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Politik USA führen Planspiele für Syrien-Invasion durch
Nachrichten Politik USA führen Planspiele für Syrien-Invasion durch
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03:53 26.08.2013
Anstatt in die Heimat zurückzukehren, lief der Zerstörer „USS Mahan“ durch den Suezkanal (im Bild) in Richtung Mittelmeer. Quelle: AFP
Washington

Angesichts der mutmaßlichen Chemiewaffen-Einsätze in Syrien prüft die US-Regierung gemeinsam mit westlichen Partnern Möglichkeiten für ein Eingreifen in den Bürgerkrieg.

Es werde über „mögliche Antworten der internationalen Gemeinschaft“ nachgedacht, teilte das Weiße Haus am Wochenende nach einem Telefonat von US-Präsident Barack Obama mit dem britischen Premierminister David Cameron mit.

Obama beauftragte die US-Geheimdienste, Beweise für den Giftgas-Einsatz zusammenzutragen. Der US-Präsident und Cameron bekräftigten laut Weißem Haus erneut ihre „ernste Sorge“ angesichts der Chemiewaffenvorwürfe. Beide Seiten wollten sich weiter „eng abstimmen“. Die britische Regierung teilte mit, es gebe „zunehmend Hinweise darauf, dass es sich um einen Einsatz von Chemiewaffen durch Syriens Regime gegen sein eigenes Volk handelte“.

US-Präsident Barack Obama traf sich nach Angaben des Weißen Hauses mit seinen führenden Sicherheitsberatern. Er habe die Geheimdienste beauftragt, „Fakten und Beweise“ zusammenzutragen, sagte ein Mitarbeiter des Weißen Hauses. Die Regierung habe eine Reihe von Optionen und werde den „nationalen Interessen“ entsprechend handeln. Zuvor hatte US-Verteidigungsminister Chuck Hagel erklärt, er habe die „Verantwortung, dem Präsidenten Optionen für alle Eventualitäten bereitzustellen“. Ein Regierungsvertreter in Washington sagte, Außenminister John Kerry habe seinen syrischen Kollegen Walid al-Muallim vor einer Blockade-Haltung gewarnt. Die US-Marine verstärkte indes ihre Präsenz im östlichen Mittelmeer. Demnach kehrt der Zerstörer „USS Mahan“ nicht wie vorgesehen in seinen Heimathafen zurück. Damit verfügen die USA nun über vier mit Marschflugkörpern (siehe Stichwort-Kasten) bestückte Kriegsschiffe in der Region.

Nach Angaben der syrischen Opposition waren bei Angriffen mit Chemiewaffen in der Nähe der Hauptstadt Damaskus mehr als 1300 Menschen getötet worden. Die Opposition machte die Truppen von Präsident Assad verantwortlich. Syriens Regierung wies dies vehement zurück. Am Wochenende bekräftigte Damaskus noch einmal, „niemals Chemiewaffen in Syrien eingesetzt“ zu haben, „in welcher Form auch immer, flüssig oder als Gas“. Informationsminister Omran al-Sohbi sagte, die Armee habe den Einsatz solcher Waffen aufgrund ihrer „hohen Moral“ nicht nötig.

Der Vizekommandeur der iranischen Streitkräfte hat unterdessen die USA vor einer Militärintervention gewarnt. „Die USA kennen die rote Linie bezüglich Syrien, jegliche Überschreitung dieser Linie wird gravierende Folgen fürs Weiße Haus haben“, sagte Massud Dschsajeri. Die syrische Regierung sei Opfer einer Propagandawelle der Amerikaner und einiger arabischer Staaten geworden. „Alle Länder, die die Krise in Syrien weiter eskalieren wollen, müssen sich auf die ‘Rache der Nationen‘ gefasst machen“, sagte der General.

Die syrische Führung will indes den Chemiewaffen-Inspekteuren der Vereinten Nationen jetzt doch Zugang zu den angeblich mit Giftgas bombardierten Dörfern im Umland von Damaskus gewähren. Eine entsprechende Vereinbarung erzielte die deutsche UN-Diplomatin Angela Kane gestern bei einem Gespräch mit Außenminister al-Muallim. Allerdings behält sich das Regime nach den Worten eines Regierungsbeamten vor, „das Datum und die Uhrzeit für diesen Besuch festzulegen“. Wann die Untersuchung in dem Bezirk östlich von Damaskus beginnen soll, wurde nicht gesagt. Die Sicherheitslage dort gilt als sehr schlecht. Die Opposition hatte erklärt, sie könne im Rebellengebiet die Sicherheit der UN-Experten gewährleisten.

Marschflugkörper
Anders als ballistische Raketen verfügen Marschflugkörper über einen eigenen Antrieb. Sie werden in vorher definierte Ziele gelenkt. Sie können von Rampen und Radfahrzeugen gestartet werden, aber auch von Schiffen, U-Booten oder Flugzeugen.


Bereits im Zweiten Weltkrieg wurden Marschflugkörper eingesetzt. Der Urtyp ist das als „V1“ oder „fliegende Bombe“ bekannte deutsche Strahltriebwerk. Sie hatte noch nicht die Treffgenauigkeit heutiger Marschflugkörper.


Der bekannteste Marschflugkörper der USA ist die BGM-109 „Tomahawk“. Die Waffe gibt es in verschiedenen Versionen mit Reichweiten von bis zu 2500 Kilometern.

VIER FRAGEN AN...

1 Welche Anzeichen gibt es, dass in Syrien Giftgas eingesetzt worden ist? Am Mittwoch sind in den drei von uns unterstützten Krankenhäusern im Süden und Südwesten von Damaskus fast zeitgleich 3600 Patienten mit Symptomen eingeliefert worden, die darauf hinweisen, dass sie einem Nervengift ausgesetzt waren. Das hat das medizinische Personal vor Ort unseren Mitarbeitern detailliert und glaubhaft berichtet. Die Leute klagten über Kopfschmerzen, Übelkeit, Verwirrtheits-Zustände. Sie hatten Krämpfe, akute Atemnot, vermehrten Speichelfluss und verengte Pupillen. Man kann aber keine Aussage über die Herkunft oder Art des Toxins machen. Wir können auch nicht beweisen, dass es sich um Giftgas handelte.

2 Was müsste man machen, um dasfestzustellen? Es müsste möglichst schnell eine unabhängige Untersuchungskommission eingesetzt werden, die in der Lage ist, den vermeintlichen Opfern Blut- und Urinproben abzunehmen. Man muss auch die Gegenden, in denen das passiert ist, auf Spuren untersuchen. Mit jedem Tag, der verstreicht, werden die Nachweismöglichkeiten geringer.

3 Wie wirkt das Gift? Nervengifte behindern Trägerstoffe im Gehirn, führen zu Krampfanfällen und zu akuter Atemnot und können tödlich sein.

Mit dem Gegengift Atropin, das wir den Krankenhäusern für den Notfall geliefert hatten, kann man symptomatisch helfen. Der Erfolg hängt aber von dem allgemeinen Gesundheitszustand der Person ab und davon, wie stark sie dem Gas ausgesetzt war und wie schnell sie behandelt werden konnte. 355 Patienten sind nach den Berichten des Gesundheitspersonals vor Ort gestorben.

4Seit wann ist Ihre Organisation nicht mehr vor Ort und warum? In Damaskus sind wir schon seit Beginn dieses Krieges nicht vertreten, weil wir mit der Regierung keine Vereinbarung treffen konnten. Es gehört zu unseren Grundprinzipien, dass wir dorthin gehen, wo wir freien Zugang bekommen und beurteilen können, wo am meisten Hilfe gebraucht wird. Aber in den nördlichen Gebieten des Landes sind wir mit Mitarbeitern vor Ort und betreiben dort auch Kliniken. Grundsätzlich gehen wir dorthin, wo am meisten Not herrscht. Deshalb sind wir auch in praktisch allen Krisengebieten, in denen es möglich ist, tätig. Interview: Antje Schröder

OZ

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