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Bombendrohung: 26-Jährige aus Grevesmühlen angeklagt

Grevesmühlen/Schwerin Bombendrohung: 26-Jährige aus Grevesmühlen angeklagt

Die Frau hatte über Monate die Polizei und Flughäfen beschäftigt

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Sabine G. (26) aus Grevesmühlen mit ihrem Rechtsanwalt Ullrich Knye vor dem Saal des Schweriner Landgerichts.

Quelle: Foto: Cornelius Kettler

Grevesmühlen/Schwerin. Seit gestern muss sich eine 26 Jahre alte Frau aus Grevesmühlen vor dem Schweriner Landgericht verantworten. Sabine G. soll laut Staatsanwaltschaft 2016 und 2017 bundesweit Flughäfen, Polizeiwachen und Medienhäusern mit Sprengstoffanschlägen gedroht haben. Per E-Mail, SMS oder per Anruf hatte sie die Drohungen, teilweise unter ihrem richtigen Namen, teilweise mit erfundenen Adressen an Polizeiwachen, Flughafenbetreiber und Geschäftsführer von Radiosendern geschickt. In einem Fall waren zwei Flüge verschoben worden, nachdem die Bombendrohung von Sabine G. eingegangen war. Die Lufthansa hat bereits Forderungen in Höhe von rund 35000 Euro gegen die Angeklagte erhoben, die allerdings bereits erhebliche Schulden hat.

 

OZ-Bild

Die Frage, die sich mir stellt, ist, warum ruft jemand immer wieder bei einer Polizeiwache an? Norbert Grunke, Vorsitzender Richter

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Die 26-Jährige räumte gestern alle Vorwürfe ein, insgesamt sind mehr als ein Dutzend Taten zwischen Juni 2016 und Januar 2017 angeklagt. Das Gericht hat bislang drei Verhandlungstage angesetzt.

Im diesem Rahmen soll auch ein psychologisches Gutachten verlesen werden, die Angeklagte befindet sich seit mehreren Wochen in stationärer Behandlung. Sabine G. erklärte zum Verhandlungsauftakt, dass sie zum Tatzeitraum erhebliche Mengen Alkohol konsumiert habe. Von sechs bis zehn Flaschen Bier pro Tag war die Rede. Hinzu seien psychische Probleme gekommen, erklärte ihr Anwalt Ullrich Knye. Das Gericht muss klären, inwieweit die 26-Jährige schuldfähig ist. Ende Januar musste sich G. bereits vor dem Amtsgericht in Wismar verantworten. Damals erklärte ein Gutachter, dass die Angeklagte unter einer starken Persönlichkeitsstörung leide. Der Richter ordnete daraufhin die Unterbringung in der forensischen Psychiatrie an.

In der gestrigen Hauptverhandlung machte die junge Frau, die seit 2009 mit ihrem Lebensgefährten zusammenlebt, einen gefassten Eindruck. Sie schilderte ihren Lebenslauf, ihre gescheiterte Schulausbildung in Wismar sowie die vergeblichen Versuche als Hauswirtschafterin – auch diese Lehre hatte sie abgebrochen – beruflich Fuß zu fassen. Seit 2009 lebt sie mit ihrem Freund, einem Restaurantfachmann, zusammen. Er habe laut Sabine G. immer wieder versucht, sie davon abzuhalten, Drohungen per Internet oder per Telefon zu verschicken – allerdings vergeblich. Warum sie schließlich vor rund anderthalb Jahren begann, diese Drohungen zu verschicken, darauf konnte sie trotz mehrfacher Nachfrage von Richter Norbert Grunke keine Antwort geben. Ende 2015 hatte der Staatsschutz ihre Wohnung in Grevesmühlen durchsucht, da der Verdacht bestand, dass dort Waffen gelagert würden. Woher dieser Verdacht kam und welchen Grund der Staatsschutz für die Ermittlungen hatte, auch dies blieb unklar.

Fest steht, dass sie über Monate hinweg die Polizei beschäftigte mit ihren Sprengstoffdrohungen. Teilweise zeigte sie sich unmittelbar nach den Taten selbst an, stellte sich der Wache in Grevesmühlen. Rund 20-mal landete die junge Frau im vergangenen Jahr in der Psychiatrie im Wismarer Klinikum. Zum Teil hatte sie sich selbst eingewiesen, um von ihrer Alkoholsucht loszukommen.

Teilweise hatte die Polizei sie dort abgeliefert. Doch sämtliche Versuche, eine Langzeittherapie zu beginnen, scheiterten am Widerstand von Sabine G. „Die Sucht nach dem Alkohol war stärker“, erklärte sie gestern. An die einzelnen Taten könne sie sich zwar erinnern. Details jedoch, warum sie wen wann angerufen habe, könne sie allerdings nicht benennen, versicherte ihr Anwalt Ullrich Knye mehrfach.

Neben den Flughäfen in Düsseldorf und München waren auch zwei Radiosender von den Drohungen betroffen, darunter der Sender Ostseewelle in Mecklenburg-Vorpommern. Sabine G. hatte beispielsweise am 3.

Juni 2016 die Senderleitung aufgefordert, künftig keine Nachrichten mehr zu bringen. Es seien schon zu viele Lügen verbreitet worden. Der Sender schaltete daraufhin die Polizei ein. Ähnliche Forderungen stellte sie an die Geschäftsführung von Radio Regenbogen in Mannheim. Warum sie ausgerechnet diese Sender auswählte, blieb unklar.

Sprengstoff oder Waffen hat Sabine G. nicht besessen. Sie habe auch nie die Absicht gehabt, einen Anschlag in die Tat umzusetzen, beteuerte ihr Anwalt. „Sie hat Aufmerksamkeit gesucht.“

Michael Prochnow

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