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Politik „Es geht nicht um Zöpfe“: Stiftung wehrt sich gegen Kritik an Kita-Broschüre
Nachrichten Politik „Es geht nicht um Zöpfe“: Stiftung wehrt sich gegen Kritik an Kita-Broschüre
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07:00 30.11.2018
Nazi-Alarm? Erneut hat die AfD erfolgreich eine Kampagne losgetreten – dieses Mal unterstellt sie, die Antonio-Stiftung rücke Eltern von Mädchen mit Zöpfen in die rechte Ecke. Die Stiftung weist das zurück. Quelle: ZB
Berlin

Ein Kind zeichnet im Kindergarten Runen und Hakenkreuze und sagt: „Das gibt es bei uns zu Hause.“ Anderes Beispiel: Eine Familie lädt Kinder zum Geburtstag ein, die Eltern sind vermutlich rechtsextrem. Andere Eltern fragen Erzieherinnen um Rat. Dritter Fall: Eine Mutter beschwert sich, dass ihr Sohn bei einem Schminkspiel lackierte Fingernägel bekommen hat. Sie wettert über „Genderwahn“. Das sind drei Situationen aus dem deutschen Kindergarten-Alltag, die in der Broschüre „Ene, mene, muh“ der Amadeu-Antonio-Stiftung beschrieben werden. „Alle Beispiele stammen aus der Praxis“, sagt Stiftungs-Vertreterin Simone Rafael dem RND.

Die Broschüre erschien am 12. Oktober. Seitdem machen Rechtspopulisten und AfD-Abgeordnete gegen den Band mobil. Darin soll das – wohlgemerkt – Personal von Kitas im Umgang mit rechtspopulistischen und rechtsextremen Mobilisierungen geschult werden. Er wurde aus dem Programm „Demokratie leben“ des Bundesfamilienministeriums gefördert. Warum, schreibt Ministerin Franziska Giffey (SPD) im Vorwort: „Wir erleben ein neues Ausmaß an menschenverachtendem Verhalten und einen deutlichen Anstieg rechtspopulistischer Bewegungen. Diese Entwicklung macht auch vor den Kindertagesstätten nicht Halt.“

AfD nahm Broschüre sofort ins Visier ...

Die AfD-Abgeordnete Nicole Höchst zeigte sich entsetzt: „Diese Broschüre ist von vorn bis hinten ein kleines Einmaleins der Gesinnungsdiktatur. Betreuer würden „zur Bespitzelung von Eltern und Kollegen angehalten“ und sollen „Kollegen mit vermeintlich rechtem Gedankengut hinausmobben. Bei der Stiftung nahm man diese Angriffe zunächst gelassen zur Kenntnis. Die Amadeu-Antonio-Stiftung, die sich seit Jahren gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus engagiert, ist ein Lieblingsfeind der Rechten.

Am Mittwoch aber stieg die „Bild“-Zeitung auf das Thema ein und zitierte nicht die AfD, sondern einen CDU-Innenpolitiker. Christoph Bernstiel (34) aus Halle (Saale) sagte: „Ich finde es unfassbar, dass eine mit Steuergeldern finanzierte Broschüre junge Mädchen, die Zöpfe und Kleider tragen, als potenziell ,völkisch’ bezeichnet.“

... und die CDU schließt sich an

Offenbar nach Lektüre dieses Aufreger-Textes fühlt sich auch die Stellvertretende CDU-Fraktionschefin Nadine Schön in der Pflicht und erklärt per Pressemitteilung und ohne Rücksicht auf die Koalitionsfreunde von der SPD: „Die Broschüre, die von Bundesministerin Dr. Giffey mit einem Grußwort beworben wird“ gleiche einer „staatlichen Handlungsanweisung zur Elternspionage“. Politische Forderung der Christdemokratin: „Bitte sofort einstampfen!“ Schön: „Eine Broschüre, die Vorurteile bekämpfen will, vermittelt selbst welche.“

Bei der Stiftung steht seit dem „Bild“-Text das Telefon nicht mehr still. „Wir rufen nicht zum Beschnüffeln von Eltern auf“, muss Simone Rafael mehrere Dutzend Mal am Tag sagen, erzählt sie dem RND. Und auch: „Es geht nicht um Zöpfe.“

In dem Beispiel geht es um die Kinder, deren mutmaßlich rechtsextreme Eltern eine Geburtstagsfeier veranstalten wollen. Sehr ausführlich werden die Kinder dieser Eltern beschrieben: „Das Mädchen trägt Kleider und Zöpfe, es wird zu Hause zu Haus- und Handarbeiten angeleitet, der Junge wird stark körperlich gefordert und gedrillt.“ Das lasse „traditionelle Geschlechterrollen“ bei der Erziehung erkennen. Die Zöpfe, auf die sich AfD, Bernstiel und „Bild“ konzentrieren, sind aber nicht das Entscheidende, sondern die Zugehörigkeit der Eltern zu einer Kameradschaft.

In der Zusammenfassung heißt es dann: „Eine Ausgrenzung der betroffenen Kinder ist keine Lösung und ist keinesfalls anzustreben.“ Nur hatten das „Bild“ und Bernstiel, Schön und AfD nicht gelesen –oder jedenfalls nicht erwähnt.

Von Jan Sternberg/RND

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