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Politik Putin „in die Stirn schießen“: Eklat um Timoschenko-Telefonat
Nachrichten Politik Putin „in die Stirn schießen“: Eklat um Timoschenko-Telefonat
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00:00 26.03.2014
Den Haag

Gelb-rote Karte für Moskau, aber keine Dauer-Aussperrung: Die bisherige G8-Gruppe der großen westlichen Wirtschaftsmächte plus Russland will wegen der russischen Krim-Annexion wieder als G7 operieren — ohne Russland. Und so gingen die Schuldzuweisungen, Stärke-Posen und Desinformationskampagnen weiter.

Der Atomsicherheitsgipfel in Den Haag wurde da fast zur Nebensache — dass die mehr als 50 teilnehmenden Staaten vereinbarten, etwa die Bestände hoch angereicherten Urans zu verringern und noch besser zu sichern, ging in der Nachrichtenflut zur Krim-Krise fast unter. Russlands Außenminister Sergej Lawrow, von seinem Staatschef Wladimir Putin als Stellvertreter nach Den Haag beordert, tat die Aussperrung leichthin ab: „Jetzt werden alle wichtigen Fragen in der G20 diskutiert“, also der Gruppe der 19 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer. Eine satte Retourkutsche aus Moskau mit der Aussage: Der Westen ist schon lange nicht mehr alleiniger Spielgestalter in der Weltpolitik.

Einen weiteren schweren Treffer im Ringen um die Gunst der Öffentlichkeit lieferte Moskau der im Weltnetz veröffentlichte Mitschnitt eines Telefonats zwischen Politik-Ikone Julia Timoschenko und ihrem Kollegen Nestor Schufritsch. Darin wütet die einstige „Gasprinzessin“ gegen die Russen und deren Präsidenten: Diesem „Drecksack“ würde sie am liebsten persönlich „in die Stirn schießen“, die Russen würde sie gern „fertig machen“ und deren Land zu „verbrannter Erde“, hieß es da.

Ein Dementi kam nicht wirklich. Timoschenko bestritt nur einen Teil des Telefonats, in dem sie mit den Worten zu hören war, man solle die russischstämmigen Einwohner in der Ukraine „mit Atomwaffen erledigen“. Das sei „eine Montage“, sie habe in Wahrheit gesagt, „die Russen in der Ukraine sind auch Ukrainer“. Das Telefonat als solches stellte sie allerdings nicht in Abrede, entschuldigte sich lediglich für die Wortwahl.

In der ukrainischen Führung liegen derweil die Nerven blank. Verteidigungsminister Igor Tenjuch trat nach Kritik an der Krim-Räumung zurück. Vitali Klitschko warf der Regierung Ineffektivität vor.

Und der radikale „Rechte Sektor“ schwor der Regierung Rache, nachdem die Polizei einen ihrer Anführer in der westukrainischen Stadt Rowno erschossen hatte.

Jenseits dieser Turbulenzen dürfte aber auch das Imponiergehabe aus Moskau nur die halbe Wahrheit darstellen. Die Krim-Krise erschwert Russland die Kapitalaufnahme, der Kreml sagte gestern die vierte Auktion von Staatsanleihen in Serie ab. Laut Finanzministerium wegen „unvorteilhafter Marktbedingungen“.

Die Sanktionsdrohungen lassen Putins Vizewirtschaftsminister Andrej Klepach laut „Financial Times“ zudem erwarten, dass im ersten Quartal 2014 bis zu 51 Milliarden Euro an Kapital aus Russland abfließen — mehr als im gesamten vergangenen Jahr. Wohl auch deshalb erklärte Putins Sprecher Dmitri Peskow, Moskau sei trotz des „kontraproduktiven“ G8-Ausschlusses weiter zur Zusammenarbeit auf allen Ebenen bereit. mw



OZ

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