Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Steinmeier warnt vor Arroganz der Technokraten

Audienz beim Papst Steinmeier warnt vor Arroganz der Technokraten

Erst ein Heimspiel, dann eine Premiere: In Rom spricht Bundespräsident Steinmeier zunächst in einer evangelischen Kirche. Dann besucht der Protestant den Papst. Es geht um die Lehren aus der Reformation, aber auch um aktuelle Krisen.

Voriger Artikel
Türkei: Staatsanwalt fordert 15 Jahre für Steudtner
Nächster Artikel
Welche vonne Härtesten

Steinmeier sagte in Rom über die europäische Integration: „So ein Projekt kann auf Dauer nur existieren, wenn auch Herzen und Seelen dabei sind.“

Quelle: Carsten Rehder/axel Heimken/archiv

Rom (dpa) - Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat bei einem Besuch in Rom vor einer Arroganz der Technokraten in Europa gewarnt. „Von Britannien über Katalonien bis nach Polen und Griechenland“ werde deutlich, wie sehr es auch auf die Gefühle der Menschen ankomme, sagte Steinmeier.

Am Montag wird er im Vatikan von Papst Franziskus zu einer Privataudienz empfangen. „Gefühle sind nie zweitrangig“, sagte der Bundespräsident bei einer Ansprache in der evangelischen Christuskirche in Rom. Dies sei aber im Prozess der europäischen Integration unterschätzt worden - „oft aus Überheblichkeit technokratischer Exekutive“, betonte er laut vorab verbreitetem Redemanuskript. „So ein Projekt kann auf Dauer nur existieren, wenn auch Herzen und Seelen dabei sind.“

Auch die Wahlen in Deutschland hätten gezeigt, welche Rolle in den Städten und Regionen die Gefühle der Bürger spielten. „Es wäre ein verhängnisvoller Fehler, Gefühle einfach irrational zu nennen. Gefühle haben ihre Gründe - und Gründe sind etwas Rationales.“ Andererseits dürfe Politik nicht nur auf Gefühle reagieren, sondern brauche auch kühle Vernunft. Steinmeier kritisierte „Hass und Abgrenzung, Wut und Aggression“.

In seiner Rede zum Thema „500 Jahre Reformation - Europa zwischen Einheit und Vielfalt“ zog Steinmeier als protestantischer Christ eine zwiespältige Bilanz. Zwar könne man die Reformation als „Morgenröte der Moderne“ begrüßen, zugleich hätten dort aber auch Fundamentalismus und Illiberalität ihre Wurzeln. Erst nach Jahrhunderten seien die religiösen Spaltungen in Europa von einem Prozess der Versöhnung abgelöst worden.

„Die letzten Jahrzehnte haben gezeigt, dass das für unmöglich gehaltene möglich sein kann: Versöhnung und Friede.“ Wie in der Ökumene sei auch in der europäischen Integration „versöhnte Verschiedenheit“ die beste Grundlage für weitere Fortschritte.

Das Jubiläum der Reformation und die aktuelle Lage in Europa sowie die weltweiten Migrations- und Flüchtlingsbewegungen dürften auch beim Gespräch Steinmeiers mit dem Papst am Montag im Mittelpunkt stehen. Es ist das erste Mal, dass er mit Franziskus zusammentrifft.

Als letzter Bundespräsident war Joachim Gauck im Dezember 2012 zu einer Privataudienz im Vatikan. Damals war noch der deutsche Papst Benedikt Oberhaupt der katholischen Kirche. Auch als Außenminister hatte Steinmeier keine päpstliche Audienz im Vatikan.

Nach der Audienz beim Papst stand am Montag auch ein Besuch der katholischen Hilfsorganisation Sant'Egidio auf dem Programm Steinmeiers. Er trifft dort den Gründer der auch in Deutschland aktiven Gemeinschaft, Andrea Riccardi, und will mit ihm über Fragen von Migration und Armut sprechen. Sant'Egidio setzt sich unter anderem für Flüchtlinge und Obdachlose ein und gilt als Musterbeispiel für gelungenes soziales Engagement.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Gegen Betrug und Schlupflöcher
Die EU-Kommission will das Mehrwertsteuersystem gegen Steuervermeidung und Betrug absichern.

Die EU-Kommission präsentiert heute ihre Ideen für eine weitreichende Mehrwertsteuer-Reform in Europa. Der zuständige Kommissar Pierre Moscovici wird die Gesetzesinitiative in Brüssel vorstellen.

mehr
Mehr aus Politik
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Serie, Weltkrieg, erster Weltkrieg, zweiter Weltkrieg Teaser der den User auf die Sonderseiten zum Thema Weltkrieg führen soll image/svg+xml Image Teaser Weltkrieg 2015-09-23 de Serie Erinnerung an Weltkriege Alle Beiträge und Bildergalerien zum Thema sowie Infos zu Ausstellungen und Museen finden Sie auf unseren Sonderseiten. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier. > Erster Weltkrieg > Zweiter Weltkrieg 1914 bis 1918 1939 bis 1945
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.
24. Juli 2017 - Alev Doğan in Allgemein

Es gibt eine Wahrheit, vor der auch ich mich schon lange drücke. Eine, die auszusprechen weh tut: Um die Türkei steht es im Moment nicht gut. Ach was, um die Türkei steht es im Moment miserabel.

mehr