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Politik Sebastian Kurz muss vom Warner zum Gestalter werden
Nachrichten Politik Sebastian Kurz muss vom Warner zum Gestalter werden
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19:15 15.10.2017
Im Wahlkampf trat Sebastian Kurz als einer auf, der weiß, wo es langgeht. Quelle: Robert Jaeger
Wien

Das Geheimnis seines Erfolgs ist seine Offenheit für Rat. „Das weiß ich nicht, da fragen wir unseren Experten“, räume der 31-jährige Sebastian Kurz im vertrauten Kreis gerne ein. Seine Mitarbeiter finden das toll.

„Das spricht eindeutig für ihn“, erzählte einer von ihnen dem Magazin „trend“. Ohne die Lebens- und Berufserfahrung der meisten anderen Spitzenpolitiker macht Kurz auch dank dieser Teamfähigkeit aus seinem jungen Alter eine Tugend: Fit und unverbraucht, mit Dynamik und schwindender Demut, hat er für viele Wähler glaubhaft den Eindruck vermittelt, die in Österreich ersehnten „neuen Wege“ gehen zu können. Nun dürfte er schon bald der jüngste Regierungschef in Europa sein.

Im Wahlkampf trat er als einer auf, der weiß, wo es langgeht; einer, der es wagte, speziell beim Flüchtlingsthema schon zu warnen, als fast alle anderen sich noch in Willkommenskultur übten. Seine Steile Karriere wäre ohne die Migrationskrise kaum denkbar gewesen. Auch in Deutschland ist der smarte Außenminister des Nachbarlandes bekannt wie kaum ein anderer österreichischer Politiker. Nicht zuletzt, weil er in Talkshows immer wieder auf Gegenkurs zur Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel ging.

Kurz kommt aus recht einfachen Verhältnissen. Seine Mutter ist Lehrerin, sein Vater Techniker. Als Einzelkind wuchs er im Wiener Arbeiterbezirk Meidling auf. Zu Schulzeiten teilte er das Klassenzimmer mit vielen Migranten, als dieses Wort noch nicht in aller Munde war. „Ich war mit Integrationsfragen früh konfrontiert“, sagte er in einem seiner ersten Interviews als Außenminister. Seine Eltern nahmen zeitweise Flüchtlinge aus Bosnien auf. In Meidling lebt der 31-jährige noch heute. Erst im Wahlkampf nahm er seine Freundin Susanne mehrfach mit ins Rampenlicht. Eigentlich ist das Privatleben weitgehend tabu. Er geht gerne zum Wandern und Klettern in die Berge, fährt Mountainbike und liest vorzugsweise Biografien.

Zu den Gags in seinen Wahlkampfreden zählte die Erinnerung an einen Telefonanruf in der ÖVP-Bezirksstelle in Meidling. Als 16-Jähriger bot er sich zur Mitarbeit an - und wurde abgewiesen. Das hat sich wenig später geändert. Die Konservativen formten den jungen Mann zu einem Hoffnungsträger. Mit 24 Jahren wurde Kurz Staatssekretär für Integration. Diese Zeit hat ihn geprägt. Er habe damals Hohn und Spott wegen seines Alters aushalten müssen. Er ließ teils prominente Integrations-Botschafter, darunter die TV-Moderatorin Arabella Kiesbauer, in Schulen für Eingliederung werben. „Integration durch Leistung“ war seine Überzeugung und sie ist es bis heute geblieben.

Manche Weggefährten von damals haben sich wegen seiner inzwischen ausgesprochen migrationskritischen Haltung von ihm abgewandt. Seinen Kritikern wirkt er oft zu glatt und oberflächlich. Im Wahlkampf wies er genauso konsequent wie letztlich ermüdend auf seine Rolle als Grenzwächter bei der Schließung der Balkanroute hin. Doch er kann mehr, als sein Leib-und-Magen-Thema bespielen. Die vielen TV-Debatten im Wahlkampf meisterte Kurz in seinen perfekt sitzenden Anzügen auch dann weitgehend souverän, wenn Wirtschafts- und Sozialfragen diskutiert wurden. Er will einen „schlanken Staat“ und ist dabei fast eher ein Liberaler als ein Konservativer.

Viele Österreicher bewundern den ausgesprochen höflich wirkenden jungen Mann Marke „perfekter Schwiegersohn“, der sein Jura-Studium bisher nicht abgeschlossen hat. Als er mit 27 Jahren Außenminister wurde, trat er auch im Kreis altgedienter Top-Diplomaten selbstsicher auf und vermied gekonnt diplomatische Fettnäpfchen. Kurz bevorzugt Economy-Plätze im Flieger, ohne daraus ein beifallheischendes Thema zu machen. Sein Auftreten schwankt zwischen Lässigkeit und Beherrschtheit. Sein Meisterstück war die Öffnung der ÖVP für politische Quereinsteiger, die in den Augen der Bürger aus der lahmen Partei eine flotte Bewegung fast wie bei Emmanuel Macron gemacht hat.

dpa

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