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Seehofer soll CSU-Wahlerfolge sichern

Alternativlose Vernunft Seehofer soll CSU-Wahlerfolge sichern

Auf Horst Seehofer folgt Horst Seehofer: weil er im ungleichen Team mit der Kanzlerin die Wahlchancen von CSU und Union maximieren soll. Und weil alles andere die CSU zerrissen hätte - derzeit jedenfalls.

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Was intern längst alle erwartet hatten, macht der 67-Jährige in einer Vorstandssitzung offiziell: Er will wieder antreten.

Quelle: Sven Hoppe/archiv

München. Wann will Horst Seehofer denn nun aufhören, wie lange will er sein Karriereende hinausschieben? Als die Frage kommt, lacht der 67-Jährige nur.

Endlich hat er nun offiziell angekündigt, dass er auch über 2018 hinaus als CSU-Chef und Ministerpräsident weitermachen will, hat sich dafür die einhellige Unterstützung des Parteivorstands geholt. Aber den gleichen Fehler wie vor fünf Jahren, einen Termin für seinen Ruhestand zu benennen, werde er nicht noch einmal machen, sagt Seehofer. Das habe für unnötige Unruhe gesoirgt. „Ich mache keine zeitangabe mehr“, sagt er. „Man lernt, auch in meinem Alter.“

Dass Seehofer entgegen seiner damaligen Ankündigung in beiden Ämtern weitermachen will, war intern längst erwartet worden. Er selbst aber sagt, das habe er erst am Wochenende entschieden. „Und da saßen nur meine Frau und ich.“ Er habe lang nicht mehr so viel Rotwein zusammen mit seiner Frau getrunken wie zuletzt, berichtete er in der Sitzung.

Seehofers neuerliche Doppel-Kandidatur wird in der CSU quer durch alle Lager begrüßt, von seinen glühenden Anhängern ebenso wie von seinen internen Kritikern. Letztlich ist es wie bei der CDU und Kanzlerin Angela Merkel: Man weiß, dass man mit dem Amtsinhaber die besten Wahlchancen hat. Viele trauen derzeit allein Seehofer zu, das Unions-Ergebnis bei der Bundestagswahl und den CSU-Einfluss in Berlin zu maximieren, und dann ein Jahr später die absolute Mehrheit in Bayern zu sichern. Tatsächlich sprechen Seehofers Zustimmungswerte in der Bevölkerung für sich - da kommt kein anderer CSU-Politiker ran.

Seehofer steht damit vor einem Berg von Herausforderungen: Er ist der Hauptverantwortliche für das CSU-Ergebnis bei der Bundestagswahl - auch wenn der bayerische Innenminister Joachim Herrmann auf dem Papier der Spitzenkandidat ist. Die Marschrichtung aber, die gibt Seehofer vor. Er ist es auch, der Angela Merkel monatelang unter Dauerfeuer genommen hatte - und seit Februar nun wieder kräftig um Unterstützung für die Kanzlerin wirbt. Eine gefährliche Strategie war das, glauben auch viele in der CSU. Seehofer sagte dazu intern bereits, wenn es schiefgehe, könne man ihn nach der Wahl „köpfen“.

Zudem wird von Seehofer erwartet, dass er konservative Wähler an die Union bindet und die AfD möglichst klein hält. Und nach der Wahl setzt die CSU-Basis darauf, dass Seeehofer die so oft versprochene Obergrenze für Flüchtlinge umsetzt. Die Chancen: nicht allzu groß.

Die für Seehofer und die CSU noch wichtigere Wahl folgt dann ein Jahr später: Einzige Messlatte für den alten, neuen Kandidaten ist es, ob er es schafft, die absolute CSU-Mehrheit zu verteidigen. Das allein zählt. Geht die Mission schief, dürfte es eng werden für Seehofer.

Und dann ist da noch die Sache mit Seehofers Nachfolge. Er selbst hatte ja einst vollmundig angekündigt, er werde der erste CSU-Chef in der Geschichte sein, dem ein geordnetener Übergang gelingen werde.

Aktuell hat Seehofer dieses Ziel verfehlt. Denn Fakt ist: Ein Abgang Seehofers zum jetzigen Zeitpunkt hätte die CSU in eine Zerreißprobe gestürzt. Es hätte ein veritabler Machtkampf gedroht, zwischen Finanzminister Markus Söder, dem seit langem aussichtsreichsten Nachfolgekandidaten, und dessen Kritikern. Eine verheerende Vorstellung aus CSU-Sicht, so nahe an den beiden so wichtigen Wahlen.

Auffällig ist: Seehofers neuerliche Kandidatur versetzt die CSU nicht in Euphorie und Jubelgeschrei - auch wenn es im Vorstand kräftigen Applaus gibt. Dass man sich nun hinter ihm schare, sei eine Vernunft-Entscheidung, keine Entscheidung mit glühendem Herzen, sagt einer. Zu groß sind etwa manche Verletzungen, die Seehofer den Seinen zugefügt hat, beispielsweise Teilen der eigenen Landtagsfraktion.

Es gibt deshalb auch zwei Zukunftsszenarien. Das eine geht so: Seehofer soll die CSU-Ergebnisse bei der Bundes- und der Landtagswahl maximieren. Dann aber soll er bitteschön in nicht allzu ferner Zukunft, jedenfalls in deutlichem Abstand zu darauffolgenden Wahlen, den Weg für seine Nachfolger frei machen. Der Dank der CSU und - je nach Ausgang der beiden so wichtigen Wahlen - auch ein glorreicher Abschied wären ihm gewiss. Seehofer könnte am Ende als erfolgreicher Parteichef und Ministerpräsident in die CSU-Annalen eingehen. Auch der Politkwissenschaftler Heinrich Oberreuter sagt, ein Nachfolger könne „rechtzeitig vor der Landtagswahl 2023 bestimmt werden“.

Die anderen, Seehofers Anhänger und Vertraute, setzen darauf, dass er noch lange weitermacht. Sie schwärmen von seiner Durchsetzungskraft in Berlin, an die doch niemand anderes herankomme, auch nicht Söder. Nur Seehofer, sagen sie, könne Merkel auch in Zukunft Paroli bieten.

Andererseits ist ja das genau ein Problem für die Union insgesamt: Merkel kandidiert bereits zum vierten Mal, Seehofer strebt seine dritte Amtszeit an. Allzu lange dürften beide also nicht mehr machen - doch in beiden Schwesterparteien ist die Nachfolgefrage offen.

Viele in der CSU glauben, dass Seehofer keinesfalls die ganze Legislaturperiode bis 2023 machen wird. Und wenn Seehofer aufhöre, stehe Söder bereit - sagen vor allem die Söder-Anhänger. Klar ist: Die Nachfolge-Debatte dürfte spätestens 2019 oder 2020 - dann ist Halbzeit zwischen den Bundestagswahlen - wieder von Neuem beginnen.

dpa

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