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„Schnaps und Frauen“-Spruch bringt Eurogruppenchef Ärger

Scharfe Kritik an Dijsselbloem „Schnaps und Frauen“-Spruch bringt Eurogruppenchef Ärger

„Bitterböse Beleidigung“, „dumm“, „rassistisch“? Eurogruppenchef Dijsselbloem empört mit einem klischeebelasteten Vergleich südeuropäische Länder. Manch einer erkennt darin allerdings schlicht Neid auf „La Dolce Vita“ und lacht über die Trübsal im Norden.

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Kennt sich offenbar mit Schnaps und Frauen aus: Der niederländische Finanzminister und Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem.

Quelle: Olivier Hoslet

Rom/Brüssel. Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem hat mit einer abfälligen Bemerkung in südeuropäischen Ländern einen Sturm der Entrüstung und Rücktrittsforderungen ausgelöst.

Der Niederländer hatte in einem Interview der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zur Hilfe für EU-Krisenländer gesagt: „Als Sozialdemokrat halte ich Solidarität für äußerst wichtig. Aber wer sie einfordert, hat auch Pflichten. Ich kann nicht mein ganzes Geld für Schnaps und Frauen ausgeben und anschließend Sie um Ihre Unterstützung bitten.“

Selbst EU-Kommissarin Margrethe Vestager ging auf Distanz. „Ich hätte das nicht gesagt und ich halte es für falsch“, sagte sie in Brüssel.

Italiens ehemaliger Premierminister Matteo Renzi forderte den Rücktritt Dijsselbloems. „Leute wie Dijsselbloem (...) verdienen nicht die Rolle, die sie einnehmen“, schrieb er auf Facebook. Je eher er zurücktrete, desto besser sei es. Die Bemerkung des 50 Jahre alten Eurogruppenchefs nannte er „dumm“.

Spanische Politiker bezeichneten die Aussage als „rassistisch und machohaft“. Der Sprecher der griechischen Regierung sagte, die Aussage vertiefe den Graben zwischen Nord- und Südeuropa weiter. Auch die Grünen im EU-Parlament sprachen von einer „bitterbösen Beleidigung“, die die EU spalte. Und Ex-EU-Kommissionspräsident Romano Prodi scherzte, er könne ein wenig Neid in Dijsselbloems Zitat erkennen.

Dijsselbloem wies die Kritik zurück. Er habe allgemein über die Solidarität in der Eurozone gesprochen und nicht bestimmte Länder kritisiert, sagte ein Sprecher des niederländischen Finanzministers in Den Haag. Im Europäischen Parlament hatte Dijsselbloem bereits Forderungen nach einer Entschuldigung zurückgewiesen.

Die Bundesregierung hielt sich mit Kommentaren zurück. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) schätze die Arbeit Dijsselbloems als Chef der Eurogruppe sehr, sagte eine Sprecherin in Berlin. Es werde auch für die nächsten Treffen von einem „voll handlungsfähigen“ Eurogruppenvorsitz ausgegangen. Auch Regierungssprecher Steffen Seibert wollte sich nicht konkret äußern. Er kenne das Interview nicht im Wortlaut und nicht in der vollen Fassung, sagte er.

Doch andernorts rollte der Proteststurm weiter: Der Fraktionsvorsitzende der Sozialisten im Europaparlament, der Italiener Gianni Pittella, nannte die Aussagen beschämend. „Ich frage mich wirklich, ob eine Person mit dieser Überzeugung immer noch für fähig gehalten wird, das Amt des Eurogruppenchefs auszuüben.“

Manfred Weber, Vizechef der CSU und Fraktionschef der Europäischen Volkspartei (EVP) im Europaparlament, twitterte: „In der Eurozone geht es um Verantwortung, Solidarität aber auch um Respekt. Kein Platz für Stereotype.“ Spaniens Wirtschaftsminister Luis de Guindos sagte, er sei sich sicher, dass Dijsselbloem seine Worte bereue. De Guindos gilt als möglicher Kandidat für die Nachfolge Dijsselbloems.

Der niederländische Finanzminister ist bis Januar 2018 als Eurogruppenchef gewählt. Weil seine sozialdemokratische Partei bei der Parlamentswahl in den Niederlanden eine heftige Niederlage erlitt, wird er wohl einer künftigen Regierung nicht mehr angehören. Zumindest übergangsweise will er dennoch an der Spitze der Eurogruppe bleiben. Bei einer Sitzung des Gremiums am Montag hatten ihn Kollegen noch überschwänglich gelobt, auch Bundesfinanzminister Schäuble.

In Griechenland nahmen viele Menschen die Aussagen mit Humor. Dieser Mann kenne einfach keinen Spaß, hieß es in Sozialen Netzwerken. „Sein ganzes Leben ist ein einziger verregneter griechischer Dienstagabend!“ Oder auch: „Sorry, dass wir stattdessen nicht in Kartoffelschäler investiert haben“ und noch dazu: „Nicht nur Alkohol und Frauen - ich hab auch Drogen gekauft!“

dpa

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