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Aktuelle Beiträge Alte Frau beklaut Senioren: Polizei jagt Serientäterin
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00:01 26.10.2017
Wollen die Senioren warnen und hoffen auf neue Zeugenhinweise: Gerd Schwarz, Kontaktbeamter im Nordwesten, und Kripo-Ermittlerin Antje Wille hängten gestern am Boulevard in Lütten Klein die ersten Fahndungsplakate auf. Quelle: Foto: Andreas Meyer
Lütten Klein/Lichtenhagen

Eine kuriose Verbrechensserie hält seit nunmehr zwei Jahren die Polizei im Nordwesten der Hansestadt in Atem: Die Ermittler jagen dort eine Kleptomanin im Rentenalter, die noch ältere Senioren bestiehlt. „Die Diebin soll um die 65 Jahre alt sein, ihre Opfer sind zwischen 75 und 93“, sagt Antje Wille, Kriminalkommissarin und verantwortlich für die Ermittlungen in diesem Fall. Weil der Kripo bisher eine heiße Spur zu der Serien-Täterin fehlt, geht die Polizei nun einen ungewöhnlichen Weg: Die Beamten verteilen Fahndungsplakate in Geschäften, Banken und Supermärkten im Nordwesten.

Dass wir

mit Plakaten fahnden, ist eine absolute Ausnahme.

Yvonne Hanske

Sprecherin der

Polizei Rostock

FOTO: OVE ARSCHOLL

Ermittlungen fürchten hohe Dunkelziffer

Insgesamt 13 Taten der Frau wurden bislang bei der Polizei angezeigt, sagt Polizeihauptmeister Gerd Schwarz, Kontaktbeamter vom zuständigen Revier in Lichtenhagen: „Der Schaden dürfte vierstellig sein.“ Zuletzt wurde Ende Oktober eine 93 Jahre alte Frau Opfer der Kleptomanin. Allein bei dieser Tat erbeutete die Diebin 300 Euro. Doch: „Wir gehen davon aus, dass uns bislang nur ein kleiner Teil der Taten bekannt ist. Die Dunkelziffer dürfte noch deutlich höher liegen“, sagt Schwarz: „Viele Menschen trauen sich nicht, einen solchen Diebstahl anzuzeigen. Sie schämen sich, weil sie zum Opfer geworden sind. Doch diese Scham ist absolut unnötig.“ Die bekannten Diebstähle sollen sich allesamt rund um den Boulevard in Lütten Klein, aber auch rund um Supermärkte in Lichtenhagen ereignet haben.

Die selbstlose Hilfe ist nur ein Vorwand

„Die Masche der Täterin ist in allen Fällen die gleiche. Sie beobachtet die Senioren zunächst und spricht sie dann an, wenn sie aus der Bank oder vom Einkaufen aus dem Geschäft kommen“, berichtet Kripo-Ermittlerin Wille. Die Kleptomanin im Rentenalter bietet ihren Opfern dann scheinbar selbstlos ihre Hilfe an: „Sie trägt zum Beispiel die Einkäufe nach Hause, verschafft sich dann unter einem Vorwand Zutritt zur Wohnung – weil sie kurz auf die Toilette muss oder um ein Glas Wasser bittet.“ Einen kurzen, unbemerkten Augenblick nutzt die Kriminelle dann, um sich an den Geldbörsen ihrer Opfer zu schaffen zu machen. „Um sich das Vertrauen zu erschleichen, gibt sich die Täterin auch als ehemalige Mitarbeiterin eines Pflegedienstes aus“, so Wille.

Fahndung mit Plakaten und erhöhte Präsenz

Schon seit Wochen hat die Kripo im Nordwesten ihre Ermittlung in dem Fall der Kleptomanin ausgeweitet. „Wir haben unter anderem unsere Präsenz rund um den Boulevard erhöht“, berichtet Schwarz.

Die Täter-Beschreibungen der Opfer jedoch seien wenig aussagekräftig: „Für ein Phantombild haben sie nicht gereicht.“ Nur so viel kann die Polizei sagen: Die Diebin ist etwa 60 bis 65 Jahre alt. Sie hat ein gepflegtes, aber unscheinbares Äußeres. Die Frau spricht hochdeutsch, soll um die 1,65 Meter groß sein und schulterlange, dunkle Haare haben. Die Ermittler haben sich zudem zu einem ungewöhnlichen Schritt entschieden: Sie hängen Fahndungsplakate aus. „Wir sprechen Banken und Postfilialen, Friseure und Händler an. Sie sollen die Plakate aushängen, gleichzeitig wollen wir sie aber sensibilisieren“, so Kommissarin Wille. Außerdem: „Wir wollen auch die Senioren warnen.“

Zeugenhinweise nimmt die Polizei unter ☎ 0381/77070 entgegen.

Andreas Meyer

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