Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Politik Wie geht’s den Wohnungslosen? – Besser als sie denken
Nachrichten Politik Wie geht’s den Wohnungslosen? – Besser als sie denken
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:15 25.10.2018
Anders als viele Wohnungslose hat dieser Mann in Berlin offenbar kein Dach über dem Kopf. Quelle: Soeren Stache/dpa
Hannover

Umfrageinstitute und Statistiker interessieren sich für so gut wie alles: Wahlen, Liebesleben, Haustiere – kaum etwas bleibt ungefragt. Eine Gruppe und ihre Lebenslage ist allerdings weitgehend unerforscht: Leute ohne Wohnung.

Die Diakonie will das dringend ändern und hat nun eine erste umfassende und repräsentative Studie zur Lage der Wohnungslosen vorgelegt. Eines der Hauptergebnisse: Deutsche ohne eigene Wohnung fühlen sich schlechter, als es ihnen objektiv geht.

Ein Obdachloser in einer U-Bahn-Station in Hannover. Quelle: Barbora Prekopova dpa/lni

Forscher der Alice Salomon Hochschule Berlin haben mehr als 1000 Wohnungslose befragt, die Hilfsangebote der Diakonie nutzen. Sechs Fragen beschäftigen sich mit den tatsächlichen Umständen ihres Lebens, sechs weitere mit ihrer Einschätzung der eigenen Situation. So empfinden zwar mehr als 40 Prozent ihre Lage als schlecht oder sehr schlecht, objektiv geht es aus Sicht der Forscher aber „nur“ 25 Prozent der Befragten schlecht oder sehr schlecht.

 

Konkret fragten die Forscher etwa nach der Wohnsituation, nach Gesundheit, Finanzen und Job. Wichtig ist hierbei, dass Wohnungslosigkeit nicht unbedingt Obdachlosigkeit bedeutet. Die Befragten leben also nicht alle auf der Straße, haben aber keine eigenen oder gemieteten vier Wände.

14 Prozent der Befragten gaben an, auf der Straße, im Zelt oder einem Abrisshaus zu leben. Alle Anderen leben weniger prekär, etwa bei Bekannten, in Notunterkünften oder betreuten Wohngemeinschaften.

 

Dabei unterscheidet sich die Zufriedenheit der Befragten deutlich nach den verschiedenen Gruppen: Wenig überraschend geht es denjenigen am schlechtesten, die tatsächlich auf der Straße leben. Das zeigt sich auch an ihren Erwartungen. Ein Viertel der Obdachlosen glaubt, dass es ihnen in Zukunft noch schlechter gehen werde. „In seiner Deutlichkeit alarmierend“, nennen das die Forscher.

 

Als besonders prekär beschreiben die Autoren der Studie die Lage der Obdachlosen aus Osteuropa. Sie sind für die Sozialarbeiter besonders schwer zu erreichen, viele Menschen aus Bulgarien und Rumänien haben keinerlei Ansprüche auf staatliche Hilfe.

Extra gefährdet sind der Studie zufolge Frauen. Vor allem ihre eigene Einschätzung der Lage ist schlechter als die anderer Gruppen. Die Ergebnisse sind aber mit Vorsicht zu genießen, da viele Frauen keinen Kontakt zum Hilfesystem haben und daher nicht in der Umfrage auftauchen.

Ein Obdachloser schläft in Hannover. Quelle: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Aus den Antworten lesen die Forscher insgesamt eine überragende Bedeutung der Wohnsituation für alle anderen Lebensbereiche. „Wohnungslosigkeit bedeutet mehr, als keine Wohnung zu haben“, sagt Susanne Gerull von der Alice Salomon Hochschule Berlin, die wissenschaftliche Projektleiterin. Fehlender Wohnraum sei mit vielen Lebensbereichen verknüpft. „Haupteinflussfaktor auf die Lebenslage ist die existenzielle Sicherheit, die stark von der tatsächlichen Wohn- und Übernachtungssituation, der Wohnzufriedenheit, dem Sicherheitsgefühl und dem Zugang zu medizinischer Versorgung abhängt.“

Die Forscher leiten daraus einige Empfehlungen für die Sozialarbeit ab. So solle sie sich gemeinsam mit den Wohnungslosen darum kümmern, eigene Ziele besser zu formulieren. Die Helfer sollten darauf hinarbeiten, dass die Klienten optimistischer in die Zukunft blicken.

Letztlich halten es die Forscher für nötig, den Betroffenen so schnell wie möglich ein Dach über dem Kopf zu bieten. Oder noch besser: Verhindern, dass Leute überhaupt ihre Wohnung verlieren.

Von Christian Palm/RND

Steht Amerika am Abgrund? In aller Ernsthaftigkeit wird diese Frage in den USA nach der versuchten Anschlagsserie diskutiert. Es geht nicht allein um die Paketbomben. Es geht vielmehr um die scharfe ideologische Spaltung, welche die USA zu zerreißen droht.

25.10.2018

Das Bundesarbeitsgericht in Erfurt verhandelt heute darüber, ob kirchliche Einrichtungen von Job-Bewerbern eine Religionszugehörigkeit verlangen dürfen.

25.10.2018

„Alle zehn Minuten stirbt ein Kind“: Der CSU-Politiker Gerd Müller zeigt sich entsetzt über ausbleibende Hilfe für die Kriegsopfer. Die Ursache dafür sehe er in einer massiven Unterfinanzierung der UN-Programme.

25.10.2018