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Porträt: Winfried Kretschmann Superstar

Stuttgart Porträt: Winfried Kretschmann Superstar

Langsam, bedächtig und knorrig: Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann fällt als Politiker aus dem Rahmen. Bei der Landtagswahl führt er die Grünen zu bislang ungeahnten Höhenflügen.

Stuttgart. Wenn andere triumphieren, versucht Winfried Kretschmann, auf dem Boden zu bleiben. Denn als Katholik weiß er nur allzu gut: „Zwischen „Hosianna“ und „Kreuzigt ihn“ können nur drei Tage liegen.“

2011 wurde Kretschmann der erste grüne Regierungschef in Deutschland überhaupt - er regierte Baden-Württemberg mit der SPD. Bei der Landtagswahl am Sonntag führte er die Grünen über die Marke von 30 Prozent und verwies die CDU auf den zweiten Platz. Dabei ist der 67-Jährige in vielerlei Hinsicht ein untypischer Politiker.

Kretschmanns Eltern flüchteten am Ende des Zweiten Weltkriegs aus Ostpreußen - er selbst wurde im baden-württembergischen Spaichingen geboren. Als Student war er im Kommunistischen Bund Westdeutschland (KBW) aktiv. Der frühere Lehrer für Ethik, Biologie und Chemie zählt zu den Gründungsmitgliedern der Grünen in Baden-Württemberg und zum Realoflügel.

Viele Jahre führte er die da noch oppositionellen Grünen im Landtag als Fraktionschef. Doch das Regierungsamt trauten ihm selbst die eigenen Leute erst nicht so recht zu. Im Landtagswahlkampf 2011 stellten sie ihrem Spitzenmann noch ein „Spitzenteam“ zur Seite.

Der verheiratete Vater dreier Kinder tritt wertkonservativ, bodenständig und pragmatisch auf. Heute genießt Kretschmann nicht nur in der Bevölkerung hohe Beliebtheit. Im Südwesten liegt ihm auch die eigene Partei quasi zu Füßen. Große parteiinterne Konflikte drangen in seiner Regierungszeit jedenfalls nicht nach draußen, obwohl Kretschmann seinen eigenen Kopf hat und sich öfter jenseits der grünen Parteilinie bewegte. Zoff gab es mehrmals mit der grünen Bundespartei, dort insbesondere mit Parteilinken wie Jürgen Trittin.

Auf die Frage, ob ihm Politik Spaß mache, gibt der Mann mit dem markanten Bürstenhaarschnitt in der Regel eine ungewöhnliche Antwort: „Politik macht Sinn.“ Kretschmann beteuert, in „langen Linien“ zu denken - das Klein-Klein des schnellen, medial angetriebenen Politikbetriebes ist ihm zuwider.

Mit seiner eher langsamen, bedächtigen und etwas knorrigen Art ist Kretschmann nur schwer in kurze und knackige Fernsehformate zu pressen. Falls er auf eine Frage keine Antwort weiß, gibt er das offen zu. Wenn er sich aufregt, kann Kretschmann aber durchaus sehr emotional und auch lauter werden.

Kritiker werfen ihm vor, in konfliktbelasteten Situationen zu hadern und der SPD als kleinem Koalitionspartner wenige Erfolgserlebnisse gegönnt zu haben. Zudem halten ihm Parteilinke vor, opportunistisch zu handeln und grüne Ideale etwa in der Flüchtlingspolitik über Bord geworfen zu haben. Manche halten Kretschmann gar für eine regelrechte Mogelpackung: für einen „Schwarzen“ im grünen Gewand.

dpa

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