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Politik Streit zwischen Donald Trump und Ex-Anwalt Cohen eskaliert
Nachrichten Politik Streit zwischen Donald Trump und Ex-Anwalt Cohen eskaliert
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14:09 27.07.2018
Wird immer mehr zur Gefahr für Donald Trump: Michael Cohen, ehemaliger Anwalt des US-Präsidenten. Quelle: AP
Washington

US-Anwalt Michael Cohen galt jahrelang als Donald Trumps „Fixer“, jemand, der rechtliche Probleme für seinen Mandanten beseitigte. Und er galt als absolut loyal: Er würde, wenn es darauf ankäme, sein Leben für Trump opfern, hat er einmal gesagt. Aber das hat sich alles radikal geändert. Selbst im Fadenkreuz von Ermittlern und vom US-Präsidenten torpediert, denkt Cohen nun anscheinend daran, sich selbst zu retten.

So ging der Jurist jetzt so weit, den Mitschnitt eines Gespräches zwischen ihm und seinem damaligen Klienten zu veröffentlichen – wohl nicht illegal, aber ein ungewöhnlicher Schritt, wie Juristen sagen. In der Tonband-Aufzeichnung geht es um ein Schweigegeld für ein ehemaliges Playmate, das nach eigenen Angaben 2006 eine Affäre mit dem verheirateten späteren Präsidenten hatte.

Auf die Veröffentlichung der Aufnahme am Mittwoch (Ortszeit) antwortete Trump mit einem wütenden Tweet: „Welche Art von Anwalt würde ein Gespräch mit einem Klienten mitschneiden? Sowas von traurig!“ Zudem versuchte der Präsident in dem selben Tweet, Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Mitschnitts zu wecken, weil es abrupt ende, also geschnitten sei – und das sei doch verdächtig.

Die Unterredung fand im September 2016 statt, also kurz vor der Wahl. Cohen schnitt sie seinerzeit ohne Trumps Wissen mit und veröffentlichte die Aufzeichnung nun. Ob das Tonband im Endeffekt eine rechtliche Bedeutung hat, ist unklar. Die Veröffentlichung zur Fernseh-Hauptsendezeit zielte auf jeden Fall darauf ab, die Glaubwürdigkeit des Präsidenten zu untergraben. Ein Thema des Gesprächs war eine mögliche Zahlung an das ehemalige Playmate Karen McDougal. Trump behauptete in späteren Äußerungen, er wisse nichts davon. Die Aufnahme belegt, dass Cohen Trump in Wahlkampfangelegenheiten beriet.

Rechtlich geht es im Kern um die Frage, ob Gesetze zur Wahlkampffinanzierung verletzt wurden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt zurzeit gegen Cohen. Auf dem Band sagt der Anwalt unter anderem, er habe bereits mit Allen Weisselberg, dem Finanzchef der Trump Organization – Trumps Firmenimperium – darüber gesprochen, „wie die ganze Sache arrangiert werden kann“. Die Anwälte des Präsidenten hatten gesagt, dass kein Geld an McDougal gezahlt worden sei.

Veröffentlichung nur ein erster Schritt

So oder so muss das Trump-Lager davon ausgehen, dass die Veröffentlichung dieser Aufzeichnung nur ein erster Schritt ist. Denn Cohen soll häufig Gespräche mit Klienten mitgeschnitten haben. So hat die Polizei bei einer Durchsuchung seines New Yorker Büros neben hunderttausenden Seiten von Dokumenten mehr als ein Dutzend Tonbänder beschlagnahmt. Viele in Trumps Umgebung glauben, dass von ihm die größte Gefahr für Trumps Präsidentschaft ausgehen könnte. Cohen erwägt eine Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft.

Beide Seiten, Cohen sowie sein neuer Anwalt Lanny Davis und das Trump-Lager, stritten auch noch über die Bedeutung der teilweise unverständlichen Aufzeichnung. Sie ließen jeweils Abschriften veröffentlichen, die sich in einer möglicherweise wichtigen Passage unterscheiden. Worum geht es genau? Tage vor dem Mitschnitt hatte die Mediengruppe American Media Inc, die das Boulevardblatt „National Enquirer“ besitzt, Karen McDougal 150.000 Dollar für die Rechte an ihrer Geschichte über die angebliche Affäre mit Trump bezahlt. Sie zog später vor Gericht, argumentierte, dass AMI nie vorgehabt habe, die Story zu veröffentlichen. Einziges Ziel sei es gewesen, die Geschichte zu begraben, um Trump zu schützen. Der Präsident der Mediengruppe, David Pecker, ist ein enger Freund des Präsidenten.

Streit um Trumps „Cash“-Formulierung

Die meisten Experten meinen, dass das Band Trump wahrscheinlich rechtlich kaum Probleme bringen wird. Aber die Veröffentlichung ist ein Warnzeichen, dass bei Cohen die Dämme zu brechen beginnen. Der Anwalt hatte mehr als zehn Jahre lang für Trump gearbeitet und auch enge Beziehungen zu dessen Familie. Aber obwohl er Trumps rechte Hand in Geschäftssachen war, erhielt er keine größere Rolle im Weißen Haus. Nach Trumps Sieg hoffte er auf eine Schlüsselposition im Weißen Haus, wurde aber in New York zurückgelassen.

Dennoch blieb er zunächst ein vehementer Fürsprecher des Präsidenten. Als dann aber 2018 die Polizei sein Büro in New York durchsuchte, ging seine Beziehung zu Trump in die Brüche. Die beiden Männer haben seit Monaten nicht miteinander gesprochen. Der Berater und ehemalige Bürgermeister von New York Rudolph Giuliani feuert immer wieder Breitseiten gegen Cohen.

Cohen fühlt sich gekränkt

Nun fühlt sich der Mann, der einst für Trump Geschäfte in aller Welt abwickelte, zunehmend isoliert und gekränkt, wie es in seiner Umgebung heißt. Cohen lebt derzeit in einem Manhattaner Hotel, weil seine Wohnung nach einem Wasserrohrbruch repariert werden muss.

Das Tonband ließ er Davis zufolge veröffentlichen, um seiner Ansicht nach falschen Darstellungen der Gegenseite den Boden zu entziehen. War der Schritt zwar ungewöhnlich, so wahrscheinlich nicht illegal: In New York muss nur eine Seite der Aufzeichnung eines Gespräches zustimmen.

Ungemach droht auch in der Russland-Affäre

Nach Angaben von CNN will Michael Cohen auch in der Russland-Affäre aussagen. Und das könnte für Trump heikel werden. Denn Cohen behauptet, der Präsident habe von dem Treffen seines Sohnes Donald Jr. im Trump-Tower gewusst. Donald Trump bestreitet bisher vehement, von dem Meeting gewusst zu haben, bei dem russische Gewährsleute dem Trumpschen Wahlkampfteam belastende und verleumdende Materialien über Hillary Clinton angeboten hatten. Cohen sei nun bereit, so CNN weiter, diese Aussage auch vor dem Sonderermittler Robert Mueller zu machen, der den russischen Einfluss auf den US-Wahlkampf 2016 untersucht. Eine Aussage, die für Donald Trump gefährlich werden könnte.

Von RND/AP/dk