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07:56 11.10.2018
Hände hoch: Auch an Grundschulen wird es in den nächsten Jahren an Lehrern mangeln. Quelle: David Ebener/dpa
Berlin

In Deutschland fehlt es an Lehrern. Bundesweit sei bis 2030 mit einem durchschnittlichen Einstellungsbedarf von knapp 32.000 Lehrern pro Jahr zu rechnen, wie die Kultusministerkonferenz errechnet hat. Damit drohen jedes Jahr Hunderte Stellen unbesetzt zu bleiben. Derzeit arbeiten mehr als 798.000 Lehrer an deutschen Schulen, heißt es in der Prognose zum Lehrereinstellungsbedarf und -angebot für 2018 bis 2030, die dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) vorliegt.

Die Probleme betreffen jetzt und in den kommenden Jahren nicht alle Schulformen gleichermaßen. Die größten Engpässe sind bei den Berufsschulen und den Lehrern mit sonderpädagogischer Ausbildung zu erwarten. Aber auch bei den Grundschulen gibt es erhebliche Probleme. Bei den Lehrern für das Gymnasium gehen die Kultusminister hingegen „generell von einem deutlichen Bewerberüberhang“ aus.

Vor allem im Osten fehlen Lehrkräfte

Auffällig ist der Unterschied zwischen Ost und West: In den westdeutschen Ländern übersteigt das Angebot an Lehrern den Bedarf in dem genannten Zeitraum um 3,5 Prozent. In den ostdeutschen Ländern gibt es eine erhebliche „Unterdeckung“, wie es die Kultusminister nennen.

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Einen besonders hohen Einstellungs-Engpass gibt es in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. „Sofern bei den zukünftigen Studienanfängern kein größeres Interesse am Lehrerberuf geweckt werden kann, wird sich in den ostdeutschen Ländern die Mangelsituation auf dem Lehrerarbeitsmarkt noch verstärken“, heißt es im Entwurf für den Beschluss der Kultusministerkonferenz zu diesem Thema.

Die aktuelle Prognose weicht spürbar von derjenigen ab, welche die Kultusministerkonferenz im Jahr 2015 für die Zeit bis 2025 vorgelegt haben. Die Minister führen die starke Veränderung nun auf steigende Geburtenzahlen und Zuwanderung zurück. Damit sei der Bedarf an Lehrern erheblich angestiegen.

Zuviele Bewerber für Gymnasien

Generell bedeutet der Lehrermangel, dass die Bundesländer überlegen müssen, wie sie den Beruf für ambitionierte Studenten attraktiv machen können: Vorstellbar sind natürlich finanzielle Anreize. Die OECD hat allerdings gerade wieder vorgerechnet, dass Deutschland bei den Lehrergehältern im internationalen Vergleich mit an der Spitze liegt. Bildungsforscher weisen da schon eher darauf hin, dass in Deutschland die Lehrer am Gymnasium am besten bezahlt werden – und beispielsweise nicht Grundschullehrer, die in einem Viertel mit besonders großen sozialen Problemen und Herausforderungen durch Migration arbeiten. Bezahlt wird also dort am besten, wo es ohnehin einen Bewerber-Überhang gibt.

Der Chef der Pisa-Studie, Andreas Schleicher, weist auch immer wieder darauf hin, wie wichtig es sei, dass der Schulleiter einen motivierenden Führungsstil habe – und in den Schulen auch Möglichkeiten zur Zusammenarbeit zwischen den Lehrern schaffe. Sein Mantra: Viele fühlten sich allein gelassen. Das führe auch zu schlechterem Unterricht.

Offiziell beschließen wollen die Minister das gemeinsame Papier am Donnerstag. Es beruht auf zusammengefassten Modellrechnungen der einzelnen Bundesländer.

„Wir steuern auf Notstand zu“

Bildungsgewerkschaften haben zuletzt immer wieder vor Problemen gewarnt, die durch eine zu geringe Zahl von Lehramtsstudenten entstehen können. Marlis Tepe, Chefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, sagte am Mittwoch dem RND: „Deutschland steuert auf einen Bildungsnotstand zu.“ Tausende Stellen seien bereits jetzt mit Quer- und Seiteneinsteigern besetzt. „Die dramatische Situation ist im Wesentlichen hausgemacht“, kritisiert sie.

Tepes Kritik: Die Länder hätten es in den vergangenen Jahren versäumt, ausreichend Lehrkräfte auszubilden. Dabei seien nicht zuletzt die anstehenden Pensionierungen lange bekannt gewesen. „Jetzt sind Kultusministerkonferenz und Länder gefordert, schnell Lösungen zu finden“, sagte sie. Die Gewerkschaft sei bereit, dabei mitzuhelfen.

Von Tobias Peter/RND

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