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ADAC: „Fahrerflucht wird zum Volkssport“

Prora ADAC: „Fahrerflucht wird zum Volkssport“

Verletzter Radler abgesetzt: Polizei ermittelt wegen Unfallflucht auf Rügen / Unfallflucht-Fälle steigen

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Prora. Ein Mann fährt mit seinem Transporter bei Binz auf Rügen einen 30-jährigen Radfahrer an, bringt den Mann nach Prora, setzt ihn dort ab und fährt davon. Der Verletzte wurde laut Einsatzleitstelle von einem Rettungswagen in eine Klinik gebracht und dort ambulant am Kopf behandelt.

Christian Hieff, Sprecher ADAC Hansa FOTO: LILIENTHAL

Dieser Fall von Fahrerflucht auf Rügen hat gestern für Aufsehen gesorgt. Die Polizei suchte zunächst Zeugen, die etwas zum Unfall sagen konnten – am Nachmittag meldete sich der 51-jährige Fahrer aus Sachsen-Anhalt selbst bei den Beamten und sagte zum Unfall aus. Es werde nun wegen Fahrerflucht und Verdacht auf unterlassene Hilfeleistung ermittelt, teilte eine Polizeisprecherin mit.

Kein Einzelfall, sagen Experten. In MV sind die Fälle von Fahrerflucht stark gestiegen. Nach den derzeit aktuellsten Zahlen entfernten sich im Jahr 2016 insgesamt 10912 Mal Menschen im Nordosten vom Unfallort – das sind rund 250 Fälle mehr als im Vorjahr und fast 900 mehr als 2014.

„Das unerlaubte Entfernen vom Unfallort ist kein Kavaliersdelikt und kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren bestraft werden“, betont Michael Teich, Sprecher des Schweriner Innenministeriums. Auch ein Zettel mit der Telefonnummer an der Windschutzscheibe, den viele bei Bagatellschäden hinterlassen, reiche nicht aus. Ebenso sei die Annahme falsch, dass man sich binnen 24 Stunden bei der Polizei melden könne und dabei straffrei ausgehe.

Auch Christian Hieff, Sprecher des ADAC Hansa, findet drastische Worte für die Entwicklung der vergangenen Jahre: „Unfallflucht ist leider zum Volkssport beziehungsweise Massenphänomen geworden.

Tagtäglich passiert das in Deutschland 100 und 1000-fach. Dabei drohen selbst bei kleinen Schäden massive Konsequenzen.“ In Fällen wie dem aus Prora, wo es bei einem Unfall zu Verletzten kommt, sei es natürlich besonders angebracht, die Polizei zu benachrichtigen.

Grundsätzlich sprechen sich die Experten des Verkehrsclubs dafür aus, den Straftatbestand der Fahrerflucht zu reformieren. Bei Bagatellschäden seien die Strafen vielfach zu drastisch – die Hemmschwelle, dann auch später noch zur Polizei zu gehen, sei damit besonders hoch.

Jeder dritte Bagatellschaden aufgeklärt

Die Zahlen von Unfällen, in denen sich Menschen unerlaubt vom Unfallort entfernten, sind gestiegen. Im Jahr 2016 gab es 485 Fälle, in denen Menschen einfach davonfuhren, obwohl andere Personen verletzt wurden. Nur etwa jeder zweite Fall davon wird aufgeklärt. In 215 Fällen hinterließen die Unfallverursacher bedeutenden Sachschaden. Bei den sogenannten Bagatellunfällen – zum Beispiel Beulen und abgebrochene Spiegel – wird nur jeder dritte Fall aufgeklärt.

Virginie Wolfram

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