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Rennen um Cameron-Nachfolge in Großbritannien läuft an

London Rennen um Cameron-Nachfolge in Großbritannien läuft an

Er werde auf jeden Fall im Amt bleiben, hat David Cameron vor dem Brexit-Referendum stets beteuert. Daraus wurde nichts. Wer ihm nachfolgt, wird auch für Brüssel wichtig sein.

London. Nach der Rücktrittsankündigung des britischen Premierministers David Cameron bringen sich mögliche Nachfolger in Stellung. Als Favoriten gesetzt gelten Londons Ex-Bürgermeister Boris Johnson, der für den Brexit war, und Innenministerin Theresa May.

Berichten zufolge werben beide bereits seit dem Wochenende unter den konservativen Abgeordneten um Unterstützung.

Gesundheitsminister Jeremy Hunt sagte am Dienstag, er ziehe eine Bewerbung „ernsthaft in Betracht“. Der nächste Premier soll die Verhandlungen mit der EU über den Austritt Großbritanniens aufnehmen.

Formell kandidieren für die Tory-Parteispitze und damit auch das Amt des Premierministers können die Politiker voraussichtlich ab Mittwoch, wenn der Zeitplan des Auswahlverfahrens festgelegt ist. Daraus wählen die Tory-Abgeordneten zwei Kandidaten aus, zwischen denen bis zum Herbst die Parteibasis wählen darf.

In der Gunst der Tory-Wähler liegt einer YouGov-Umfrage vom Dienstag zufolge May vorn. Sie war gegen den Brexit. Die Frage, ob Großbritannien in der EU bleiben soll, hat die Konservativen tief gespalten.

Finanzminister George Osborne, lange Zeit einer der Favoriten auf die Nachfolge Camerons, will sich nicht bewerben. „Ich bin nicht die Person, die die Einigkeit bieten kann, die meine Partei braucht“, schrieb der Politiker in einem Gastbeitrag für die „Times“. Er sei aus dem EU-Referendum als „kontroverse Person“ hervorgegangen. Osborne hatte für den Verbleib in der EU geworben, die Briten stimmten aber mit 52 Prozent für den Brexit.

Auch in der britischen Opposition brodelt es. Am Nachmittag sollte das Ergebnis eines Misstrauensvotums gegen Labour-Chef Jeremy Corbyn bekannt werden. Zwei Drittel seines Schattenkabinetts waren in den vergangenen Tagen zurückgetreten. Sie werfen Corbyn vor, nicht entschieden genug für die EU geworben zu haben und trauen ihm nicht zu, Labour in möglichen Neuwahlen zu einem Sieg zu führen.

Corbyn selbst hat angekündigt, nicht zurücktreten zu wollen, und im Falle einer Neuwahl des Parteichefs wieder zu kandidieren. Er genießt breite Unterstützung an der Parteibasis, die ihn auch ins Amt gewählt hat. In der Fraktion dagegen hat Corbyn wenig Verbündete.

Die Schotten beschäftigten sich am Dienstag weiter mit der Frage, wie sie die Verbindung zur EU erhalten können. Die Chefin der Regionalregierung, Nicola Sturgeon, sollte am Nachmittag bei der ersten Sitzung des Parlaments in Edinburgh sprechen. Sie hatte zuletzt Vorbereitungen für ein zweites Referendum über Schottlands Unabhängigkeit angekündigt. Im Herbst 2014 hatten 55 Prozent der Schotten dafür gestimmt, Teil des Vereinigten Königreichs zu bleiben.

dpa

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