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11:02 24.03.2017
Seit Jahresbeginn haben laut UNHCR fast 22 000 Menschen das Mitteleer überquert. Quelle: Santi Palacios
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Rom (dpa) - Nach einem neuen Unglück im Mittelmeer, bei dem bis zu 250 Menschen ums Leben gekommen sein könnten, sind Hilfsorganisationen alarmiert.

„Das Massaker von gestern erinnert uns daran, dass im Mittelmeer eine Tragödie stattfindet und bestätigt, dass Seenotrettung notwendig ist“, schrieb der Sprecher der Internationalen Organisation für Migration (IOM), Flavio Di Giacomo, am Freitag auf Twitter. Hoffnung darauf, dass Menschen den Schiffbruch überlebt haben, gab es aber noch. Es werde untersucht, ob die Migranten von der libyschen Küstenwache gerettet wurden, schrieb Di Giacomo.

Am Donnerstag hatten private Rettungsorganisationen von zwei Schlauchbooten berichtet, die vor der Küste Libyens gekentert seien. Fünf Tote seien in ihrer Nähe etwa 14 Seemeilen von der Küste entfernt geborgen worden, hieß es in einer Mitteilung des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR.

„Angesichts der Tatsache, dass solche Schlauchboote normalerweise mit 120 bis 130 Menschen überladen werden, befürchten wir, dass die tatsächliche Zahl der Todesopfer weit höher ist und dass Dutzende Menschen mehr bei dem Unglück umgekommen sind“, teilte das UNHCR mit. „Eine Tragödie, ein kollektives Scheitern“, hatte die UNHCR-Sprecherin Carlotta Sami am Donnerstagabend getwittert.

Das Unglück ereignete sich in einer ohnehin aufreibenden Woche für die Hilfsorganisationen: In nur fünf Tagen wurden laut UNHCR fast 6000 Flüchtlinge und andere Migranten aus Seenot gerettet.

An dem Einsatz am Donnerstag war auch die deutsche Hilfsorganisation Jugend Rettet beteiligt. Es hätten jedoch von der NGO Proactiva Open Arms nur fünf Tote geborgen werden können, sagte eine Jugend-Rettet-Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur. Die Toten seien Männer im Alter zwischen 16 und 25 Jahren gewesen. „Sie sind wahrscheinlich ertrunken.“ Seit dem Untergang helfe auch das Schiff „Iuventa“ von Jugend Rettet bei der Suche nach Überlebenden, die Hoffnung sei jedoch gering.

In diesem Jahr sind nach UNHCR-Angaben bereits mehr als 580 Menschen im Mittelmeer ums Leben gekommen - das jüngste Unglück nicht mit eingerechnet. Die Zahl der Toten könnte weit höher sein, weil oft nicht klar ist, wie viele Menschen überhaupt auf den Booten waren. Die allermeisten Menschen starben auf der zentralen Route von Libyen in Richtung Italien. Seit Jahresbeginn überquerten laut UNHCR fast 22 000 Menschen das Meer, im selben Zeitraum 2016 waren es etwas mehr als 18 700.

Private Hilfsorganisationen wie Jugend Rettet oder SOS Mediterranee sehen sich derzeit dem Vorwurf ausgesetzt, das Geschäft der Schlepper mit ihrem Engagement im Mittelmeer zu begünstigen. Sie wiederum prangern die Gleichgültigkeit gegenüber der Flüchtlingskatastrophe an. „Wenn die Opfer Europäer wären, würden sie Schlagzeilen füllen, aber sie sind unsichtbare Opfer“, schrieb Proactiva Open Arms auf Facebook.

Die Politik versucht derzeit, über Vereinbarungen mit dem Bürgerkriegsland Libyen Flüchtlinge von der lebensgefährlichen Überfahrt nach Europa abzuhalten. Schlepper zwingen die Menschen oft mit Waffengewalt auf schrottreife und vollkommen überfüllte Boote. Helfer schildern, dass in den Lagern in Libyen meist menschenunwürdige Zustände herrschen.

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