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U-Ausschuss zu Silvester in Köln: Polizei bekam nichts mit

Düsseldorf U-Ausschuss zu Silvester in Köln: Polizei bekam nichts mit

Während Hunderte Frauen an Silvester in Köln in höchster Not sind, liefern sich führende Polizisten hinter verschlossenen Türen einen Besprechungsmarathon. Im Untersuchungsausschuss wird immer mehr über die Einsatznacht bekannt.

Düsseldorf. Hunderte Frauen werden in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof von aggressiven Männergruppen belästigt, aber die Polizei bekommt nichts mit.

Ein Darstellungsmuster, das sich seit Wochen durch die Zeugenaussagen von Polizisten verschiedenster Einheiten im „Untersuchungsausschuss Silvesternacht“ des Düsseldorfer Landtags zieht.

So auch am Dienstag: Weder der Gruppenleiter im Regeldienst des Polizeipräsidiums Köln noch der zuständige Einsatzleiter für die Brückensperrungen erfuhren laut eigener Aussage irgendetwas Außergewöhnliches. Wie konnte das passieren?

Die Zuhörer erfahren von zahlreichen aufeinanderfolgenden Besprechungen verschiedener Polizeieinheiten, die hinter verschlossenen Türen vom Geschehen draußen abgeschnitten bleiben. Währenddessen liefen auf den Wachen Meldungen über einen aggressiven Pulk von „Asylanten“ ein, die auf dem Bahnhofsvorplatz „Passantinnen befummeln“.

Die Obleute des Ausschusses versuchen zu ergründen, wer geplant, mitgedacht und Abläufe hinterfragt hat. Die Antworten muten bisweilen skurril an. Ihm seien gar keine Kräfte unterstellt gewesen, sagt der Leiter des Regeldienstes. „Ohne Kräfte hilft Denken allein nicht viel.“ Auf der Kölner Wache hatte er aber beobachtet: „Der Vorraum war immer proppevoll mit Bürgern, die Anzeige erstatten wollten.“

Auf bohrende Fragen nach Verantwortlichkeiten hört man häufig: „Dafür waren wir nicht zuständig.“ Auch der Dienstgruppenleiter sagt, der Einsatz draußen sei unter der Regie der Leitstelle gelaufen. Der Chef der Kölner Polizeileitstelle hatte aber am Montag ebenfalls ausgesagt, dass er bis zu seinem Feierabend am Neujahrsmorgen nichts von massenhaften sexuellen Übergriffen mitbekommen habe.

Als gefährlich hat sich in der Silvesternacht die Überfüllung der Hohenzollernbrücke dargestellt. Der für die Brückensperrungen zuständige Beamte sieht die in den Bahnhof mündende Brücke zwar als Einsatzschwerpunkt an, ist aber selbst nicht da, sondern postiert sich auf der Severinsbrücke. „Ich muss nicht in der ersten Linie stehen, wenn ich die Führung für so einen Einsatz übernehme“, erklärt der 45-Jährige. Dort bekommt er aber weder die drohende Massenpanik auf der Hohenzollernbrücke mit noch die teilweise Sperrung.

Fußstreifen auf der nicht vollständig überschaubaren Brücke seien nicht vorgesehen gewesen. Schließlich hätten seine Leute keine flammenhemmenden Klamotten, erklärt er. „So 'n Böller im Nacken ist nicht nett.“ Ein Einsatzleiter der Bundespolizei hatte im vergangenen Monat von chaotischen Zuständen auf der Hohenzollernbrücke berichtet. Demnach hatten verängstigte Menschen den Polizisten im Gedränge ihre kleinen Kinder hinübergereicht. Die Szenen hätten teilweise an die Massenpanik 2010 bei der Duisburger Loveparade erinnert.

Im schlimmsten Fall wäre die Polizei auch ohne angemessene Dienstkleidung auf die Brücken gegangen, versichert der zuständige Einsatzleiter. „Ein bisschen Risiko beinhaltet unser Job. Wenn wir Straftaten sehen, dann können wir nicht sagen: Mein Jäckchen ist zu dünn, da gehe ich jetzt nicht hin.“

Die Vorfälle in Köln hatten bundesweit Schlagzeilen gemacht. Kölns Polizeipräsident Wolfgang Albers musste als Folge der Überfälle gehen. Für den 9. Mai wird der derzeit stark in der Kritik stehende NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) als Zeuge im Ausschuss erwartet.

dpa

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