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Radikal, laut, erfolgreich: Donald Trump

Washington Radikal, laut, erfolgreich: Donald Trump

Er hat beleidigt, gelogen und gehetzt: Donald Trump hat sich im US-Wahlkampf Dinge geleistet, die jeden anderen zu Fall gebracht hätten. Stattdessen steht er nun vor einem lange kaum für möglich gehaltenen Triumph.

Washington. Er will Amerika wieder groß machen. Und reich. Und das Militär „mächtig, unglaublich“. Alle haben ihn unterschätzt, kaum jemand nahm ihn wirklich ernst. Dann begann Donald John Trump zu siegen. Staat für Staat, Vorwahl für Vorwahl gewann er.

Nun scheint er tatsächlich am Ziel: Die Präsidentschaftskandidat der republikanischen Partei 2016 ist ihm faktisch nicht mehr zu nehmen.

Donald Trump ist Ex-Demokrat, Ex-Unabhängiger und Ex-Präsidentschaftsbewerber der Reform Party. Seit dem Sommer 2015 brüllt und holzt er als rechtskonservativer Populist. Damit hat er sehr viel mehr Erfolg als fast alle gedacht haben.

Groß ist gut, und Wohlstand ist Erfolg: So denkt Trump. Sich selbst hat der Mann mit der berühmten blonden Föhnfrisur als Immobilienmogul und TV-Reality-Star mit einem gewaltigen Firmenimperium zum Multimilliardär gemacht.

„The Donald“ war noch nie für Bescheidenheit oder sprachliche Finesse bekannt. Großspurigkeit ist sein Markenzeichen, aber das stört weder ihn noch seine Anhänger. Sie sichert ihm die Aufmerksamkeit der amerikanischen Medien, die er braucht und die seine Wahlkampagne seit Monaten bestens nährt.

Nicht nur US-Medien, auch ausländische Beobachter schwanken zwischen Fassungslosigkeit und Faszination. Sie halten Trumps Radikalität für gefährlich, hinterfragen aber lange nicht immer in der nötigen Tiefe.

Trump sei größenwahnsinnig, heißt es in vielen Kommentaren. Ein Napoleon. Der Putin Amerikas. Ein Clown. Vulgär. Grell. Aber kein Sender will an ihm vorbei. Trump kann machen, was er will, alles wird live übertragen, kein Kandidat bekommt mehr Aufmerksamkeit. Er ist auf allen Kanälen, dazu twittert er noch wie kein Zweiter. Kritik perlt an ihm ab, berührt ihn nicht, er keilt unbeirrt zurück.

Nur wenn ihm jemand ins Gesicht sagt, was er von ihm hält, zeigt er sich erstaunlich dünnhäutig. Er gilt als nachtragend, leicht beleidigt, Gegner sagen ihm ein kindisches Gemüt nach.

Neben der eigenen Großartigkeit ist in diesem Wahlkampf die Einwanderung Trumps Lieblingsthema. Er will eine wirklich „schöne Mauer“ an der Grenze zu Mexiko bauen lassen, um illegale Einwanderer fernzuhalten. Bezahlen soll sie Mexiko.

Trotz aller harschen Urteile spricht niemand Trump ab, dass er einen scharfen Verstand und unternehmerische Gewitztheit besitzt. Seine Karriere spreche für sich, heißt es. Trump stuft sich als „wirklich klugen Menschen“ ein. Und außerdem sei ja für alle sichtbar: „Ich sehe gut aus.“

Zu Wahlkampfstopps fliegt er mit seinem eigenen Trump-Flugzeug ein, das beeindruckt viele potenzielle Wähler. Er sagt: „Alle lieben mich.“ Originalton: „Ich werde der beste Präsident in Sachen Arbeitsplätze sein, den Gott erschaffen hat.“

Geboren wird Trump am 14. Juni 1946 in New York als viertes von fünf Kindern der Eheleute Frederick und Mary Trump. Ihnen schickt er Jahrzehnte später nach praktisch jedem Vorwahlsieg einen Gruß in den Himmel, so auch wieder in Indiana.

Donald muss ein selbstbewusster Junge gewesen sein, nicht leicht zu zähmen. So schicken ihn die Eltern mit 13 auf eine Militärakademie. Dort schneidet er gut ab, er studiert an den Unis von Fordham und Pennsylvania und macht seinen Wirtschaftsabschluss - allerdings keineswegs so glänzend, wie Trump immer behauptet.

Vater Fred, Sohn deutscher Einwanderer, verdiente selbst in der Baubranche Millionen. Donald steigt nach dem Studium ins Geschäft ein. 1974 wird er Präsident des Unternehmens, gibt ihm den Namen Trump Organization. Es folgen Investitionen in diverse Hotels, Casinos und Gebäude mit Luxus-Apartments.

Zusätzlich reich machen Trump Rechte an Miss-Wahlen sowie seine Rolle in der TV-Reality-Show „The Apprentice“, aus der später die Serie „The Celebrity Apprentice“ erwächst, dazu kommen mehrere Biografien, eigene Möbel- und Modemarken.

Längst nicht alles läuft glatt. In vier Fällen muss Trump Insolvenz anmelden, kann jedoch jedes Mal erfolgreich umstrukturieren. Das Magazin „Forbes“ siedelte sein Vermögen bei vier Milliarden Dollar an, Bloomberg bei 2,9 Milliarden - Trump selbst bei zehn.

Dreimal verheiratet, sorgen Trumps Ehen mit glamourösen Frauen und zwei Scheidungen für Schlagzeilen. 1977 heiratet er das tschechische Model Ivana Zelnickova. Mit ihr hat er drei Kinder, darunter Ivanka, heute Ex-Model, Geschäftsfrau und eine seiner wichtigsten Beraterinnen. 1993 ehelicht er die Schauspielerin Marla Maples. 1997 geht auch diese Verbindung in die Brüche.

Ehefrau Nummer 3 wird 2005 das Model Melania Knauss. Mit Maples und Knauss hat Trump zwei weitere Sprösslinge.

Als er Melania vor den Traualtar führt, gehört Hillary Clinton zu den Gästen, heute als demokratische Präsidentschaftsbewerberin erbittert von ihm angefeindet. Dies ist ein Beispiel dafür, wie Trump seine Meinungen immer wieder krass ändert, oft um 180 Grad. Ihm wird reinster Opportunismus vorgehalten.

Ob bei Abtreibung, Steuern, Gesundheitsreform oder Waffengesetzen - oft klang Trump eher wie ein Liberaler. Und nicht wie der Erzkonservative, den er heute so laut und heftig gibt. Das polternde Auftreten, mit dem er nun so erfolgreich ist, trägt ihn wohl bis zur Kandidatur für das Weiße Haus. Auch wenn seine Umfragewerte im direkten Vergleich mit der wahrscheinlichen Konkurrentin Clinton miserabel sind: Unterschätzen wird ihn nun wohl niemand mehr.

dpa

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