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Reform könnte Erdogan Macht bis 2034 sichern

Artikel 11 Reform könnte Erdogan Macht bis 2034 sichern

Das Parlament in Ankara berät über ein Präsidialsystem, von dem Staatschef Erdogan sagt, es sei nicht auf ihn ausgerichtet. Eine der vorgeschlagenen Verfassungsänderungen könnte es ihm aber unter Umständen ermöglichen, noch mehr als 17 Jahre lang zu regieren.

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Die Verfassung sieht für den Präsidenten Amtszeiten von je fünf Jahren vor. Erdogan hat erst kürzlich betont, dass die Verfassungsreform nicht auf ihn persönlich zugeschnitten sei.

Quelle: Murat Cetinmuhurdar

Ankara. Nach der derzeit im türkischen Parlament debattierten Verfassungsreform könnte Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan womöglich bis zum Jahr 2034 an der Macht bleiben. Zwar sollen die Amtszeiten auch in dem geplanten Präsidialsystem auf zwei begrenzt sein.

In Artikel 11 der vorgeschlagenen Änderungen heißt es aber: „Sollte das Parlament in der zweiten Amtsperiode des Präsidenten Neuwahlen beschließen, kann der Präsident noch einmal kandidieren.“

Der Abgeordnete und Jurist Sezgin Tanrikulu von der größten Oppositionspartei CHP kritisierte am Freitag: „Der Artikel 11 wurde für einen Anführer entworfen, der permanent an der Macht bleiben will.“ Tanrikulu sagte der Deutschen Presse-Agentur, mit dieser Änderung könne „dieselbe Person 15 Jahre und sogar noch länger die Funktion des Präsidenten ausüben“.

Die Verfassung sieht für den Präsidenten Amtszeiten von je fünf Jahren vor. Erdogan, der Ende Februar 63 Jahre alt wird, betonte am Donnerstag, dass die Verfassungsreform nicht auf ihn persönlich ausgerichtet sei.

Nach den vorgeschlagenen Änderungen soll das Parlament künftig mit einer Dreifünftelmehrheit Neuwahlen veranlassen können. Neu gewählt würden dann sowohl das Parlament als auch der Präsident. Zudem soll der Präsident künftig einer Partei angehören dürfen. Erwartet wird, dass Erdogan dann wieder Vorsitzender der Regierungspartei AKP wird - mit entsprechend großem Einfluss auf das Parlament.

Sollte die Verfassungsreform vom Parlament verabschiedet werden und in einem im Frühjahr geplanten Referendum eine Mehrheit erhalten, sollen am 3. November 2019 erstmals Präsidenten- und Parlamentswahlen gemeinsam stattfinden. Um bis 2035 an der Macht zu bleiben, müsste Erdogan die Wahlen 2019 und 2024 gewinnen. Vor dem Wahltermin 2029 müsste das Parlament dann Neuwahlen ausrufen, bei denen Erdogan erneut eine Mehrheit auf sich vereinen müsste.

Voraussetzung wäre außerdem, dass Erdogans derzeitige Amtsperiode aus dem alten System vor der Reform nicht angerechnet würde. Der CHP-Abgeordnete Tanrikulu sagte, mit dem neuen Präsidialsystem beginne eine neue Zählung der Amtsperioden. Auch der unabhängige Verfassungsrechtler Prof. Ersan Sen sagte der dpa, die Amtsperioden würden mit Beginn des Präsidialsystems neu gezählt.

Tanrikulu sagte, seine Partei lehne die gesamte „despotische“ Reform ab. „Als CHP sind wir auf jeden Fall gegen diese Verfassungsänderung, die eine autoritäre und totalitäre Regierungsform anstrebt. Und wir tun alles, was in unserer Macht steht, um zu verhindern, dass diese Änderung Gesetzeskraft erlangt.“

Das Parlament in Ankara debattiert derzeit insgesamt über 18 Artikel für Verfassungsänderungen. Jeder davon muss in zwei Abstimmungen eine Dreifünftelmehrheit erhalten. Schließlich müssen erneut mindestens 330 der 550 Abgeordneten für die Reform stimmen, um das geplante Referendum zu ermöglichen.

dpa

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Für die von Erdogan angestrebte Volksabstimmung über das Präsidialsystem müssen mindestens 330 der 550 Abgeordneten für die Reform stimmen.

Seit bald zweieinhalb Jahren ist Erdogan Staatschef. Seitdem setzt er sich mit aller Kraft für ein Präsidialsystem in der Türkei ein, das ihn selber mit deutlich mehr Macht ausstaaten würde. Nun debattiert das Parlament darüber - das selber viel Einfluss verlieren würde.

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