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Politik Videos von Angriff auf Magnitz gesichtet – Staatsanwaltschaft widerlegt Darstellung der AfD
Nachrichten Politik Videos von Angriff auf Magnitz gesichtet – Staatsanwaltschaft widerlegt Darstellung der AfD
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15:28 09.01.2019
Ein überdachter Durchgang führt zu einem Bremer Theater. Unbekannte hatten am 07.01.2019 den Bremer AfD-Landeschef Frank Magnitz an dieser Stelle attackiert und schwer verletzt Quelle: Helmut Reuter/dpa
Bremen

Nach dem gewalttätigen Angriff auf den Bremer AfD-Bundestagsabgeordneten Frank Magnitz hat die Polizei Videoaufnahmen von der Tat gesichert und ermittelt wegen des Verdachts einer gefährlichen Körperverletzung.

Die Bremer Staatsanwaltschaft weist die Darstellung der AfD zum Überfall zurück. Magnitz sei am Montagabend in Bremen von einem von insgesamt drei zu sehenden Männer von hinten angesprungen worden, sagte der Sprecher der Bremer Staatsanwaltschaft Frank Passade mit Blick auf die Videoaufnahmen, die den Überfall in Gänze zeigen. Daraufhin sei Magnitz gestürzt und offenbar ungebremst mit dem Kopf aufgeschlagen. «Wir gehen davon aus, dass die gesamten Verletzungen allein dem Sturz geschuldet sind», sagte Passade am Mittwoch der dpa.

Dagegen hatte die AfD wenige Stunden nach dem Angriff in einer Pressemitteilung geschrieben, die Täter hätten Magnitz mit einem Kantholz bewusstlos geschlagen und dann gegen seinen Kopf getreten, als dieser am Boden lag. Diese Angaben waren nach einem Besuch zweier Parteikollegen bei Magnitz am Montagabend im Krankenhaus gemacht worden. Dort wurde der 66-Jährige auch am Mittwoch noch stationär behandelt.

Die Täter seien nach dem Angriff sofort weggelaufen, sagte Passade. Auf der Grundlage der Videos gebe es keine Hinweise, dass auf Magnitz eingetreten worden sei.

Polizei konnte keinen Schlaggegenstand sehen

Auf dem bisher gesicherten Videomaterial könne der Einsatz eines Schlaggegenstandes nicht festgestellt werden, hatte die Polizei bereits vorher erklärt. Der Abgeordnete habe bei der Attacke am späten Montagnachmittag eine stark blutende Kopfverletzung erlitten.

Die AfD Bremen indes hatte in der Nacht nach dem Überfall in einer Pressemitteilung erklärt, Magnitz sei bewusstlos geschlagen worden. Täter hätten weiter gegen seinen Kopf getreten, als er bereits am Boden lag.

Magnitz selbst schließt Raubüberfall nicht aus

Während die Staatsanwaltschaft eine politisch motivierte Tat vermutet, schließt der geschädigte Magnitz selbst einen Raubüberfall nicht aus, wie die „Bild“-Zeitung berichtet. Die „Bild“ sprach mit dem AfD-Politiker an dessen Krankenbett.

Magnitz mache demnach „die Linken“ oder die „Antifa“ nicht selbstverständlich für den Überfall verantwortlich „Es ist zwar nicht sehr wahrscheinlich, aber es kann auch ein Raubüberfall gewesen sein“, zitiert das Blatt Frank Magnitz.

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Ärzte verordnen Magnitz „absolute Bettruhe“

An die Tat könne sich Magnitz nicht mehr erinnern. Dennoch skizziert er gegenüber „Bild“ folgende Szene: Drei vermummte Männer mit ins Gesicht gezogenen Kapuzen und Mützen seien ihm in einen Innenhof gefolgt.

Diese Szene habe Magnitz einem Klempner geschildert, der sich nach dem Angriff um ihn gekümmert habe. „Meine Erinnerung setzt erst wieder ein, als mich einer der Handwerker an die Wand gesetzt und aufgerichtet hat.“

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Nach Magnitz’ Aussage haben die Ärzte ihm „absolute Bettruhe verordnet“. Weiter soll er gesagt haben: „Die gesamte linke Körperhälfte schmerzt fürchterlich, aber ich bin bestens mit Schmerzmitteln versorgt. Deshalb geht es einigermaßen.“

Weidel und Gauland bezeichnen Tat als "feigen Mordanschlag"

Der Angriff war bundesweit scharf verurteilt worden. Die Vorsitzenden der Bundestagsfraktion, Alice Weidel und Alexander Gauland, bezeichneten die Tat als "feigen Mordanschlag" und gaben Politikern und Medien eine Mitschuld.

Unter anderem der frühere Grünen-Bundestagsabgeordnete Christian Ströbele wies das im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) zurück. Die Tat in Bremen als Auswirkung der politischen Auseinandersetzung mit der AfD zu sehen, sei "völlig unverantwortlich: Diesen Zusammenhang gibt es nicht", sagte er. In einer Demokratie sei es erlaubt, "in drastischen Formulierungen schlimme Äußerungen oder Entwicklungen zu kritisieren".

Entsetzen, Empörung und viele offene Fragen: Die genauen Hintergründe für die Attacke auf den Bremer AfD-Landeschef Frank Magnitz sind noch unklar. Die Polizei geht von einem politischen Motiv aus. Attacken mussten auch schon andere Politiker hinnehmen – die Motive waren unterschiedlich.

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Von RND/epd/jw