Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Politik Papst wünscht sich unbequeme Jugendliche
Nachrichten Politik Papst wünscht sich unbequeme Jugendliche
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:23 30.07.2016
Anzeige
Krakau

Papst Franziskus hat die Jugend aufgerufen, „Vorreiter der Geschichte“ zu sein. „Liebe junge Freunde, wir sind nicht auf die Welt gekommen, um zu vegetieren, um es uns bequem zu machen, um aus dem Leben ein Sofa zu machen, das uns einschläfert“.

Das sagte der Papst am Abend bei einem Nachtgebet des Weltjugendtages vor Hunderttausenden Pilgern nahe Krakau.

„Ein Sofa – wie jene modernen mit einlullenden Massagen – die uns Stunden der Ruhe garantieren, um uns in die Welt der Videospiele zu begeben und Stunden vor dem Computer zu verbringen“, fuhr der 79-Jährige fort. Es sei für viele einfacher, „duselige und benommene Jugendliche zu haben“. In der heutigen Zeit brauche es aber keine „Sofa-Jugendlichen, sondern junge Menschen mit Schuhen, noch besser mit Stiefeln an den Füßen“, um Spuren zu hinterlassen.

Zu der sogenannten Vigil waren die Teilnehmer des Weltjugendtages (WJT) in Krakau den ganzen Tag über auf ein riesiges Feld vor den Toren der Stadt geströmt. Bei großer Hitze legten sie acht bis zehn Kilometer zu Fuß zurück. Anwohner und Helfer reichten ihnen unterwegs immer wieder Getränke oder besprühten sie mit Wasser.

Die Sicherheitskräfte schätzen die Zahl der Teilnehmer an dem Nachtgebet auf etwa eine Million. Die meisten wollten auf dem eigens für den WJT hergerichteten „Feld der Barmherzigkeit“ übernachten, um am Sonntag bei der Abschlussmesse des sechstägigen Katholikentreffens dabei zu sein. Auch Franziskus wird daran teilnehmen, ehe er nach fünf Tagen in Polen nach Rom zurückfliegt.

Für die polnische Regierungschefin Beata Szydlo ist der Einfluss von Papst Johannes Paul II. (1920-2005) auch während der Pilgerreise seines Nachfolgers Franziskus ungebrochen. Franziskus zeige Größe in seiner Einfachheit, sagte die nationalkonservative Politikerin dem Sender Radio Krakow. „Er ist gewiss eine andere Gestalt als Johannes Paul II. oder Benedikt XVI., der große Intellektuelle. Johannes Paul ist vor allem unser polnischer Papst und wird für uns immer am wichtigsten sein.“

Von dem Appell des Papstes, Flüchtlinge aufzunehmen, sah sich Szydlo nicht angesprochen. „Diejenigen, die Polen kritisieren (...), werden sicher sagen, na bitte, Papst Franziskus ist gekommen und hat Polen belehrt.“ Es gebe aber auch andere, die darauf hinwiesen, dass Polen Ukrainer aufgenommen habe. Das EU-Land weigert sich, Flüchtlinge aus muslimischen Staaten wie Syrien oder Afghanistan aufzunehmen.

Bei einer Messe mit Ordensleuten und Seminaristen in Krakau drängte Franziskus am Vormittag auf eine offenere und bescheidenere Kirche. „In unserem Leben als Priester und Gottgeweihte kann oft die Versuchung bestehen, ein wenig in uns selbst und in unsere Kreise eingeschlossen zu bleiben, aus Furcht oder aus Bequemlichkeit“, sagte das Oberhaupt der Katholiken.

dpa

Mehr zum Thema

Der Papst betet, fährt Tram und redet der Jugend ins Gewissen. Und dann gibt es da noch eine Schrecksekunde.

29.07.2016

Rom (dpa) - Papst Franziskus ist vor dem Abflug nach Polen von 15 jungen Flüchtlingen verabschiedet worden. Die Flüchtlinge stammen aus verschiedenen Ländern und leben erst seit kurzem in Italien.

27.07.2016

Papst Franziskus sieht die Welt derzeit in einem Kriegszustand. „Wir dürfen keine Angst haben, die Wahrheit zu sagen: Die Welt ist im Krieg, weil sie den Frieden ...

27.07.2016

Vollverschleierte Frauen wirken auf viele als unvereinbar mit der westlichen Kultur. Immer mal wieder wird deshalb ein Verbot gefordert. Aber die Religionsfreiheit setzt hier enge Grenzen.

31.07.2016

Nach den Parteitagen von Cleveland und Philadelphia vergeuden die Spitzenkandidaten Trump und Clinton keine Zeit. Die heiße Phase des Wahlkampfes hat begonnen. Derweil untersucht das FBI gleich mehrere Hacker-Attacken gegen die US-Demokraten.

31.07.2016

„Wir schaffen das“ - dass die Kanzlerin trotz allem diesen Satz zur Flüchtlingskrise wiederholt hat, kann der CSU-Chef nicht fassen. Die Probleme seien zu groß. Streit will er aber nicht - sagt er.

30.07.2016
Anzeige