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Sensations-Erfolg für Putin-Kritiker

Moskau Sensations-Erfolg für Putin-Kritiker

Der russische Blogger Nawalny holt fast 30 Prozent bei der Wahl des Moskauer Bürgermeisters.

Moskau. Gleich zwei politische Stars kann die kremlkritische Protestbewegung am Tag nach den Kommunalwahlen in Russland feiern. In der Millionenstadt Jekaterinburg am Ural schaffte Jewgeni Roisman (50), früher einmal Abgeordneter der Staatsduma, den Einzug ins Rathaus als Bürgermeister. Und dann ist da Alexej Nawalny, der in der russischen Hauptstadt aus dem Stand gut 27 Prozent der Stimmen holte — was vor ihm noch niemand geschafft hat.

Der landesweit als unerbittlicher Anti-Drogen-Kämpfer bekannte Roisman besiegte in Jekaterinburgden Kandidaten des Machtlagers von Kremlchef Wladimir Putin. Der Vizegouverneur von der Regierungspartei Geeintes Russland, Jakow Silin, musste sich geschlagen geben. Der sportliche Roisman wird von vielen Menschen in Jekaterinburg wie ein Heiliger verehrt, weil er oft auch unter Körpereinsatz Süchtige aus den Fängen der Drogenmafia befreit.

Der 37-jährige Nawalny konnte zwar in Moskau den von Putin gestützten Amtsinhaber Sergej Sobjanin (51 Prozent) nicht wie geplant in eine Stichwahl zwingen. Aber das Ergebnis für den großen Jungstar mit den blauen Augen ließ alle staunen: regierungstreue ebenso wie oppositionsnahe und unabhängige Beobachter.

„Wir werden Zeugen, wie eine konkurrenzfähige Politik und Opposition entsteht“, twitterte der Politologe Dmitri Trenin von der Carnegie Stiftung. Es sei beispiellos, dass der mächtige Technokrat und Wahlsieger nun Nawalny das Gespräch anbiete — für eine gute Zukunft der größten europäischen Stadt. Es war gestern in Moskau oft zu hören, dass „dieser Nawalny“ mit einem solchen Ergebnis sehr ernst zu nehmen sei.

Zwar drohen dem Putin-Gegner in mehreren Strafverfahren lange Haftzeiten. Doch Politologen waren sich einig, dass eine Inhaftierung dieses populären Anti-Korruptions-Kämpfers schwer bis unmöglich sein dürfte. Nawalny hat nicht nur einmal bewiesen, dass er Tausende spontan auf die Straße bringen kann. Er werde womöglich mit Bewährungsstrafen davonkommen, hieß es in Moskau. Der schillernde Straßenwahlkampf, die direkten Gespräche mit den Wählern, wie es die Russen bisher allenfalls aus US-Filmen kannten, hätten die Menschen mitgerissen.

 

Ulf Mauder

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