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Razzia in Berlin: Druck auf Radikale in Deutschland wächst

Berlin/Brüssel Razzia in Berlin: Druck auf Radikale in Deutschland wächst

Polizei nahm bei Großeinsatz zwei terrorverdächtige Islamisten fest. Behörden in Belgien riefen zweithöchste Terrorwarnstufe aus. In Frankreich gab es weitere Verhaftungen.

Berlin. Eine Woche nach den Terrormorden in Paris gehen auch in Deutschland und Belgien die Sicherheitsbehörden gegen gewaltbereite Islamisten vor. In Berlin wurden zwei Terrorverdächtige gefasst. In Belgien stellte sich heraus, dass mit dem Anti-Terroreinsatz am Donnerstag in der ostbelgischen Stadt Verviers ein größerer Anschlag auf die Polizei verhindert werden konnte.

In Berlin  nahm die Polizei bei einem Großeinsatz gegen gewaltbereite Islamisten zwei Türken fest. Sie sollen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) unterstützt und eine schwere staatsgefährdende Gewalttat in Syrien vorbereitet haben, wie Staatsanwaltschaft und Polizei mitteilten. Für Anschlagspläne in Deutschland gebe es keine Anhaltspunkte, sagte ein Polizeisprecher. Und: „Es gibt keinen Zusammenhang mit den Anschlägen in Frankreich.“

Die 41 und 43 Jahre alten Verdächtigen waren nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft Kern einer Logistikzelle für terroristische Aktivitäten und ließen eine ideologische Nähe zu Extremistenorganisationen wie dem Islamischen Staat (IS) erkennen. Sie sollen Kämpfer rekrutiert, fanatisiert und bei der Ausreise nach Syrien unterstützt haben, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner. Die Gruppe, zu der drei weitere Männer mit „untergeordneter Tatbeteiligung“ gerechnet werden, soll auch Nachtsichtgeräte, Geld und Flugtickets besorgt haben. Die anderen drei Verdächtigen, ebenfalls in Berlin lebende Türken, blieben auf freiem Fuß.

Bei dem Einsatz mit 250 Beamten, darunter drei Spezialeinsatzkommandos, wurden gestern Morgen elf Wohnungen durchsucht. Einer der Verhafteten, Ismet D. (41), wollte laut Polizei unmittelbar ausreisen, vermutlich ins türkisch-syrische Grenzgebiet.

Gegen den am Donnerstag in Wolfsburg unter Terrorverdacht festgenommenen Syrien-Heimkehrer erließ der Bundesgerichtshof Haftbefehl. Der 26-Jährige habe sich den IS-Kämpfern angeschlossen, teilte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mit.

In Belgien planten mutmaßliche Dschihadisten mit schweren Waffen und Sprengstoff einen größeren Anschlag auf die Polizei. Neben zwei am Donnerstagabend in der Stadt Verviers bei einem Anti-Terroreinsatz Getöteten gehörten mindestens 13 Verdächtige zu der gesprengten Terrorzelle, teilte die Staatsanwaltschaft in Brüssel mit. „Diese Gruppe wollte Polizisten töten“, sagte Staatsanwaltschaft Eric van der Sypt. Mehrere Mitglieder seien aus dem Syrienkrieg zurückgekehrt.

Insgesamt nahmen die Beamten in Verviers, Brüssel und Umgebung 13 Personen fest. Der Staatsanwalt sprach von zwölf Hausdurchsuchungen. In Verviers fanden die Beamten unter anderem Sturmgewehre, Munition, Sprengstoffe, Sprechfunkgeräte und Polizeiuniformen. „Der Einsatz diente dazu, eine Terrorzelle und ihr logistisches Netzwerk zu zerschlagen“, sagte der Staatsanwalt.

Verbindungen zu den Anschlägen in Frankreich gebe es auf den ersten Blick nicht.

Die Behörden riefen für Belgien die zweithöchste Terrorwarnstufe für das ganze Land aus. Polizeiwachen wurden verbarrikadiert; die jüdischen Schulen in Brüssel und Antwerpen blieben geschlossen.

In Frankreich nahmen Ermittler im Zusammenhang mit der Terrorwelle der Vorwoche weitere zwölf Menschen fest. Laut Innenminister Bernard Cazeneuve stammen sie aus dem Großraum Paris und sind mehrheitlich polizeibekannt.

Die Verdächtigen sollten wegen möglicher Verbindungen zu den drei Attentätern verhört werden, hieß es. Es gehe vor allem um die Frage, ob sie den Terroristen Waffen oder Fahrzeuge organisiert und damit die Anschläge auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“, einen koscheren Supermarkt und eine Polizistin unterstützt haben.

 



OZ

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