen beiden gilt auch persönlich als nicht spannungsfrei.

Deutsche Regierungskreise versuchten vor der Reise Merkels, Trumps Vorwurf mangelnder Fairness in den Handelsbeziehungen zu entkräften. Kritik des US-Präsidenten, Deutschland mache sich mit dem Projekt der Ostseepipeline Nordstream 2 zu stark von russischem Gas abhängig, wiesen sie ebenfalls zurück. Der Anteil russischen Gases am deutschen Verbrauch liege bei 37 Prozent und nicht bei 60 Prozent, wie behauptet. Angesichts des prognostizierten steigenden Verbrauchs werde das Nordstream-2-Projekt Deutschland nicht abhängiger von Moskau machen.

In Regierungskreisen hieß es, die Kanzlerin werde mit Trump auch über die Strafzölle auf Stahl und Aluminium reden. Trotz der Einschätzung, dass die Ausnahmen für die EU nicht über den 1. Mai hinaus verlängert würden, will die deutsche Seite dafür plädieren, Strafzölle zunächst zu verschieben. Würde dies geschehen, wolle man einen Dialog mit den Amerikanern über Zölle und Handelsschranken starten. Merkels Ziel sei es, die für beide Seiten nützlichen sehr guten Wirtschaftsbeziehungen zu vertiefen, hieß es weiter.

Die deutschen Regierungskreise räumten zwar ein, dass es nach wie vor einen deutschen Handelsüberschuss von 50 Milliarden Euro mit den USA gebe. Das Handelsbilanzdefizit gehe aber zurück, seit 2015 beispielsweise von 2,1 auf 1,6 Prozent. Zudem seien für die Bilanz Faktoren verantwortlich, die von der Bundesregierung nicht beeinflusst werden könnten, wie die Währungskurse, der Ölpreis oder die demografische Entwicklung. Deutsche Firmen investierten in den USA 210 Milliarden Euro, während die USA in Deutschland nur 112 Milliarden investierten. Außerdem hätten deutsche Firmen 2015 in den USA 837 000 Arbeitskräfte beschäftigt.

Auch den Vorwurf Trumps, es gebe in Europa unfaire Zölle auf Pkw, wiesen die Regierungskreise strikt zurück. Wenn man die Zahlen (Europa: 10 Prozent, USA: 3 Prozent) etwa um den in den Vereinigten Staaten wichtigen Markt von Pick-ups oder sogenannten SUVs gewichte und glätte, sei man schon bei „fast ausgeglichenen“ Zöllen. In der gesamten Industrie mit Ausnahme des Agrarsektors seien die Zölle in Europa sogar ein wenig niedriger als in den USA: Dort betragen sie demnach in diesem Bereich 1,6 Prozent, in Europa 1,4 Prozent.

Die Einschätzung, dass der Pomp, mit dem Trump den französischen Präsidenten Emmanuel Macron in dieser Woche umworben hatte, ein politisches Zeichen für die unterschiedliche Wertschätzung des US-Präsidenten sei, wollten die Regierungskreise nicht teilen. Der Besuch Macrons sei ein von langer Hand geplanter Staatsbesuch gewesen, die Visite Merkels ein Arbeits- und Antrittstreffen nach der vierten Regierungsübernahme. Es sei „nicht sehr sinnvoll“, dies miteinander zu vergleichen. Die Kanzlerin reise als überzeugte Transatlantikerin nach Washington. Die deutsch-amerikanische Freundschaft sei eine zentrale Säule ihrer Außenpolitik.

dpa

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