Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Politik Streit unter Salafisten ruft Polizei auf den Plan
Nachrichten Politik Streit unter Salafisten ruft Polizei auf den Plan
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:52 26.04.2016
Anzeige
Bremen

Ein Streit über die Auslegung des Korans unter Salafisten hat einen Polizei-Großeinsatz in Bremen ausgelöst. Unterstützt von Spezialkräften aus anderen Bundesländern durchsuchten die Beamten am Dienstag mehrere Wohnungen und Geschäfte in der Hansestadt.

Zuvor waren Hinweise eingegangen, dass zwei Menschen getötet werden sollen. Die Ermittler stellten die Identität von neun Verdächtigen fest, ließen sie danach aber laufen.

Für einen Haftbefehl reichten die Beweise nicht, sagte Staatsanwältin Petra Meyer. „Wir haben bisher nur einen Anfangsverdacht.“ Nach ersten Ermittlungen sollen im Zusammenhang mit dem Streit Ende der vergangenen Woche bereits zwei Salafisten verletzt worden sein. Ob es sich um dieselben handelt, die auch getötet werden sollten, konnte die Staatsanwaltschaft nicht sagen.

Die Ermittler hoffen, dass die beschlagnahmten Handys und Computer weitere Erkenntnisse bringen. Bei der Razzia stellten die Beamten außerdem Schreckschusswaffen, einen Elektroschocker, ein Messer und ein Beil sicher. Mehr als 200 Polizisten aus Bremen, Berlin, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein waren dabei am frühen Morgen in mehreren Stadtteilen im Einsatz.

Drei Tage vor den Durchsuchungen waren bei der Polizei ein anonymer Anruf und eine anonyme E-Mail eingegangen, wonach die Beschuldigten geplant hätten, zwei Salafisten zu töten, die eine andere Auffassung vom Koran und dem Leben im Islam hätten als sie selbst. Die Ermittler konnten daraufhin einen Zeugen ausfindig machen. Die auf seinem Handy gespeicherten Nachrichten bestätigten den Verdacht.

Unter den Verdächtigen befindet sich auch ein vor kurzem aus der Haft entlassener Salafist. Dieser ist Mitgründer eines seit 2014 verbotenen „Kultur & Familien Vereins“ (KuF). Ein Viertel der Vereinsmitglieder hatte sich nach Angaben von Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angeschlossen. Sechs von ihnen wurden bei Kämpfen in Syrien getötet. Nach dem Verbot unterwanderten KuF-Mitglieder einen anderen islamischen Verein, den Mäurer im Februar ebenfalls verbieten ließ.

Bremen gilt als eine Hochburg der Salafisten. Der Verfassungsschutz beziffert ihre Zahl bundesweit auf schätzungsweise 8650, in Bremen sollen es rund 360 sein. Die Anhänger der extrem konservativen islamistischen Strömung verfolgen das Ziel, einen Gottesstaat zu errichten. Sie sehen sich als Vertreter eines ursprünglichen Islams und richten ihr Leben strikt am Koran aus.

dpa

Mehr zum Thema

Wie von Geisterhand gesteuert haben Netzwerkdrucker und Kopierer mehrerer Universitäten antisemitische Pamphlete ausgedruckt. Nun ermittelt der Staatsschutz.

28.04.2016

Zwei Nachrichten gab es in diesen Tagen, auch hier in der OZ waren sie zu lesen, die voller Gegensätze sind.

22.04.2016

Die Mehrheit der Deutschen lehnt die Aussage führender AfD-Politiker ab, der Islam sei nicht mit dem Grundgesetz vereinbar.

22.04.2016

Der Säkularismus gehört zu den Fundamenten der türkischen Republik. Nun steht er zur Diskussion. Der Parlamentspräsident denkt laut über eine islamische Verfassung nach und löst damit heftige Proteste aus.

27.04.2016

30 Jahre nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl hat die ukrainische Regierung die Gefahrenzuschläge der Arbeiter erhöht, die derzeit in der Todeszone beschäftigt sind.

03.05.2016

Der russische Präsident Wladimir Putin hat sich in einem Telegramm an die sogenannten Liquidatoren gewendet: „Tschernobyl ist eine ernste Lehre für die ganze Menschheit ...

26.04.2016
Anzeige