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Torsten Albig: Gestrauchelt kurz vor der Ziellinie

Porträt Torsten Albig: Gestrauchelt kurz vor der Ziellinie

Am Ende ist Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Albig gestrauchelt. Dabei lief lange Zeit alles bestens, die Koalition mit Grünen und SSW funktionierte recht geräuschlos. Albigs Zukunft ist ungewiss.

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Seit 2012 regiert der 53 Jahre alte Jurist im Norden im Bündnis mit Grünen und SSW, der Partei der dänischen und friesischen Minderheit.

Quelle: Carsten Rehder/archiv

Kiel. Lange Zeit sah Torsten Albig (SPD) wie der sichere Sieger der Landtagswahl in Schleswig-Holstein aus. Doch kurz vor Schluss geriet der Ministerpräsident aus Kiel in schweres Fahrwasser. Das einzige TV-Duell mit CDU-Herausforderer Daniel Günther konnte der Amtsinhaber nicht gewinnen. Die dort geäußerten und nicht unterlegten Vorwürfe einer Gewerkschafterin, Günther habe sie als „Verdi-Schlampe“ bezeichnet, halfen dem Genossen auch nicht weiter - im Gegenteil. Zudem setzte der nachlassende Bundestrend der Nord-SPD zu.

Die Ära des markanten Glatzkopfs im Norden scheint bereits nach fünf Jahren zu Ende. Dabei regierte der 53 Jahre alte Jurist seit 2012 recht erfolgreich im Bündnis mit Grünen und SSW, der Partei der dänischen und friesischen Minderheit. Für diese Koalition ist die Mehrheit nun futsch. „Das ist die erste Wahl, die ich verliere, das tut besonders weh“, sagte Albig.

Der bisweilen zur Selbstgefälligkeit neigende Albig räumte ein, „natürlich haben wir Dinge falsch gemacht“. „Ich trage die Verantwortung für ein solches Ergebnis“, sagte Albig. Kritik hatte er im Wahlkampf-Schlussspurt mit einem Interview des Magazins „Bunte“ entfacht, in dem er kurz vor der Wahl Heiratspläne mit seiner Lebensgefährtin Bärbel Boy verkündete. Schilderungen zur Trennung von seiner langjährigen Ehefrau darin lösten eine Diskussion über das Frauenbild Albigs aus. Sein Leben habe sich schneller entwickelt als ihres und man habe sich kaum noch auf Augenhöhe ausgetauscht, sagte Albig.

Während sich manch Oppositionspolitiker in den vergangenen Jahren abfällig über Albig äußerte, sah Staatskanzleichef Thomas Losse-Müller (Grüne) einen „Politikmanager neuen Stils, den das 21. Jahrhundert braucht“. Kritiker bescheinigten dem Regierungschef aber Beratungsresistenz. In Regierungserklärungen vermissten sie in den vergangenen fünf Jahren wiederholt den Blick nach vorn und störten sich am zuweilen pastoralen Ton des Ministerpräsidenten.

Seinen Ministern hat Albig weitgehend freie Hand gelassen. Nur ihm wichtige Themen wie die Flüchtlingspolitik riss er an sich. Seinen Prinzipien blieb er dabei treu - zur Not auch gegen den Bund wie beim Abschiebestopp nach Afghanistan. Er beharrt nun darauf: Auch wenn seine Regierung keine Mehrheit mehr bekommen habe - „das macht die Politik nicht falsch“.

Vor seinem Wechsel in die Kieler Staatskanzlei galt der heute 53-Jährige als Jobhopper. Meist suchte er nach wenigen Jahren eine neue Herausforderung. Er arbeitete für mehrere Bundesfinanzminister als Sprecher und leitete drei Jahre lang als Oberbürgermeister die Geschicke Kiels. Abwanderungsgedanken aus seinem „Lieblingsland“ hegte der Fan von Handball-Rekordmeister THW Kiel und Fußball-Zweitligist Arminia Bielefeld laut eigenem Bekunden aber nicht. Im Landtag in Kiel droht ihm nach seiner Niederlage nun aber ein Platz auf der Hinterbank.

dpa

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