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Öko-Investments für mehr Klimaschutz

Sinneswandel oder Strohfeuer? Öko-Investments für mehr Klimaschutz

Der Kampf gegen den Klimakollaps ist auch eine Frage des großen Geldes. Weniger CO2-Ausstoß kostet die Staaten mehr - aber auch Investitionen privater Finanzkonzerne in „schmutzige“ Branchen spielen eine Rolle. Da bewegt sich nun einiges. Doch reicht das?

Berlin/Stuttgart. Beim Klimaschutzplan der Bundesregierung hakte es gewaltig, der künftige US-Präsident Trump gilt nicht gerade als Vorkämpfer des Schicksalthemas: Kann die Weltgemeinschaft bei der laufenden Konferenz in Marrakesch die nächsten Schritte machen?

Klimaschutz ist nicht nur eine Angelegenheit der UN-Länder selbst. Auch Großanleger aus der Wirtschaft können Treibhausgase wie CO2 eindämmen - zumindest indirekt. Sie müssen der Ankündigung, nicht mehr Milliarden in Kohle oder Öl zu investieren, aber Taten folgen lassen. Erste Projekte sind angeschoben. Doch es bleibt viel zu tun.

Beim Versicherungsriesen Allianz werden inzwischen keine eigenen Gelder mehr in Firmen gesteckt, die über 30 Prozent ihres Umsatzes durch Kohleabbau oder über 30 Prozent ihrer Energieerzeugung aus Kohle erzielen. „Divestment“ heißt der Trend. Man „unterstützt die globale Energiewende“, erklären die Münchner dazu: Bis Ende März seien so schon 225 Millionen Euro aus Aktien abgezogen worden - neben etwa 3,4 Milliarden Euro in Anleihen, die über die Zeit auslaufen. Stattdessen setzt die Allianz vor allem auf erneuerbare Energien.

In Marokko berät die Weltklimakonferenz seit dieser Woche darüber, wie sie das Ende 2015 erzielte Paris-Abkommen praktisch umsetzen will. Vielen Politikern und Forschern ist klar: Gelingt es nicht, die Erderwärmung auf weniger als zwei Grad Celsius über dem Niveau des vorindustriellen Zeitalters zu begrenzen, drohen drastische Folgen. Das wissen viele Versicherer nur allzu gut. Sie müssen ihre Risiken aus Sturm-, Überschwemmungs- oder Dürreschäden wiederum über Rückversicherer abdecken, die dafür eigene Klimamodelle entwickeln.

Andere mächtige Finanzakteure kehren den fossilen Energien mit hohem CO2-Ausstoß ebenfalls den Rücken. Der milliardenschwere norwegische Pensionsfonds zog sich nach einem Beschluss des Parlaments in Oslo aus Dutzenden Kohlefirmen heraus - darunter der größte US-Produzent Peabody. Im Frühjahr hatte sogar der Familienfonds der US-Öldynastie Rockefeller angekündigt, seine Anteile an ExxonMobil abzugeben.

Glaubwürdige Kehrtwende oder geschickte Imagepflege? Auch kritische Nicht-Regierungsorganisationen loben das „Divestment“. „Vor ein paar Jahren wäre das undenkbar gewesen - das ist ein sehr hoffnungsvolles Zeichen, das schon auf Sinneswandel hindeutet“, meint Moritz Schröder vom Verein Urgewald, der sich mit Umwelt und Menschenrechten befasst. Ein komplettes Umdenken dauere aber wohl: „Im Thema ist grundsätzlich noch viel Musik. Man braucht den Einfluss verantwortlich handelnder Banken und Investoren - denn viele Kohlekonzerne finanzieren sich zum Großteil durch Kredite oder Anleihen.“

Bei alldem geht es nicht ausschließlich um bessere Öko-Standards. Die sogenannten ESG-Kriterien (Environment, Social, Governance) decken zudem Soziales und gute Unternehmensführung ab. Auch Versicherer wie Munich Re oder die AachenMünchener habe das zugrunde gelegt. Und Axa will sich nicht mehr an der Finanzierung der Tabakbranche beteiligen.

Welches Maß jeweils genau gilt, ist nach Ansicht von Hans Joachim Schellnhuber, Chef des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, nicht so relevant. „Die Unternehmen sollten lieber unbeholfen einen Schritt tun, als einfach nur stehen zu bleiben“, sagt er. „Ein gutes Maß wäre der carbon footprint“ - also der Kohlenstoff-„Fußabdruck“. Selbst große Bergbaukonzerne nähmen die Debatte heute jedoch ernst: „Man kann nicht richtig abschätzen, wie stark die Bewegung wird. Das schafft produktive Unruhe.“

Vom Marrakesch-Treffen sollte man „nicht so viel erwarten“, meint der Klimaforscher. Stimmung und Rhetorik hätten sich nach Paris geändert. Aber: „Das umzusetzen, wird erst in den nächsten Jahren passieren.“ Er würde sich wundern, wenn andere Länder dem Beispiel Norwegens folgen und sich jetzt aus bestimmten Industrien zurückziehen. Dabei finden sich schon Nachahmer: Baden-Württemberg arbeitet derzeit an einer entsprechenden Anlage-Richtlinie.

Ein erster Anstoß scheint also gemacht - wenngleich es weiterhin viel Luft nach oben gebe, sagt auch Andreas Freiling, Partner bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY und Versicherungsexperte. Die andauernden Niedrigzinsen sorgten ganz allgemein dafür, dass bei Großinvestoren der Druck steigt, alternative Investments zu finden.

Das könne das Klimabewusstsein zwar begünstigen. „Einige Investoren sagen sich durchaus: Wenn es nachhaltige Investitionsmöglichkeiten gibt, die ein gewisses Risiko-Rendite-Profil versprechen, kann ich in diese Richtung gehen.“ Im Zweifel komme es für die meisten allerdings immer darauf an, dass sich auch solche neuen Formen unterm Strich lohnen müssen, stellt Freiling klar. „Da gibt es keinen Altruismus, nur weil eine bestimmte Anlage als besonders nachhaltig gelten soll.“

dpa

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