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Merkel lädt neue britische Premierministerin ein

London/Berlin Merkel lädt neue britische Premierministerin ein

Die neue britische Premierministerin Theresa May trifft weitere Personalentscheidungen. Für eine Ernennung muss sie Kritik aus Deutschland einstecken: Es geht um den exzentrischen Boris Johnson.

London/Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die neue britische Premierministerin Theresa May nach Deutschland eingeladen. Sie habe dies am Mittwochabend bei einem Telefonat mit May ausgesprochen, sagte Merkel am Donnerstag in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek.

„Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Theresa May.“ Die Ernennung von Boris Johnson zum britischen Außenminister wollte die Kanzlerin nicht kommentieren.

Johnson ist einer der wichtigsten Befürworter des EU-Austritts Großbritanniens. „Ich glaube, unsere Aufgabe ist es, mit Regierungen befreundeter Länder sehr eng zusammenzuarbeiten“, sagte Merkel. „Die Welt hat genügend Probleme, um auch die außenpolitische Zusammenarbeit gut voranzubringen, so wie wir das in der Zusammenarbeit mit Großbritannien immer gemacht haben.“

Drei Wochen nach dem historischen Brexit-Votum war May am Mittwoch von Königin Elizabeth II. zur Nachfolgerin David Camerons ernannt worden. Ihre wichtigste Aufgabe wird es sein, Großbritannien aus der EU zu führen und negative wirtschaftliche Folgen zu mildern.

Am Donnerstag wurden neue Änderungen in der Regierungsmannschaft bekannt: Bildungsministerin Nicky Morgan, Kulturminister John Whittingdale, Gesundheitsminister Jeremy Hunt und Justizminister Michael Gove verloren ihre Posten. Ihre Nachfolger waren bis zum Mittag noch nicht bekannt. Gove gehörte zu den Kandidaten im Rennen um die Cameron-Nachfolge.

Die Ernennung Johnsons zum Außenminister stieß dabei auf Kritik aus Deutschland. Johnson sei nicht als herausragender Diplomat in Erscheinung getreten, sagte der stellvertretende SPD-Chef Ralf Stegner der Deutschen Presse-Agentur. Nach Ansicht der Grünen könnte die Ernennung die britischen EU-Austrittsverhandlungen belasten. Die Wahl lasse „ Zweifel an den Fähigkeiten der neuen Premierministerin aufkommen“, sagte Fraktionschef Anton Hofreiter.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) nannte keine Namen, sagte aber: „Nachdem verantwortungslose Politiker das Land erst in den Brexit gelockt haben, um sich dann, als die Entscheidung feststand, aus dem Staub zu machen, die Verantwortung nicht zu übernehmen, stattdessen Cricket spielen zu gehen - ich finde das, ehrlich gesagt, ungeheuerlich.“

Der neue britische Schatzkanzler Philip Hammond kündigte an, dass es für den Brexit kein Notfallbudget geben werde. „Wir werden tun, was nötig ist, um die Wirtschaft im Auge zu behalten“, sagte er in einem Fernsehinterview. Hammond war bislang Außenminister.

Die weiteren Änderungen im britischen Kabinett: Der Abgeordnete David Davis kommt auf einen neu geschaffenen Ministerposten und ist für den Brexit zuständig. Finanzminister George Osborne trat zurück, könnte aber bei den Brexit-Verhandlungen eine wichtige Rolle spielen. Liam Fox, der 2011 von seinem Amt als Verteidigungsminister wegen der Verquickung von beruflichen und privaten Interessen zurücktrat, ist nun Minister für internationale Handelsbeziehungen. Mays Nachfolgerin im Innenministerium ist die Abgeordnete Amber Rudd. Michael Fallon bleibt Verteidigungsminister.

May ist die erste Frau an der Regierungsspitze seit dem Rücktritt von Margaret Thatcher 1990. Cameron, der für den Verbleib in der EU kämpfte, gab sein Amt wegen der schweren Niederlage beim Brexit-Referendum vom 23. Juni auf.

dpa

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