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Politik Nach Tod des US-Fotografen: Obama zeigt sich knallhart
Nachrichten Politik Nach Tod des US-Fotografen: Obama zeigt sich knallhart
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01:35 22.08.2014

Noch nie in seiner bald sechsjährigen Amtszeit hat sich Barack Obama derart knallhart geäußert, hat er derart hässliche Worte gewählt. Die Terrormilizen des Islamischen Staates (IS) strebten einen „Völkermord an einem alten Volk an“, sie hätten „keinerlei Wertschätzung für menschliches Leben“. Die Terroristen hätten „keinen Platz im 21. Jahrhundert“, es handle sich um ein „Krebsgeschwür“, das entfernt werden müsse. Wer Barack Obama an diesem sonnigen Tag am Atlantik zuhört, hat den Eindruck, als spräche sein Vorgänger George W. Bush.

Die Enthauptung des amerikanischen Journalisten James Foley hat die Urlaubsstimmung des US-Präsidenten gründlich verhagelt. Zu allem Überfluss ist erst kürzlich eine Befreiungsaktion der Militärs zur Rettung von Geiseln in Syrien gescheitert. Zwei Dutzend Elitesoldaten seien in einer nächtlichen Aktion im Norden Syriens abgesetzt worden.

Doch die streng geheime Kommandoaktion wurde zum Schlag ins Wasser. „Als wir dort ankamen, war es zu spät“, sagte ein Regierungsbeamter der „New York Times“. Die Geiseln — darunter auch Foley — seien an einen anderen Ort gebracht worden. Kein Glück für Obama.

Hinzu kommt: Im Gegensatz zu europäischen Regierungen sind Obama die Hände gebunden, entführte Amerikaner freizukaufen. Sage und schreibe 100 Millionen Dollar (75,4 Millionen Euro) Lösegeld hatte die Terrormiliz Islamischer Staat zur Freilassung Foleys verlangt. Doch dieser Weg war Obama versperrt.

Die Lösegeldpraxis der Europäer wird immer mehr zum Ärgernis in den USA. „Europäer zu entführen, ist zur Haupteinnahmequelle von El-Kaida und ihren Ablegern geworden“, schreibt die „New York Times“ mit deutlich kritischem Unterton. Mindestens 125 Millionen Dollar hätten die Terroristen auf diese Art in den vergangenen Jahren eingesteckt.

Viel steht auf dem Spiel für Obama. Unverhohlen drohen die Islamisten mit neuen Morden an Amerikanern — etwa mit dem Tod des Journalisten Steven Sotloff, der seit 2013 in Syrien vermisst wird. Doch die Antwort des Friedensnobelpreisträgers Obama könnte klarer kaum ausfallen: „Wir werden unnachgiebig sein.“

Dabei gehen in Washington schon seit Monaten Ängste vor einer ganz neuen Dimension der Bedrohung um: US-Ermittler haben Hinweise, dass eine unbekannte Anzahl von amerikanischen Muslimen in das Bürgerkriegsland Syrien gereist und dort abgetaucht ist, um sich islamistischen Gruppen anzuschließen und von diesen ausgebildet zu werden. Ihr Ziel: später in die USA zurückkehren und dort Anschläge verüben — ein Alptraum für die Amerikaner. Obama steht unter Druck. Der Vormarsch der IS-Milizen im Irak könnte für ihn zum Super-GAU werden, der seine gesamte Strategie zur Beendigung der Kriege im Irak und in Afghanistan zur Makulatur werden lässt.



Peer Meinert

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