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Schwenkt die Union auf Steinmeier um?

Präsidenten-Poker Schwenkt die Union auf Steinmeier um?

Der Präsidenten-Ball liegt im Feld der Union - und das nicht erst seit gestern. Merkel und Seehofer müssen sich entscheiden. Die SPD beharrt auf Steinmeier. Schlagen CDU und CSU in letzter Minute zurück?

Berlin. Heute sollen die Deutschen erfahren, wie es bei der Nachfolge von Bundespräsident Joachim Gauck weitergeht. Im Februar wird ein neues Staatsoberhaupt gewählt. Die SPD beharrt auf Außenminister Frank-Walter Steinmeier.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer fahnden wohl bis zuletzt nach einem prominenten Unions-Gegenkandidaten, sonst könnte es der Sozialdemokrat werden. Ein schwarz-roter Kompromiss wird nach der abgebrochenen Spitzenrunde am Sonntag nicht mehr wirklich erwartet.    

Wen könnte die Union noch aus dem Hut zaubern?

Es kursieren seit Wochen mehrere Namen. Etwa von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Oder von der saarländischen Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU). Sie allerdings hat eine Landtagswahl vor sich. Auch der Grünen-Politiker und baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann wird genannt, obwohl die CSU früh klar gemacht hat, dass sie kein schwarz-grünes Signal will. So müsste es jetzt eher ein ganz neues Gesicht geben. Wer das sein könnte scheint offen.

Warum könnten Merkel und Seehofer Steinmeier mittragen?

CDU und CSU haben bislang noch keinen Kandidaten gefunden, der Steinmeiers Kaliber hat - und auch noch antreten will. So verzichtete etwa Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU). Von der Leyen soll - so heißt es - keine Lust darauf haben, das Risiko einzugehen, gegen Steinmeier im dritten Wahlgang zu verlieren. Bevor also Merkel und Seehofer einen Bewerber mit hohem Risiko in das Rennen schicken, könnten sie lieber den Außenminister unterstützen.

Was wäre das für ein Signal?

Zwar hat die CSU einen eigenen Unionskandidaten gefordert, weil CDU und CSU am meisten Wahlleute in der Bundesversammlung haben. Aber es wäre nicht ehrenrührig, den anerkannten Außenminister mitzutragen. Im Gegenteil. Die Union könnte sich als versöhnende Kraft präsentieren. Das Bild von zwei Schwesterparteien vermitteln, die in der Lage sind selbst zurückzustecken, um das Land in ruhigem Fahrwasser zu halten. So ganz anders, als es gerade in den USA passiert.

Was steht für Merkel auf dem Spiel?

Beim Präsidentenmachen hat sie kein gutes Händchen. Horst Köhler agierte solide, bis er beleidigt das Amt hinwarf. Christian Wulff trat nach einer Kredit- und Medienaffäre zurück. Den heutigen Amtsinhaber Gauck wollte Merkel verhindern, doch die FDP trickste die Kanzlerin aus. Und dieses Mal ist es SPD-Chef Gabriel gelungen, Merkel in die Defensive zu bringen. 

Wer wird Außenminister, falls Steinmeier ins Schloss Bellevue umzieht?

Über die Nachfolge entscheidet die SPD. Ein Name fällt immer wieder: Martin Schulz. Er ist in Europa bekannt wie ein bunter Hund. Nicht nur, weil er einst mit Italiens Ex-Premier Silvio Berlusconi im Clinch lag. Als EU-Parlamentspräsident versucht Schulz, Europa zusammenzuhalten. Seine Amtszeit endet im Januar. Offen ist, ob der frühere Buchhändler aus Würselen bei Aachen den Job weiter machen darf. Einem Ruf ins Bundeskabinett würde er sich wohl kaum entziehen. Viele in der SPD, die Gabriel kritisch sehen, wünschen sich Schulz auch als Kanzlerkandidaten.

Wie agiert Gabriel im Präsidentenpoker?

Gabriel muss sich in der eigenen Partei oft vorhalten lassen, er sei zu sprunghaft oder stelle die SPD mit Alleingängen vor vollendete Tatsachen. Wie vor drei Wochen: Per Interview hob er Steinmeier auf den Kandidatenschild. Ein riskantes Manöver, aber vielleicht ein erfolgreiches. Auch vor einer Kampfkandidatur müsste Umfragenkönig Steinmeier in der Bundesversammlung nicht bange sein - viele Grüne, Linke und Liberalen schätzen ihn. Steinmeier im Schloss Bellevue - das wäre für Gabriel ein großer Erfolg und würde ihm Rückenwind für eine Kanzlerkandidatur geben. Viel einbringen dürfte es der SPD indes nicht: Die FDP flog trotz ihres Gauck-Coups 2011 zwei Jahre später aus dem Bundestag. 

dpa

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