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SPD bekommt 118 Bewerbungen für Bundestagskandidatur

Qual der Wahl SPD bekommt 118 Bewerbungen für Bundestagskandidatur

Die SPD in der abgelegenen Eifel sucht auf ungewöhnliche Weise einen Kandidaten für die Bundestagswahl. Bisher mit Erfolg: Mehr als 100 Interessenten haben sich auf eine Stellenanzeige gemeldet. Was nun?

Bitburg. Es ist eine ungewöhnliche Aktion: Die SPD im Eifel-Wahlkreis hat die Bundestagskandidatur per Stellenanzeige ausgeschrieben - und nun 118 Bewerbungen aus ganz Deutschland bekommen.

„Diese hohe Zahl hat uns überrascht“, sagte der SPD-Kreisvorsitzende Nico Steinbach. Auch Nichtmitglieder, die sich mit den Werten der SPD identifizieren, konnten sich in den vergangenen knapp drei Monaten bewerben.

Steinbach bedauerte nach eigenen Worten nur, dass der Frauenanteil bei weniger als einem Viertel liegt. Positiv sei, dass lediglich etwa fünf „Klamauk-Bewerbungen“ eingegangen seien. Die Altersspanne der Bewerber reiche von rund 20 bis etwa 70 Jahre. „Vom Ingenieur bis zum Professor, vom Kaufmann bis zum Studenten ist alles dabei“, erklärte der Landtagsabgeordnete. Bei vielen sei natürlich ein politischer Hintergrund zu erkennen.

Mit zehn ausgewählten Bewerbern will die SPD laut Steinbach in zwei Wochen Gespräche führen. Am Schluss könnten ein, zwei oder drei Favoriten übrig bleiben, bis bei einer SPD-Wahlkreiskonferenz am 25. November die endgültige Entscheidung falle.

Die Eifel um Bitburg ist bei Bundestagswahlen traditionell eine Hochburg der CDU. Allerdings konnte hier bei der rheinland-pfälzischen Landtagswahl im März der SPD-Kandidat Steinbach dem altgedienten CDU-Abgeordneten Michael Billen das Direktmandat abjagen. Bei der Bundestagswahl 2017 will sich der rheinland-pfälzische CDU-Generalsekretär Patrick Schnieder im Wahlkreis Bitburg der Wiederwahl als Bundestagsabgeordneter stellen.

Wie sind die Reaktionen auf die ungewöhnliche SPD-Kandidatensuche? „Kritik kam nur durch die Blume von politischen Mitbewerbern“, sagte der SPD-Kreisvorsitzende Steinbach. „Aber von der Bevölkerung wird das positiv aufgenommen, weil sich unsere Partei öffnet und die Möglichkeit zur Mitwirkung gibt.“ Der Christdemokrat Schnieder erklärte, er wolle sich am 7. Oktober bei einer CDU-Versammlung wieder zum Kandidaten nominieren lassen. „Alles andere interessiert mich nicht“, ergänzte er mit Blick auf die SPD-Kandidatenkür.

Der Mainzer Politologe Jürgen Falter sagte: „Einerseits gibt es ein armseliges Bild ab, wenn es einer großen Partei wie der SPD nicht gelingt, einen Kandidaten in den eigenen Reihen zu finden oder von außerhalb einen geeigneten Bewerber erfolgreich anzusprechen.“ Das bestätige, dass sich abseits der Ballungsräume nicht immer genügend Bürger politisch engagieren wollten. Andererseits habe die SPD mit ihrem „Marketing-Gag“ enorme Aufmerksamkeit erregt. Auch wenn unter den Bewerbern sehr viele ohne Eignung oder mit falschen Vorstellungen sein dürften, „könne die SPD so vielleicht jemanden finden, auf den sie sonst nicht käme und der für sie ein Gewinn wäre“.

dpa

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