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Sanders stiehlt Clinton beim Parteitag die Auftaktshow

Philadelphia Sanders stiehlt Clinton beim Parteitag die Auftaktshow

Der Parteitag der US-Demokraten steht zum Auftakt auf der Kippe. Als Bernie Sanders in die Versöhner-Rolle schlüpft und Michelle Obama das Eis bricht, scheint sich die Partei hinter Hillary Clinton zu vereinen.

Philadelphia. Am Tag vor der offiziellen Nominierung Hillary Clintons zur ersten Frau als Präsidentschaftskandidatin der USA haben die US-Demokraten mühsam ihre Einigkeit gefunden.

Mit eindringlichen Aufrufen retteten Clintons parteiinterner Rivale Bernie Sanders und First Lady Michelle Obama den Auftakt zum Nominierungsparteitag.

Zuvor hatten wütende Sanders-Anhänger mit Buhrufen und „Bernie“-Rufen um ein Haar für einen Eklat unter den mehr als 4700 Delegierten gesorgt.

Clinton soll am Abend (Ortszeit) offiziell zur Kandidatin nominiert werden. Vor dem Auftakt zum viertägigen Konvents hatte es erhebliche interne Verwerfungen zwischen der Parteiführung und dem Lager des bei den Vorwahlen unterlegenen Bewerbers Sanders gegeben. Dies führte schließlich auch zum Rücktritt von Parteichefin Debbie Wasserman Schultz, einer Clinton-Vertrauten. Zudem zeigten neue Meinungsumfragen, dass Clinton im Vergleich zu ihrem Republikaner-Kontrahenten Donald Trump an Boden verloren hat.

Umjubelt von Tausenden Delegierten, gab sich Sanders in Philadelphia als Versöhner. Dabei steckte er die Marschrichtung ab, um eine Regierung unter Donald Trump zu verhindern: „Hillary Clinton muss die nächste Präsidentin der Vereinigten Staaten werden.“ Aus seiner Anhängerschaft kamen einzelne Buhrufe, manche hatten Tränen in den Augen. Er stimme mit Clinton nicht in allem überein und sei selbst am enttäuschtesten über den Ausgang der Vorwahlen. Trump sei aber der schlimmste Kandidat in der modernen Geschichte der USA.

Bereits bei einem anderen Auftritt an diesem Tag hatte Sanders vor Hunderten von Anhängern den Fokus auf den gemeinsamen Gegner gerichtet: „Wir müssen Donald Trump schlagen, und wir müssen Hillary Clinton wählen.“ Viele Sanders-Wähler haben angekündigt, nicht für Clinton stimmen zu wollen, die sie als Kandidatin des Establishment sehen.

Die Rede des 74-Jährigen hatte die Parteitagsregie kurzfristig als Schluss- und Höhepunkt des ersten Tages von Philadelphia geplant. Michelle Obama musste nach vorne rücken. Dennoch lieferte die First Lady einen flammenden und später hochgelobten Appell für die frühere Außenministerin ihres Mannes als nächste Präsidentin der USA. „Wegen Hillary Clinton nehmen es meine Töchter als gegeben an, dass eine Frau Präsidentin der Vereinigten Staaten werden kann“, sagte Obama. „In diesem Wahlkampf bin ich bei Hillary Clinton“, rief sie zur Begeisterung der mehr als 4700 Delegierten. 

Obamas Rede wurde von Kommentatoren in den USA als bisher bester Beitrag gewertet, der bei den Parteitagen sowohl von Republikanern als auch Demokraten geleistet wurde. „Ich wache jeden Morgen in einem Haus auf, das von Sklaven errichtet wurde“, hatte die Ehefrau des ersten schwarzen Präsidenten der USA ins Publikum gerufen. Zuvor hatte auch schon Senator Cory Booker mit einem emotionalen Pamphlet für das Festhalten an den Werten der USA für Gänsehaut bei den Delegierten geführt.

Der Parteitag in Philadelphia drohte zu seinem Beginn die Gräben zwischen den Lagern von Clinton und Sanders zu vertiefen. Die Sanders-Anhänger sind unzufrieden, weil sie sich von der Parteiführung betrogen und benachteiligt fühlen. Eine E-Mail-Affäre, die kurz vor dem Parteitag von der Plattform Wikileaks enthüllt wurde, schürte die Stimmung weiter.

Die verbliebene Parteiführung entschuldigte sich in einem Statement offiziell bei Sanders. „Im Namen Aller im Nationalen Komitee der Demokraten möchten wir eine tiefgreifende und aufrichtige Entschuldigung anbieten, an Bernie Sanders, seine Anhänger und die gesamte demokratische Partei, für die unentschuldbaren Bemerkungen in E-Mails“, hieß es in der Mitteilung. 

Sanders hatte sich im Wahlkampf für Themen wie einen Mindestlohn von 15 Dollar, für den Kampf gegen Klimawandel und gegen das Diktat der Finanzbranche eingesetzt und die Demokraten damit inhaltlich nach links gerückt. „Wir haben gemeinsam bei weitem das progressivste Parteiprogramm in der Geschichte produziert“, sagte Sanders.

dpa

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