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21:17 12.08.2018
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan Quelle: AP
Istanbul

Recep Tayyip Erdogan ist das Verlieren nicht gewohnt. Gerade erst ist er wieder zum Präsidenten der Türkei gewählt worden, die politischen Gegner im Inland sind nach der Verfassungsreform weitgehend entmachtet. Doch nun erlebt er auf seinem einstigen Lieblingsfeld, der Wirtschaft, eine verheerende Niederlage: Die Lira ist im freien Fall, von Zahlungsausfällen ist bereits die Rede. Ein Konzept gegen die Eskalation der Türkei-Krise hat Erdogan nicht zu bieten. Stattdessen schlägt er wild um sich.

In seinen Reden am Wochenende hat Erdogan nicht nur Donald Trump den Kampf angesagt, sondern auch den internationalen Finanzmärkten. Er schwor seine Landsleute auf einen Wirtschaftskrieg gegen die USA ein und drohte damit, sich von dem Nato-Partner abzuwenden. Die Leidtragenden der Kampfrhetorik sind türkische Normalbürger, deren Ersparnisse dahinschmelzen. Sie werden in den kommenden Monaten die Gürtel enger schnallen müssen.

Handgemachte Probleme

Und das liegt längst nicht nur an neuen Strafzöllen der USA. Viele der Probleme sind hausgemacht. In den Jahren des billigen Geldes hat die Türkei strukturelle Reformen verschlafen und muss jetzt bei steigenden Zinsen mit ansehen, wie sich Investoren zurückziehen, um ihr Vermögen woanders anzulegen. Dass die Türkei sich von der EU und deren Regeln entfernt hat, macht die Investorensuche zusätzlich schwierig. Und Erdogans offene Einflussnahme auf die Entscheidungen der Zentralbank, die schwache Vorstellung seines Schwiegersohnes und Finanzministers Berat Albayrak und der Streit mit US-Präsident Donald Trump verschrecken die Anleger noch weiter.

Verstärkt wird die Misere durch das neue Präsidialsystem. Es gibt niemanden mehr in Ankara, der Erdogans Politik wirksam kontrollieren und wenn nötig ein Gegengewicht bilden kann, wie die wenig durchdachten Vorgaben des Staatschefs an die Zentralbank zeigen.

Erdogan muss sich neu orientieren

Ähnliches gilt für seine Außenpolitik. Im Streit mit den USA hat Erdogan zu hoch gepokert: Seine Regierung versuchte, im Gegenzug für eine Freilassung des US-Pastors Brunson von Washington weitreichende Zugeständnisse zu erhalten – und ist dabei gescheitert. Zwar hat Erdogan recht, wenn er jetzt beklagt, dass Trump die Freilassung des Priesters mit Sanktionen erpressen will; die US-Regierung setzt auf eine offene Kampfansage an Erdogan statt auf eine Fortsetzung diskreter Gespräche. Doch dass es so weit gekommen ist, liegt nicht zuletzt an Erdogans fortdauernder Selbstüberschätzung gegenüber den USA.

Auch mit Blick auf die EU und Berlin muss Erdogan sich neu orientieren. Auf Hilfe kann die Türkei nur hoffen, wenn sie endlich nach den Regeln spielt. Und wenn sie die Realitäten anerkennt. Eine davon lautet: Der Sultan ist pleite.

Von Susanne Güsten

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